Norderstedt
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Bildungshaus soll Bühne für Bürger werden

Der niederländische Architekt Aat Vos stellte sein Konzept vor

Der niederländische Architekt Aat Vos stellte sein Konzept vor

Foto: Heike Linde-Lembke / Heike Linde-Lembke .

Der niederländische Architekt Aat Vos stellte seine Vision vom „Dritten Ort“ im Norderstedter Kulturausschuss im Rathaus vor.

Norderstedt.  Das Interesse der Norderstedter am „Dritten Ort“ des Architekten Aat Vos war so groß, dass der Kulturausschuss in den Plenarsaal umziehen musste. Der Niederländer stellte dort seine Vision des Norderstedter Bildungshauses als einen Treffpunkt, eine Bühne für alle vor. Gebaut wird das Bildungshaus am jetzigen Standort der Garstedter Bücherei.

Die Bücherei soll künftig nicht nur Bücher zum Ausleihen anbieten, die Volkshochschule nicht nur zu Kursen und das Archiv nicht nur zum Recherchieren einladen. Im Bildungshaus von Aat Vos vereinen sich alle unter einem Dach. Zum „Dritten Ort“ wird es aber erst, wenn alle Bürger und Kulturvereine diesen Platz aktiv als Bühne nutzen – auch ein Café ist denkbar.

„Es genügt nicht mehr, Räume nur für eine Veranstaltungsart einzurichten. Räume müssen interaktiv nutzbar sein und den Menschen einen sicheren und aktiv zu nutzenden Ort bieten“, sagte Aat Vos. Er betonte: „Wir haben uns angeschaut, wer das Bildungshaus in Norderstedt besuchen würde, um es richtig entwickeln zu können, denn letztlich prägen die Nutzer diesen Ort.“

Wichtig sei es, einen Erlebnis-Ort zu schaffen, mit dem sich die Bürger identifizieren können. „Die Menschen brauchen heute keine Produkte mehr, sondern Erlebnisse, also den Friseur in der Bar, den Blumenladen mit Mode, das Café mit Büchern“, sagte der Architekt. Diese Erlebniswelten würden den Menschen die Möglichkeit zum Kennenlernen, zum Miteinander, zum Teilen und Lernen oder zum Gedankenaustausch bieten.

Bildungshaus könnte ganze Region aufwerten

„Wir entwerfen einen öffentlichen Raum zum Zusammensein und wollen die noch unbekannte Erfahrung zukunftsfähig machen“, sagte Vos. Dazu würden auch die virtuellen Welten gehören, in denen sich die Kinder schon längst sicher bewegen. „Es sollte aber vor allem ein Treffpunkt werden, wo sich jeder Einzelne wieder geschätzt fühlt, weil er dort als wichtig anerkannt wird“, betonte er. Das Bildungshaus soll zudem mit seiner Umgebung verknüpft werden, damit es die gesamte Region aufwerten könne.

Einige von Norderstedts 34 Kulturträgern indes sind skeptisch. „Ich habe in dem ganzen Konzept keinen Raum gefunden, in dem wir große Ausstellungen, vor allem auch für wertvolle Exponate namhafter Künstler, veranstalten können“, lautete die Kritik von Irene Koss, Vorsitzende des Kunstkreises Norderstedt. „Auch für die Amateurtheater wäre ein weiterer Auftrittsort wünschenswert“, sagte Heidi Kuhlmann, Vorsitzende des Neuen Theaters Norderstedt.

Jetzt entwickelt Aat Vos das Konzept „Dritter Ort“ in Workshops mit der Norderstedter Verwaltung weiter. Die Ergebnisse sollen in den nächsten Kulturausschuss-Sitzungen vorgestellt werden.