Norderstedt
Amtsgericht

Prozess in Norderstedt: Tresordiebe wider Willen?

 Foto: Stefan Puchner/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

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Zwei Brüder aus Albanien stehen wegen Einbrüchen vor Gericht – der Jüngere will „nur mitgefahren“ sein.

Kiel/Bad Bramstedt.  Angeblich völlig ahnungslos sind zwei Brüder aus Albanien in eine Diebestour quer durch Schleswig-Holstein gestolpert. Die 27 und 32 Jahre alten Männer müssen sich wegen Einbruchs in zwei Einfamilienhäuser vor dem Kieler Landgericht verantworten. Für die Aufklärung hat die Strafkammer fünf Verhandlungstage eingeplant.

Laut Anklage fuhren die in U-Haft sitzenden Brüder am 24. Februar 2019 zunächst im Pkw von Neumünster aus an die Westküste. In einem Dorf bei Büsum im Kreis Dithmarschen sollen sie durch ein aufgebrochenes Badezimmerfenster in ein Einfamilienhaus eingestiegen sein, wo sie die Schmuckschatulle der Hausfrau und eine Sammlung von Ansteckern der Sportangler Kellinghusen mitgehen ließen.

Das 50 Kilo schwere Stück balancierten die Einbrecher auf einer Schubkarre zu ihrem Pkw

Auf der Rückfahrt brachen die Brüder dann am Ortsrand von Bad Bramstedt in ein Haus ein, so der Vorwurf. Die Täter stahlen in dem Haus Münzen, ein Schweizer Taschenmesser und eine Armbanduhr und brachen im Erdgeschoss einen Tresor aus der Verankerung. Das 50 Kilo schwere Stück balancierten sie auf einer Schubkarre der bestohlenen Hausbewohner zu ihrem Pkw. Der Inhalt: 5000 Euro Bargeld, zwei Apple-Notebooks und eine Uhrensammlung.

Der ältere Bruder, den die Polizei observierte, wurde samt Beute festgenommen. Der Jüngere überraschte zum Prozessauftakt mit folgender Geschichte: Am Tag vor den Einbrüchen habe ihn ein ehemaliger Mitgefangener aus der Justizvollzugsanstalt Neumünster um einen Freundschaftsdienst gebeten. „Er hatte Ausgang und fragte mich, ob ich ihn nach Hamburg zu seiner Familie fahren könne.“

Angeblicher Drahtzieher sagt im Oktober vor Gericht aus

„Kein Problem“, meinte angeblich der 27-Jährige. Auch sein Bruder sei mitgefahren. Unterwegs habe der Häftling plötzlich erklärt, seine Familie habe keine Zeit. Er wolle stattdessen einen Freund in Büsum besuchen. Am Ziel sei er ausgestiegen und nach fünf Minuten mit der Nachricht zurückgekehrt, es sei niemand zu Hause.

Auf der Rückfahrt habe der Häftling um einen Abstecher nach Bad Bramstedt gebeten – zu einem anderen Kumpel. Erst am Tatort habe er erklärt, er sei in Wahrheit auf Diebestour. „Mein Bruder und ich waren sauer“, behauptet der Jüngere in einer von seinem Verteidiger verlesenen Erklärung.

Der ältere Bruder (32) schweigt vor Gericht

„Ich wollte damit nichts zu tun haben“, beteuerte der 27-Jährige. Deshalb habe er seine Freundin angerufen, um sich sofort abholen zu lassen. All dies habe er bisher verschwiegen, um seinen suizidgefährdeten Bruder nicht zu belasten. Der habe nämlich am Ende doch noch mitgemacht. Er selbst sei dagegen überhaupt nicht beteiligt gewesen, sondern einfach „nur ein Stück mitgefahren“.

Der ältere Bruder (32) schweigt vor Gericht. Inzwischen hat sich auch der dritte Mann – der angebliche Drahtzieher der Diebestour – gemeldet. Er soll Anfang Oktober als Zeuge aussagen. Auf seine Version darf man sehr gespannt sein.