Norderstedt
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Berliner Architekten bauen das Bildungshaus

Der Entwurf für das Norderstedter Bildungshaus von den Berliner Architekten Christoph Richter und Jan Musikowski

Der Entwurf für das Norderstedter Bildungshaus von den Berliner Architekten Christoph Richter und Jan Musikowski

Foto: Andreas Burgmayer / HA

Die Fachjury hat sich entschieden: Der spektakuläre Entwurf des Büros Richter/Musikowski überzeugte Verwaltung, Politik und Bürger.

Norderstedt.  17:0. Ein Ergebnis, an dem nichts gedeutelt werden kann. Die Jury des Realisierungswettbewerbs für das Garstedter Bildungshaus war sich am Donnerstag zweifellos einig, dass der Entwurf mit der Nummer 2007 die beste architektonische Lösung für das derzeit ambitionierteste Projekt der Stadt ist. „Der Entwurf hat uns schlicht alle umgehauen“, sagt Norderstedts Oberbürgermeisterin und Jury-Mitglied Elke Christina Roeder.

Angenehm überrascht war die Jury, als schließlich der Umschlag geöffnet wurde mit dem Namen des Büros, das hinter dem Entwurf steht – denn alle acht ausgewählten Entwürfe der Endrunde waren der Jury anonym präsentiert worden. Es sind die jungen Architekten Jan Musikowski und Christoph Richter aus Berlin. Der eine, Musikowski, machte sein Diplom an der Bauhaus-Universität in Weimar, der andere an der Technischen Uni Dresden. Sie beide eint die Liebe zur klaren Formensprache. Das spektakulärste Objekt ihrer noch jungen Schaffensphase steht in der Hauptstadt, westlich des Hauptbahnhofs: das Futurium, das Haus der Zukunft. Für das Bundesforschungsministerium haben die beiden Architekten den Zukunftsgedanken in Stein, Glas, Beton und Stahl gefasst. Die atemberaubende Gebäudehülle soll für die Präsentation der großen Ideen der Zukunft die Bühne sein.

„Wir sind sehr froh, dass wir gerade diese beiden Architekten nun für unser Bildungshaus gekürt haben“, sagt Ingo Tschepe, Leiter der Stadtbücherei. Denn auch das Bildungshaus ist eben ein Stück Zukunft in der Stadt. „Ein multifunktionaler Lernort und ein Treffpunkt für die Stadtteile, mit Strahlkraft für die ganze Stadt.“ Baudezernent Thomas Bosse ist ein Fan von Richter/ Musikowski: „Mit dem Futurium haben die Jungs gezeigt, dass sie es können.“ Der Berliner Bau habe eine herausragende Qualität. „Und der Entwurf für das Bildungshaus ist filigrane Kunst.“

Vorgesehen ist ein dreigeschossiger Bau, der sowohl die Stadtbücherei Garstedt als auch die Volkshochschule und das Stadtarchiv aufnehmen soll. Richter/Musikowski planen dafür ein offen gestaltetes Gebäude mit Holzfassade. Eine Idee, die der Notwendigkeit entsprang, dass auf dem vorgesehenen Grundstück zwischen Coppernicus- Gymnasium, Herold-Center und der heutigen Stadtbücherei Garstedt Bäume gefällt werden müssen. „Doch es wird eine moderne Holzsprache gesprochen, das ist nichts schmusig-altbackenes, sondern ein moderner, gemütlicher und natürlicher Ort“, sagt Bosse.

Im Inneren ist das Gebäude hell und durchlässig, wird charakterisiert durch ein Atrium, über das Tageslicht in alle Etagen flutet. Eine „Bildungstreppe“ erschließt das ganze Haus und dient gleichsam als Tribüne oder Sitzgelegenheit.

Oberbürgermeisterin Roeder gefällt vor allem das Licht durchflutete Erdgeschoss der Planung. „Das Haus hat außerdem drei Eingänge und wirkt mit seiner Transparenz sehr einladend.“ Besonderes Highlight des Entwurfes ist das Dach. Es ist komplett begehbar, untergebracht werden sollen hier eine Photovoltaik-Anlage und ein Dach-Café.

Mit der Wahl des Entwurfs fange die eigentliche Arbeit nun erst an, sagt Thomas Bosse. Ingo Tschepe muss nun gemeinsam mit den Architekten und Innenraum-Designern die gewünschten Funktionen in dem Haus unterbringen. „Das Konzept ist ja nicht starr und aufgeteilt zwischen Bücherei, Volkshochschule und Archiv. Alles soll ineinander übergehen“, sagt Tschepe.

Die Suche nach dem Innenraumkonzept, so Bosse, würde sicherlich ein Jahr in Anspruch nehmen. „Und dann muss ja noch so etwas nicht ganz Unwesentliches wie ein Bauantrag gestellt, politisch diskutiert und beschlossen werden.“ Vor Mitte 2019 könnten die Bagger also nicht anrücken auf dem Grundstück. „Wir arbeiten da auch nicht unter der Zeitpeitsche. Wir wollen Qualität“, sagt Bosse.

Der Kostenrahmen für das Bildungshaus in Höhe von 9,8 Millionen Euro wurde von der Politik festgezurrt. Bosse: „Das wird sicherlich keine Elbphilharmonie. Wir lieben es in der Verwaltung, Kostenrahmen einzuhalten.“ Doch die Stadtarchivnutzung und eine mögliche Tiefgarage unter dem Bildungshaus sind in den 9,8 Millionen Euro noch nicht enthalten. 5 Millionen Euro könnte das kosten, laut Planer. Bosse hält diese Kosten für zu hoch gegriffen. „Aber wir müssen da sicherlich noch einige Diskussionen mit der Politik führen.“ Die Tiefgarage könnte später auch für die von der Politik geforderte Wohnbebauung mitgenutzt werden. Sie könnte nach Fertigstellung des Bildungshauses und Abriss der alten Garstedter Bibliothek auf diesem Grundstück entstehen.

Neu gestaltet wird auch der gesamte Außenbereich rund um das Bildungshaus. Alles, was für den Bau wegkommt, entsteht neu: Ein Spielplatz, ein Bolzplatz und die Parkanlage, mit neuen Wegebeziehungen, die sich zum Willy-Brandt-Park hin öffnen.