Norderstedt
Tangstedt

Anwohner sind von Hundetouristen genervt

Ein Schild ohne Berechtigung – wegen eines Rechtsfehlers. Die Wulksfelder Dorfstraße führt zu einem Parkplatz, der von vielen Hundebesitzern und Spaziergängern genutzt wird

Ein Schild ohne Berechtigung – wegen eines Rechtsfehlers. Die Wulksfelder Dorfstraße führt zu einem Parkplatz, der von vielen Hundebesitzern und Spaziergängern genutzt wird

Foto: Claudia Blume

Für die Wulksfelder Dorfstraße haben Anwohner ein Durchfahrtsverbot für Fahrzeuge durchgesetzt. Doch das war ein rechtsformaler Fehler.

Tangstedt.  Die Wulksfelder Dorfstraße in Tangstedt ist eigentlich ein idyllisches Örtchen. Urtümliche kleine Häuschen, in denen früher die Arbeiter vom Gut Wulksfelde lebten, säumen die schmale Straße, die in den Rader Wald führt. Doch seit einiger Zeit herrscht an dem beschaulichen Ort große Unruhe.

„Vor allem an den Wochenenden fallen Hunderte von Hundetouristen in unsere Siedlung ein und quetschen sich mit ihren Autos mühsam auf der nur drei Meter breiten Fahrspur aneinander vorbei, um am Ende über eine Sandpiste zu einem inoffiziellen Parkplatz zu gelangen. Für uns heißt das: Lärm, Abgase, Staub – Ruhe und Idylle adé“, berichtet Hartmut Schulze und ergänzt: „Wulksfelde hat sich zu einem angesagten Hotspot für Hundehalter und Dog-Sitter entwickelt – die kommen sogar aus Blankenese für einen Waldspaziergang.“ Vor zehn Jahren war Hartmut Schulze mit seiner Familie nach Wulksfelde gezogen, in den mit 20 Einwohnern kleinsten Ortsteil Tangstedts. Seitdem beobachten er und andere Dorfbewohner die Entwicklung mit Sorge. Vehement wehren sie sich gegen den zunehmenden Autoverkehr. Im Dezember 2017 erreichten sie, dass die Wulksfelder Dorfstraße erstmals als Gemeindestraße gewidmet wurde – eine Voraussetzung, um das Nutzungsrecht einschränken zu können. Im Februar ließ das Ordnungsamt entsprechende Verkehrsschilder aufstellen. Seitdem ist die Durchfahrt nur Anliegern und landwirtschaftlichen Fahrzeugen erlaubt.

Doch die Anordnung kam bei den Hundetouristen gar nicht gut an. „Die Schilder wurden ignoriert, und es wurde munter weiter gefahren und geparkt“, sagt Hartmut Schulze. Also wurde er mit seinen Mitstreitern selber aktiv und erstattete Anzeige gegen die Verkehrssünder. Seit März gingen bei der örtlichen Polizei über 1000 Anzeigen ein. „Zudem suchten wir das Gespräch mit den Fahrern – mit dem Ergebnis, dass wir bepöbelt und beleidigt, einigen sogar mehrfach Schläge angedroht wurden“, sagt Hartmut Schulze.

Ein Widerspruch brachte den Stein ins Rollen

Einer der Beschuldigten legte Widerspruch ein und brachte einen neuen Stein ins Rollen. „Im Zuge der Bearbeitung kam heraus, dass die Verkehrsaufsicht in Bad Oldesloe übergangen worden war. Die hätte als zuständige Behörde vor dem Aufstellen der Schilder involviert werden müssen“, erklärt der engagierte Anwohner.

„Es handelt sich um einen rechtsformalen Fehler“, gibt Torge Sommerkorn, Leiter des Ordnungsamtes im Amt Itzstedt, zu. Ein Fehler mit fatalen Folgen, denn de facto ist das Durchfahrtsverbot somit ungültig – und die Anzeigen auch. Bis zum heutigen Freitag muss das Ordnungsamt eine Stellungnahme beim Kreis einreichen. „Ob und wann die Beschilderung für regulär erklärt oder zurückgenommen wird, obliegt nun der Straßenverkehrsbehörde“, betont der Verwaltungsmitarbeiter.

„Für den Fall, dass die Schilder kassiert werden sollten, behalten wir uns den Weg vors Verwaltungsgericht in Schleswig vor“, gibt sich Hartmut Schulze weiter kämpferisch.