Stormarn
Bargteheide

Hygiene für Kuchenbuffets verschärft – Flohmarkt abgesagt

Das Kuchenbuffet war jahrelang das Herzstück des Flohmarkts, der ehrenamtlich von acht Bargteheider Frauen organisiert wurde.

Das Kuchenbuffet war jahrelang das Herzstück des Flohmarkts, der ehrenamtlich von acht Bargteheider Frauen organisiert wurde.

Foto: Kerstin Detloff / HA

Viele Veranstaltungen in Stormarn sind künftig betroffen. Flohmarkt-Organisatoren in Bargteheide beklagen neue Anforderungen.

Bargteheide. Egal, ob Fußballturnier, Schulbasar, Flohmarkt, Kirchen-, Straßen- oder Stadtteilfest: Bei vielen Veranstaltungen in Stormarn gehören Kuchenbuffets dazu. Die leckeren Kreationen werden meist von Freiwilligen als Spende gebacken – zum Beispiel von Vereinsmitgliedern, Eltern oder Anwohnern. Die Einnahmen aus dem Verkauf sind in der Regel für einen guten Zweck vorgesehen, sei es für die Mannschaftskasse, die nächste Klassenfahrt oder ein soziales Projekt.

So auch beim Flohmarkt von Frauen für Frauen in Bargteheide. Seit 2004 organisieren acht Ehrenamtler jedes Jahr mit der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt die gemeinnützige Veranstaltung im Ganztagszentrum, immer am Sonnabend vor dem Weltfrauentag am 8. März. Einnahmen in Höhe von 11.500 Euro kamen dabei in 15 Jahren zusammen – durch die Standgebühren, vor allem aber dank des Kuchenverkaufs.

Das Geld wurde an verschiedene soziale Projekte für Frauen gespendet. Doch damit ist nun Schluss. Die Organisatoren haben den Flohmarkt für dieses Jahr abgesagt. Als Grund nennen sie die strengen Hygienevorschriften für das Kuchenbuffet. „Als wir vor 15 Jahren begonnen haben, waren die Bedingungen ganz anders“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte Kathrin Geschke. „Seitdem sind die Anforderungen an die Lebensmittelhygiene stark gestiegen. Das müssen wir ernst nehmen.“

Mindestanforderungen für Lebensmittelverkauf erhöht

Der Kreis Stormarn hat die Mindestanforderungen für den Verkauf von Lebensmitteln bei solchen Veranstaltungen auf einem Merkblatt zusammengefasst. Eine zentrale Vorgabe: Es ist auszuschließen, dass die Besucher den Kuchen anfassen oder anhusten könnten. Deshalb müsse er „mindestens bis Tresenhöhe von Wänden umschlossen“ oder mit Abdeckhauben gesichert werden. „Wir wollen keine Kuchenbuffets verbieten, sondern aufklären, was notwendig ist, damit niemand krank wird“, sagt Anja Kühl, Fachbereichsleiterin beim Kreis Stormarn. „Viele gehen zu ahnungslos an das Thema heran.“

Es sei unbedingt erforderlich, Sahnetorten zu kühlen, damit sie nicht schlecht werden. So wie es auch in jeder Bäckerei üblich sei. Zudem müssten die Verkäufer in der Nähe eine Waschmöglichkeit haben, um sich zwischen Geldannahme und Kuchenausgabe die Hände zu säubern. „Darauf legen wir großen Wert“, sagt Kühl. „Es ist problematisch, wenn sich die Toiletten am anderen Ende des Gebäudes befinden.“ Auch müsse die Verwendung von Zusatzstoffen gekennzeichnet werden, zum Beispiel bei Cola mit dem Stichwort „koffeinhaltig“.

Bei der Veranstaltung in Bargteheide wurden diese Vorgaben bisher nicht umfassend erfüllt. Das Kuchenbuffet stand mitten im Raum, oft herrschte ein großes Gedränge drumherum. Schutzvorrichtungen und Kühlungen? Fehlanzeige. Dennoch habe der Kreis das Buffet nicht untersagt, betont Kühl. „Unsere Kontrolleure waren noch nie bei dem Flohmarkt, hatten auch dieses Mal keinen Kontakt zu den Organisatoren.“ Fünf Lebensmittelkontrolleure arbeiten beim Kreis Stormarn. Sie sind jeweils für einen bestimmten Bezirk zuständig. Dazu gibt es zwei Auszubildende.

Kuchenbuffet könnte in einem separatem Raum stehen

Seit zwei, drei Jahren drehten die Mitarbeiter verstärkt am Wochenende auf Weihnachtsbasaren ihre Runden, weil dort immer häufiger Essen nicht vorschriftsgemäß verkauft werde. Wenn sie Missstände feststellen, machen die Experten zunächst Verbesserungsvorschläge. „Vieles lässt sich leicht abstellen“, sagt Anja Kühl. So könne ein Kuchenbuffet beispielsweise in einem separaten Raum aufgebaut werden, zu dem nur die Verkäufer Zugang haben. Die Ausgabe könne über einen Tisch im Türbereich erfolgen. Erst wenn Hinweise bewusst ignoriert würden, müssten die Veranstalter mit einer Abmahnung rechnen. Dann könnte die Behörde ein Verwarn- oder in schwerwiegenden Fällen auch ein Bußgeld verhängen. Es beginnt laut Kühl bei 15 Euro.

Das Problem: Je kleiner die Veranstaltung, desto schwieriger sei die Kontrolle. „Wir erfahren meistens nicht, wenn bei irgendeinem Fußballturnier auch Kuchen verkauft wird“, sagt Kühl. Einige Veranstalter, etwa von Amtsfeuerwehrfesten, arbeiteten inzwischen bei der Essensausgabe mit professionellen Anbietern zusammen, die dann gleich Kühlschränke mitbringen.

„Die Hygienevorgaben ließen sich sicherlich auch bei unserer Veranstaltung irgendwie erfüllen“, sagt Kathrin Geschke. „Aber das verursacht hohe Kosten – allein für den Spuckschutz und die Kühlung der Torten.“ Die Frage sei, ob der Aufwand dann noch mit der ursprünglichen Projektidee in Einklang zu bringen sei. Geschke sagt: „Unser Ziel war es immer, möglichst viel Geld für soziale Projekte zu sammeln. Die neuen Anforderungen würden den Ertrag deutlich schmälern.“ Zudem sei der gestiegene Mehraufwand für das ehrenamtlich arbeitende Organisationsteam nur sehr schwer zu stemmen.

Kuchenbuffet macht 70 Prozent des Gewinns aus

Auf das Kuchenbuffet zu verzichten, komme ebenfalls nicht infrage. Es sei immer die Haupteinnahmequelle gewesen, habe etwa 70 Prozent des Gewinns ausgemacht. „Viele Besucher sind nur wegen der vielfältigen Kuchen und Torten zu unserer Veranstaltung gekommen“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte. Doch in den vergangenen Jahren hätten die Nachfragen nach den Zutaten stark zugenommen.

„Wir können aber nicht alles kennzeichnen, weil wir meist gar nicht wissen, was in einem mitgebrachten Kuchen drin ist“, sagt sie. Dennoch will das Team den Frauenflohmarkt noch nicht gänzlich aufgeben. Kathrin Geschke sagt: „Wir prüfen jetzt, ob es für die Zukunft andere Lösungen gibt.“