Norderstedt
Kreis Segeberg

Hygieneregeln gefährden Kuchenbüfetts

Bei Flohmärkten oder Sportturnieren werden Besuchern oft privat hergestellte Kuchen und Torten angeboten – das Gesundheitsamt achtet hier insbesondere auf die Hygiene.

Bei Flohmärkten oder Sportturnieren werden Besuchern oft privat hergestellte Kuchen und Torten angeboten – das Gesundheitsamt achtet hier insbesondere auf die Hygiene.

Foto: Getty Images/iStockphoto

Beim Verkauf von Speisen auf Veranstaltungen gelten strenge Vorgaben. Für ehrenamtliche Organisatoren ist das eine Herausforderung.

Kreis Segeberg. Ein leckeres Stück Butterkuchen mit Serviette direkt auf die Hand, etwas von der Schwarzwälder Kirschtorte oder die saftige Frikadelle mit Senf nach Hausfrauenart: Was bei Veranstaltungen, die von Vereinen oder anderen Einrichtungen in der Regel ehrenamtlich organisiert werden, zum Verzehr angeboten wird, ist fast immer selbst gemacht. Das Geld, das eingenommen wird, dient einer guten Sache. Und je besser besucht ein Fest, ein Flohmarkt oder ein Basar ist, desto größer ist das Gedränge rund ums Kuchenbüfett.

Für die Hygiene kann das heikel sein, wenn nur noch Zentimeter zwischen möglicherweise auch noch erkälteten Besuchern und der Ware sind. In Bargteheide hat nun ein Flohmarkt („Frauen für Frauen“) seinen Termin im März abgesagt, da die Veranstalterinnen die Anforderungen seitens der Gesundheitsbehörde als nicht mehr angemessen und in der Umsetzung zu teuer empfanden (das Abendblatt berichtete).

Kreis Segeberg hat Hygieneproblem im Griff

Im Kreis Segeberg ist dieses Problem ebenfalls fast schon Alltag. Etwa in der Norderstedter Emmaus-Kirchengemeinde. Pastor Martin Lorenz antwortet ganz offen: „Wenn wir es nicht ehrenamtlich machen würden, dann würden wir keinen Gewinn erwirtschaften. Das ist mit einem Risiko verbunden. Ich sage den Leuten: Achtet auf die Kühlketten. Und bisher ist auch noch nie etwas passiert. Es gilt das Prinzip des gesunden Menschenverstandes.“

Einen Spuckschutz hätten die Kuchentische gleichermaßen. Lorenz hofft, dass die Vorkehrungen ausreichen, weiß es aber nicht genau. „Wenn jemand vom Amt kommt und sagt, es geht so nicht, dann ändern wir es.“ Er gibt zu bedenken: „Die Kuchen sind mit Liebe gebacken, das ist besser als eingekauft. Das ist der Charme einer solchen Veranstaltung.“

Vier Veranstaltungen führt die Kirchengemeinde pro Jahr durch. Die letzte war ein Basar vor Weihnachten. „Da haben wir zum Beispiel für Tansania gesammelt. Von den Einnahmen können elf Kinder je ein Jahr zur Schule gehen.“ Hätte Lorenz einen externen Caterer engagiert, wären zwar Profis für die Verpflegung zuständig gewesen – für den karitativen Zweck aber wohl kaum etwas übrig geblieben.

Etwas robuster geht es gewöhnlich beim Amateurfußball zu. Während der Winterpause laden viele Clubs aus der Region zu teilweise mehrtägigen Hallenturnieren ein. Diese sind nicht nur Treffpunkt der Szene, sondern auch eine wichtige Einnahmequelle. Der größte Wettbewerb im Kreis ist der Solarstrom-Cup des Leezener SC mit mehr als 1000 Besuchern an drei Tagen. „Wir sind zum Glück raus aus der Nummer, haben die ganze Bewirtung unserem Vereinswirt übergeben“, sagt Organisator Heino Togert. Besagter Wirt ist Rifat Gecaj, der selbst viele Jahre aktiv für Leezen kickte.

Bei Verstoß droht bis zu 10.000 Euro Bußgeld

Das Turnier ist für ihn und sein Team eine Herausforderung, es müssen von morgens bis abends hungrige Sportler uns Fans versorgt werden. „Den Kuchen backen wir selber ganz normal in der Küche. Dort hatten wir jetzt schon zweimal Kontrollen, es wurde alles auseinandergenommen“, sagt Gecaj. Zu beanstanden hatte das Gesundheitsamt jeweils nichts. „Die Kuchenbleche haben immer einen Deckel drauf. Und wenn wir draußen grillen, müssen die Waren immer bedeckt sein.“

Was exakt beachtet werden muss, teilt der Fachdienst für Lebensmittel in einem Merkblatt mit. „Werden Lebensmittel unverpackt in Selbstbedienung angeboten, ist durch Beaufsichtigung oder Schutzvorrichtungen wie Glasschürze oder Abdeckung dafür zu sorgen, dass die Lebensmittel nicht angefasst, angehustet oder sonst nachteilig beeinflusst werden können“, heißt es.

Leicht verderbliche Lebensmittel müssen in Kühleinrichtungen gelagert werden. Und wer Backwaren etwa mit nicht erhitztem Belag, mit Eiprodukten verkauft, Fleischerzeugnisse oder generell warme Mahlzeiten, muss eine Bescheinigung nach dem Infektionsschutzgesetz auch vor Ort vorweisen können.

Bei der Kontrolldichte stößt der Kreis jedoch zwangsläufig irgendwann an personelle Grenzen. „Die Überwachung erfolgt risikoorientiert. Das bedeutet, größere, publikumsintensive Veranstaltungen mit einem umfangreichen Verpflegungsangebot werden regelmäßig kontrolliert, kleinere Veranstaltungen stichprobenartig“, sagt Sabrina Müller, Sprecherin des Kreises. Und wenn etwas auffällt? „Hygieneverstöße im Sinne der Lebensmittelhygieneverordnung können mit einem Bußgeld von bis zu 10.000 Euro bei fahrlässigem Verhalten geahndet werden. Im Rahmen von Veranstaltungen werden häufig Verwarngelder in Höhe von bis zu 55 Euro erhoben.“ Oder ein Stand wird solange gesperrt, bis Versäumnisse behoben sind.

„Henstedt-Ulzburg bewegt“ hat hohen Anspruch

Eine nachhaltige Erfahrung machte 2014 der Verein „Henstedt-Ulzburg bewegt“. Beim Drachenfest hatte ein Gas­tronom verdorbene Lebensmittel in Umlauf gebracht und Burger verkauft, deren Hack voller lebendiger Maden war. „Dadurch sind wir gebrandmarkt. So eine Presse wollen wir nicht noch einmal haben“, sagt Vorstandsmitglied Frank Bueschler.

„Man kann Kuchen nicht einfach auf die Bierzeltgarnitur packen. Auf den Getränkewagen müssen wir drei Waschbecken haben für Hände, Geschirr und Früchte. Beim Oktoberfest haben wir einen Kuchenverkauf, dort arbeiten wir mit Spuckschutz. Das wird stichprobenartig vom Ordnungsamt überprüft“. Stören tut ihn das nicht. „Es wird schon recht streng genommen im Kreis. Aber das finde ich nicht schlecht. Ich habe auch einen hohen Hygieneanspruch an mich.“