Norderstedt
Kreis Segeberg

Jugendliche Unternehmer im Gründungsfieber

Yannick Wolf fertigt nachhaltige Kunststücke aus Holz an, für den Verkauf hat er die Firma 99crafts gegründet

Yannick Wolf fertigt nachhaltige Kunststücke aus Holz an, für den Verkauf hat er die Firma 99crafts gegründet

Foto: Viktor Marinov / HA

Partys veranstalten, sich handwerklich austoben und Firmen beraten – so vielfältig sind die Jungunternehmer in der Region.

Norderstedt.  Ein ganzes Leben für den selben Betrieb arbeiten heute nur noch wenige. Stattdessen gehen junge Menschen oft mit eigenen Ideen auf den Markt und gründen selbst Firmen, auch im Kreis Segeberg. Das Abendblatt stellt drei Firmen aus der Region vor.


Partys, Surfreisen und in einer Woche sogar ihr erstes eigenes Festival: Henrik Wiedwald und Jonathan Hendess aus Norderstedt veranstalten unter dem Namen Atmo alles, was für gute Stimmung sorgt. Innerhalb eines Jahres haben die beiden 20-Jährigen ein Unternehmen auf die Beine gestellt, das seit Monaten eine Großveranstaltung plant. Mit dem Happytown-Festival in Glückstadt organisieren sie eine etwas andere Veranstaltung. Auf dem 10.000-Quadratmeter großen Gelände gibt es Techno-Musik als Hintergrund, aber auch Skater und Künstler aus der Region und Foodtrucks gehören dazu.

Die Veranstaltung in Glückstadt soll gleichzeitig Festival und eine Art Erlebnispark werden. Graffiti-Künstler werden währenddessen eine Betonwand besprühen, die sich über eine ganze Seite des Geländes erstreckt. „Wir wollen Freiräume schaffen und für eine friedliche und bunte Atmosphäre sorgen. Niemand soll überfordert sein“, sagt Wiedwald. Er rechnet mit etwa 4000 Besuchern, der Eintritt zum Festival ist kostenlos.

„Der Aufwand zur Organisation eines Festivals ist enorm, das mussten wir auch alles erst lernen“, sagt Wiedwald. „In jedem Bereich stecken unglaublich viele Details, es gibt für alles eine Verordnung.“ Etwa für die Bauzäune, mit den das Gelände abgesperrt wird. Die müssen erstmal in der passenden Größe gefunden und dann mit einem Bagger auf das Gelände verteilt werden. Die große Maschine haben sie sich schließlich ausgeliehen.

Dazu kam auch die Suche nach Sponsoren. „Stell dir das vor, da kommen zwei 20-Jährige in dein Büro und wollen Geld für ein Festival. Haben so was aber noch nie gemacht.“ Trotzdem konnten die Norderstedter unter anderem die Firmen Red Bull, Jägermeister und die Nordbahn als Sponsoren gewinnen. Dank des Bahnunternehmens soll am Tag der Veranstaltung ein Partyzug mit einem Livekonzert vom Hamburger Hauptbahnhof nach Glückstadt fahren.

Die zwei Gründer stecken ihre gesamte Zeit in die Organisation von ihren Veranstaltungen. Sie wohnen noch bei ihren Eltern und leben so sparsam wie möglich. Vier Partys haben sie schon in Norderstedt und Hamburg organisiert, das Happytown-Festival soll die Krönung des Jahres werden. „Ohne Eintrittsgeld haben wir aber wenig Sicherheit“, weiß Wiedwald.

Sollte es am 30. Juni regnen, könnte ein Großteil ihrer Arbeit umsonst gewesen sein. Doch so oder so wollen sie nächstes Jahr auf jeden Fall ein zweites Festival veranstalten. Das soll dann mehrere Tage dauern und mit Zeltplätzen Möglichkeiten zur Übernachtung anbieten.

Das Happytown-Festival in Glückstadt, Am Hafen 53, beginnt am 30. Juni um 14 Uhr an. Mit einem Zusatzticket für 120 Euro können Zeltplätze, Freigetränke und weitere Extras hier im Internet gebucht werden.

Mit dabei beim Happytown-Festival ist Yannick Wolf. Eigentlich macht der 21 Jahre alte Norderstedter eine Ausbildung zum Betriebswirt im Außenhandel. Nebenbei betreibt er auch sein eigenes Unternehmen – ganz klassisch aus der Garage. Unter dem Namen 99Crafts bastelt Wolf Uhren, Lampen und Bilderrahmen aus Holz und anderem Metrial. Jedes Stück ist ein Unikat. Nachhaltigkeit und lokales Handwerk stehen für den jungen Gründer im Mittelpunkt.

Wenn er etwa aus einem quergeschnittenen Baumstamm eine Uhr bastelt, nimmt Wolf nur das Holz, das die Natur hergibt. Also Bäume, die nach einem Sturm umfallen, wegen einer Krankheit gefällt werden oder natürlich absterben. Auch Treibholz aus der Elbe will er künftig gern verwenden.

Das Handwerk hat sich der Norderstedter selbst beigebracht. Er macht nicht nur Gussforme, schlitzt und bohrt für seine Produkte, sondern kümmert sich auch um die eigene Firma – mit allem, was dazu gehört. Er produziert Videos, baut die Webseite, klärt rechtliche Gründe und macht Termine für Messeauftritte. „Meistens hat man nur eine kleine Idee, doch die Umsetzung wird immer aufwendiger“, sagt er.

Bisher hat Wolf nur einige Stücke verkauft. Doch er ist zuversichtlich, dass mit der Zeit auch der Erfolg kommen wird. Für das Strandhaus im Norderstedter Stadtpark soll er demnächst einen Kartenhalter und das WC-Schild basteln. Und schon schwirrt ihm die nächste Idee durch den Kopf – unter dem Projektnamen 99Sellers will er eine Plattform für Handwerker aus der Region schaffen. Damit setzt der Norderstedter auf Individualität statt Masse.

Verkäufe stehen beim Happytown-Festival am 30. Juni und am 29. sowie 30. September beim Kunsthandwerker- und Bauernmarkt im Norderstedter Stadtpark an. Unter www.99crafts.de können Interessierte einen Blick in den Katalog werfen.


Für eine ganz andere Richtung hat sich Katrin Krüger aus Stipsdorf entschieden. Die 31-Jährige betreibt seit zweieinhalb Jahren ihr eigenes Marketingunternehmen aus dem Dorf bei Bad Segeberg.

„Es ist gar nicht so einfach, sich in Deutschland selbstständig zu machen“, erzählt sie. Es sei ein großer bürokratischer Aufwand. „Aber es war die richtige Entscheidung.“

Krüger hat ein Studium in Marketing Management absolviert. Anschließend erlernte sie ihr Handwerk in verschiedenen Agenturen in Hamburg. „Irgendwann habe ich einen Großstadt-Koller bekommen und wollte raus aufs Land“, sagt die gebürtige Ahrensburgerin. Seitdem berät sie Kunden von Haffkrug bis Hamburg in ihrer Marketing- und Social-Media-Strategie. Krüger betreut die Websites der Unternehmen, schaltet Werbung bei Google und erarbeitet Pressekonzepte für die Öffentlichkeit. Zu den Kunden zählen hauptsächlich mittelständische Firmen. „Von Reinigungsmaschinen bis hin zu Schrottplätzen und Frisören ist alles dabei. Es ist ein bunter Mix.“

Und weil ihr die Mischung offenbar noch nicht abwechslungsreich genug ist, betreibt Krüger nebenbei eine eigene Tierheilpraxis für Pferde und Hunde. Das Nebengewerbe existiert bereits seit Oktober 2014. „Tagsüber sitze ich im Büro und arbeite im Marketing. Abends fahre ich in den Stall und behandle Tiere“, sagt sie. Während sie in einer Online-Marketing-Agentur gearbeitet hat, ließ sie sich ein Jahr lang zur Tierheilpraktikerin ausbilden. „Die Kombination macht mir einfach Spaß.“

In der Woche arbeitet die junge Gründerin mindestens 50 Stunden. Manchmal sind es acht Stunden pro Tag, häufig zwölf. „Ich glaube, dass man das machen muss, was das eigene Herz zum Singen bringt. Wenn man glücklich ist, fängt man von alleine an zu fliegen“, sagt Krüger. Mehr Infos über ihre Unternehmen gibt es unter www.marketing-fuer-dich.de und www.pferde-heilpraktikerin.de