Mobilität

In Norderstedt kann man jetzt Elektro-Lastenräder mieten

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Angeführt von Baudezernent Thomas Bosse wurden die 15 neuen Elektro-Lastenräder auf die Stationen in der Stadt verteilt.

Angeführt von Baudezernent Thomas Bosse wurden die 15 neuen Elektro-Lastenräder auf die Stationen in der Stadt verteilt.

Foto: Andreas Burgmayer

Auf dem Weg zur Fahrradstadt: Norderstedt investiert 130.000 Euro in 15 Lastenfahrräder mit Elektromotor - als Alternative zum Auto.

Norderstedt.  Wer auf dem Elektro-Transportrad sitzt, lässig mit kraftlosem Tritt in die Pedale das Gefährt auf 25 km/h beschleunigt, der kommt ins Grübeln: Brauche ich wirklich noch ein Auto für die kurzen Wege in der Stadt, für den Einkauf im Supermarkt, für das Abholen der Kinder in der Kita, für den Ausflug in die Region mit leichtem Gepäck?

Die erste halbe Stunde auf dem Rad ist kostenlos

15 hochwertige Elektro-Lastenfahrräder hat die Stadt Norderstedt gerade auf die 15 Ausleihstationen des Rad-Sharing-Anbieters Nextbike in Norderstedt verteilt. Die stabilen Spezialanfertigungen aus Berlin kosten 130.000 Euro und werden zu 70 Prozent vom Umweltministerium in Berlin bezuschusst. Und ab sofort können sich die Norderstedter die Lastenräder ausleihen: Die erste halbe Stunde ist kostenlos, die weiteren halben Stunden kosten je einen Euro, maximal werden 9 Euro für einen Tag fällig. Das Lastenfahrrad ist also nicht nur praktisch und umweltfreundlich, es ist auch noch günstig.

Am Dienstag präsentierten der Erste Stadtrat Thomas Bosse und Christina Hass vom Amt Nachhaltiges Norderstedt die 15 Räder der Öffentlichkeit – inklusive Probefahrt, für jeden der Lust hatte. Für die Stadtverwaltung sind die E-Lastenräder der nächste Schritt hin zur Fahrradstadt mit bundesweiter Bedeutung. „Wir haben jetzt schon einen bundesweit einzigartigen Mix in unserem Leih-Fahrradsystem“, sagt Hass.

Norderstedt ist Modellstadt für die Mobilität der Zukunft

Norderstedt ist Teil des vom Bundesumweltministerium unterstützten Pilotprojektes TINK. Das steht für Transportrad-Initiative Nachhaltiger Kommunen. Gemeinsam mit Konstanz am Bodensee ist Norderstedt also der Pionier in dem Bemühen, den Bürgern einer Stadt mittels Lastenrädern eine möglichst alltagstaugliche Alternative zum Auto zu gewähren. Das Projekt will mehr sein als bloßer Symbol-Aktionismus im Zeichen des Umweltschutzes. Es möchte herausfinden, was die Bürger tatsächlich umdenken und auf den Fahrradsattel steigen lässt.

In einer ersten Phase des Projektes 2016 hatte die Stadt 24 herkömmliche Lastenräder in der Stadt verteilt. „Wir haben seither 1500 Ausleihen der Räder registriert“, sagt Christine Hass. Das sei zufriedenstellend, allerdings reagieren die Norderstedter nicht so aktiv auf die Räder wie die Konstanzer. „Das ist aber auch eine Universitätsstadt mit einer historischen Innenstadt, in der es wenig Parkplätze gibt“, sagt Hass. Bei den Umfragen unter Nutzern kam heraus, dass viele die Transporträder öfter nutzen würden, wenn sie einen Elektromotor zur Unterstützung hätten. Die Hälfte aller Nutzer gab an, das Auto öfter stehen lassen zu wollen für solche Transporträder.

Die Lastenräder haben eine Reichweite von 70 Kilometern.

Nun stehen die E-Räder bereit und die Stadt ist gespannt, wie sich die Leihzahlen entwickeln werden. Das Handling der Räder ist denkbar einfach. Über eine App kann man sich das Rad ausleihen (Siehe Info unten). Eine Anzeige in der App und an der Transportbox des Rades zeigt dem Fahrer an, wie der Ladezustand des Akkus im rad ist. Maximal hat das Rad eine Reichweite von immerhin 70 Kilometern. Dazu muss die Anzeige allerdings grün, also voll geladen anzeigen.

Überprüft und gepflegt werden die Räder von Nextbike. 50.000 Euro kostet der Service die Stadt pro Jahr. Die Nextbike-Mitarbeiter haben ständigen Kontakt mit den Rädern über ein GPS-Signal. Wenn zum Beispiel der Akku-Stand in den roten Bereich geht, wird er durch einen voll geladenen neuen Akku ersetzt. Die teuren Energiepakete liegen in einem gut gesicherten Bereich der Transportbox verschlossen und geschützt vor Vandalismus und Diebstahl. In der Box ist dabei immer noch ausreichend Platz für zwei Kleinkinder, die sich sogar anschnallen können, Insgesamt können 80 Kilogramm zugeladen und transportiert werden. Wer noch nie mit Zuladung gefahren ist, sollte allerdings vorher Proberunden drehen, ehe er auf die Straße geht. Das Lastenrad ist eine Umgewöhnung, selbst für erfahrene Radler.

„Ich bin davon überzeugt, dass sich diese Form der Mobilität langfristig durchsetzen wird“, sagt Stadtrat Thomas Bosse. „Norderstedt ist mit der Idee seiner Zeit noch ein Stück voraus. Aber ich war gerade in Kopenhagen. Da bauen sie schon Brücken – nur für Radfahrer. Der Weg zur Fahrradstadt braucht viel Zeit.“

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