Norderstedt
Mondlandung

Die Mondlandung – ohne diesen Duvenstedter undenkbar

Bernd Peters aus Duvenstedt sorgte am 20. und 21. Juli dafür, dass Millionen Fernsehzuschauer live dabei waren, als Neil Armstrong als erster Mensch den Mond betrat.

Bernd Peters aus Duvenstedt sorgte am 20. und 21. Juli dafür, dass Millionen Fernsehzuschauer live dabei waren, als Neil Armstrong als erster Mensch den Mond betrat.

Foto: Frank Knittermeier

Der heute 76 Jahre alte Bernd Peters leitete vor 50 Jahren die ZDF-Liveübertragung der Mondlandung im Wandsbeker Studio.

Kreis Segeberg. Die Erinnerungen passen in eine grüne Plastiktüte. Bernd Peters zieht einen Stapel Papiere heraus, sichtet sie vorsichtig und nimmt schließlich eine schwarze Schriftrolle in die Hand. „Moment“, sagt er, „hier irgendwo steht mein Name.“ Zwei Meter ist die Rolle lang, sein Name steht fast ganz unten. Dort, wo die wichtigen Beteiligten stehen. „Aufnahmeleitung: Bernd Peters“ ist dort deutlich mit weißer Schrift auf schwarzem Grund zu lesen.

Darüber stehen viele Namen, darunter nur noch der des Produktionsleiters und des Regisseurs. Erinnern kann sich wahrscheinlich kaum noch jemand daran, aber vor 50 Jahren, in den Morgenstunden des 21. Juli 1969, flimmerte diese Schriftrolle als Abspann der ZDF-Sondersendung über die Mondlandung und den ersten Schritt eines Menschen auf dem Erdtrabanten über die Bildschirme – so funktionierte das damals, im vordigitalen Zeitalter.

Die Besatzung von Apollo 11 hatte ihre Mission erfüllt, die Mitarbeiter des ZDF ebenfalls. Sie hatten im Studio Hamburg eine Marathonsendung hinter sich gebracht und konnten jetzt beruhigt nach Hause gehen oder, wie im Falle des Aufnahmeleiters Peters, die nächste Sondersendung vorbereiten.

Mondlandung ging in Arbeitshektik unter

Bernd Peters, heute 76 Jahre alt, lebte in Tangstedt und arbeitete freiberuflich für das Zweite Deutsche Fernsehen. Er gehört zu den Menschen, die besondere Erinnerungen an den Tag der Mondlandung haben. Allerdings: Die Erhabenheit des damaligen Moments ist in der Arbeitshektik an ihm vorbeigegangen. Um 3.56 Uhr, als Neil Armstrong den Mond betrat, hatten er und seine Mitarbeiter schon eine lange Arbeitsnacht hinter sich. Um 20 Uhr war das ZDF, das für die Direktübertragungen der „ungeraden“ Apollo-Missionen (11, 13 und 15) zuständig war, auf Sendung gegangen. Eine Holzattrappe der Mondkapsel stand in der größten Halle des Studio Hamburgs, Moderator Heinrich Schiemann kommentierte pausenlos und füllte die langen Spannungslücken, in denen nichts Nennenswertes geschah.

„Der Redakteur hat geredet, ich habe den Rest gemacht“, erinnert sich Peters, der für den gesamten Ablauf der Sendung verantwortlich war. Als Freiberufler hatte er die Möglichkeit, rund um die Uhr zu arbeiten, die festangestellten Kollegen hatten weniger Freiraum und mussten sich den Gewerkschaften fügen.

Von Houston über London nach Hamburg-Wandsbek

Alle Bilder aus dem Raumfahrtzentrum Houston kamen per Atlantikkabel über England zunächst nach Brüssel, wo die European Broadcasting Union sie an die Hamburger Post schickte, die sie dann ins Studio Hamburg nach Wandsbek weiterleitete. „Satellitenübertragungen gab es selbstverständlich noch nicht“, sagt Bernd Peters, der sich heute noch wundert, dass derartig aufwendige Sendungen realisiert werden konnten. Mit zehn Sekunden Zeitverzögerung kamen die Fernsehzuschauer im gesamten deutschsprachigen Raum in den Genuss der Bilder vom Mond.

Den entscheidenden Satz von Neil Armstrong („Dies ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein gewaltiger Sprung für die Menschheit.”) ging an Bernd Peters im Zuge der allgemeinen Hektik im Studio vorbei. „Ich war so in meine Arbeit eingespannt, dass ich das nur nebenbei wahrnahm. Es konnte ja jederzeit etwas schiefgehen.“ Es klappte weitgehend alles, Lücken wurden mit Interviews gefüllt. ZDF-Forschungs- und Raumfahrtexperte Heinrich Schiemann konnte sich auf seinen Aufnahmeleiter verlassen, im Laufe der Nacht aber gab es auch Auseinandersetzungen.

„Herr Peters, winken Sie nicht so, das lenkt mich ab“, rief der Moderator seinem Mitarbeiter während der Livesendung zu, als die Regie entgegen seiner Meinung live in den Orbit schalten wollte. Bernd Peters muss heute darüber schmunzeln: „Heinrich Schiemann war kaum zu bändigen, weil er ja stundenlang ohne Punkt und Komma reden musste.“

Der gelernte Radio- und Fernsehmechaniker hat mit dem Fernsehen längst nichts mehr zu tun. Heute wohnt er wenige Hundert Meter von der Tangstedter Ortsgrenze entfernt in Duvenstedt und ist Inhaber und Geschäftsführer der Ambulanz-Service-Gesellschaft mit 80 Angestellten und vielen Fahrzeugen an diversen Standorten. Bis vor wenigen Monaten betrieb sein ASG-Rettungsdienst auch einen Standort im Kreis Segeberg: Von Lentföhrden aus wurden große Teile des Kreises Segeberg zwölf Jahre lang von seinen Mitarbeitern und Fahrzeugen versorgt. Neben DRK und KBA war Peters der dritte Anbieter von Krankentransportfahren im Kreis Segeberg.

Zurzeit ist Peters mit seinem ASG-Rettungsdienstes auch noch im Kreis Stormarn aktiv. Demnächst werden seine Rettungsmittel vom Rettungsdienst Stormarn gGmbH übernommen.

Die Erinnerungen von Bernd Peters passen heute in die kleine Plastiktüte. In seinen Jahren beim ZDF hatte er viele Sendungen zu verantworten – darunter auch „Vergissmeinnicht“ mit dem von ihm nicht sehr geschätzten Peter Frankenfeld oder „Disco“ mit Ilja Richter. Aber die Apollo-Liveübertragungen gehören zu seinen ganz besonderen beruflichen Höhepunkten. „Ich habe erst später realisiert, dass ich dabei war, als Geschichte geschrieben wurde.“