Norderstedt
Hopfenliebe

Brauerei für Norderstedt: Bevorteilt die Stadt den Investor?

So könnten die Hopfenliebe-Brauerei und die Gastronomie am Stadtpark aussehen.

So könnten die Hopfenliebe-Brauerei und die Gastronomie am Stadtpark aussehen.

Foto: Burgmayer, Andreas / Hopfenliebe

Hopfenliebe-Chef will fünf Millionen Euro in den Bau investieren. Doch er genießt Vorteile gegenüber anderen Gastronomen.

Norderstedt. Rajas Thiele-Stechemesser ist richtig sauer an diesem Freitag. Die Diskussionen in der Politik um sein Projekt, den Bau einer Hopfenliebe-Brauerei am Norderstedter Stadtpark, haben dem Chef der städtischen Mehrzwecksäle Norderstedt GmbH (MeNo) zugesetzt. „Dass man nahelegt, ich würde mich an der Sache bereichern wollen, ist eine bodenlose Frechheit.“

An der schwelenden Diskussion will sich Thiele-Stechemesser aber öffentlich und im Detail nicht beteiligen – auch aus Rücksicht auf die zuständigen Gremien, dem Hauptausschuss der Stadtvertretung und dem Aufsichtsrat der MeNo, die am 23. und am 30. September tagen. „Ich werde in der öffentlichen Sitzung des Hauptausschusses Antworten auf alle Fragen geben und das alles offenlegen – da gibt es keine Geheimnisse.“

Hopfenliebe mit Steuergeld großgemacht?

In der Politik sieht man das offenbar ganz anders. Seit Thiele-Stechemesser sein Projekt einer Brauerei am Stadtpark vorgestellt hat, herrscht besonders bei den Kommunalpolitikern von CDU und FDP großer Gesprächsbedarf. Die Anfragen von CDU und FDP für den Hauptausschuss scheinen Ausdruck eines großen Misstrauens gegenüber den Plänen des MeNo-Geschäftsführers zu sein. Grob zusammengefasst fragen sich seine Kritiker: Wie kann es sein, dass die Stadt Norderstedt ihrem Mitarbeiter Thiele-Stechemesser mit Steuergeld und Vorzugskonditionen in der Gastronomie im Rathaus den Aufbau der erfolgreichen Marke und des Brauhaus-Konzepts Hopfenliebe ermöglicht hat, und sich dieser nun als Eigentümer der Marke Hopfenliebe selbstständig machen will?

Anstoß nehmen CDU und FDP besonders an der Tatsache, dass die Markenrechte an der Hopfenliebe im Juni 2018 von der städtischen MeNo auf die Privatperson Rajas Thiele-Stechemesser übertragen wurde – angeblich ohne Wissen der Stadt, der Politik und des zuständigen Aufsichtsrates der MeNo. Tatsächlich hatte Thiele-Stechemesser die Brauhaus-Pläne im Hauptausschuss als Privatmann vorgestellt, nicht als MeNo-Chef, wie die Stadtverwaltung betont.

Es handle sich also nicht um ein städtisches Projekt, sagt Sprecher Bernd-Olaf Struppek. „Auch aus Sicht der Verwaltung müssen noch sehr viele Fragen beantwortet werden. So wird derzeit geprüft, wann, unter welcher Verantwortung und auf welcher Basis Markenrechte geschützt beziehungsweise auf wen diese Markenrechte übertragen wurden.“ Letzteres kann jeder feststellen, der sich beim Deutschen Marken- und Patentamt einen Auszug besorgt: Rajas Thiele-Stechemesser ist hier als Halter der Marke Hopfenliebe verzeichnet.

Vorteile gegenüber anderen Gastronomen

Dass die Stadt und damit auch Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder angeblich keine Kenntnis der Rechtslage in der Hopfenliebe haben, ist schwer vorstellbar. Dass die Verwaltung die Lage offiziell erst jetzt auf Anfrage der Politik prüft, lässt im Umkehrschluss die Vermutung zu, dass es sich bei dem Übergang der Markenrechte von der MeNo auf Rajas Thiele-Stechemesser um Vertragsinhalte zwischen der Stadtverwaltung unter Hans-Joachim Grote und dem MeNo-Chef handelt.

Thiele-Stechemesser betont, er wolle mit dem 5 Millionen Euro teuren Brauereibau am Stadtpark lediglich die Probleme der Hopfenliebe lösen – nämlich den erfolgreich eroberten Craft-Beer-Markt mit mehr Norderstedter Bier zu versorgen und die völlig überforderte Brauanlage im Rathauskeller zu entlasten, endlich genügend Lagerflächen zu haben und Norderstedt eine einzigartige Attraktion zu bieten.

Das könne eine städtische Gesellschaft rechtlich nicht umsetzen, nur eine privatwirtschaftliche. Grundsätzlich erhält er dafür auch Unterstützung von der Politik – alle Politiker würden das Projekt gerne realisiert sehen. „Aber ohne städtische Unterstützung“, sagt die FDP-Stadtvertreterin Gabriele Heyer. Die Hopfenliebe zahle nur 24.000 Euro Pacht im Rathaus und werde über die Zuschüsse an die MeNo mit den Gewerbesteuerzahlungen, auch die seiner Konkurrenten, bezuschusst.

Und nun wolle Thiele-Stechemesser auch noch für die Brauerei ein Grundstück am Stadtpark mit Erbbaurecht zu außergewöhnlich günstigen Konditionen. „Andere Gastronomen in Norderstedt müssen solche Grundstücke kaufen oder von Investoren zu deutlich höheren Konditionen pachten“, sagt Heyer. „Die Liberalen fordern die lückenlose Aufklärung dieser Vorgänge, insbesondere auch der Frage, wo und auf wessen Rechnung das Bier aus der Hopfenliebe verkauft wird.“

Aussprache zur Hopfenliebe, Sitzung des Hauptausschusses am Montag, 23. September, 18.15 Uhr, im Sitzungsraum 2 des Rathauses.