Norderstedt
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Musiker bei Tesa auf den Spuren von Paganini

Heiko Ossig (v. l.), Steffen Groth und Rodrigo Reichel brachten dem Publikum bei Tesa die Komponisten Nicolò Paganini und Robert Schumann nahe

Heiko Ossig (v. l.), Steffen Groth und Rodrigo Reichel brachten dem Publikum bei Tesa die Komponisten Nicolò Paganini und Robert Schumann nahe

Foto: Heike Linde-Lembke

Schauspieler Steffen Groth, Gitarrist Heiko Ossig und Geiger Rodrigo Reichel überzeugten beim Schleswig-Holstein Musik Festival.

Norderstedt.  „Du wärst ein Mörder nicht Selbstmörder du! Was öffnest du des Busens stilles Haus, und jagst sie aus, die unverhüllte Seele, und wirfst sie hin, den Gaffern eine Lust?“, dichtete Franz Grillparzer zu Adagio und Rondo auf der G-Saite von Nicolò Paganini. Das Trio mit dem Schauspieler Steffen Groth, Gitarrist Heiko Ossig und Geiger Rodrigo Reichel wählte Grillparzers Gedicht als Anfang des Konzerts zum Schleswig-Holstein Musik Festival im Hörsaal des Norderstedter Unternehmens Tesa.

Die zwei Musiker und der Schauspieler setzten sich mit den Kompositionen Robert Schumanns und Nicolò Paganini auseinander. Robert Schumann war am 11. April 1830 nach einem Konzert Paganinis in Frankfurt/Main derartig begeistert, dass er am Klavier so ein Teufelskerl werden wollte wie Paganini auf seiner Geige.

Der Italiener liebte auch die Gitarre und komponierte rund 100 Werke für sie. Einige davon spielte Heiko Ossig im SHMF-Konzert. Der Gitarrist, der gern in Jazz-Clubs auftritt, stellte das abwechslungsreiche Programm mit Geiger Rodrigo Reichel zusammen. „Ich bin lediglich Erfüllungsgehilfe“, sagte Rezitator Steffen Groth. Ein Erfüllungsgehilfe indes, der die Texte mit beredter Mimik las, wirkungsvolle Zäsuren setzte und für jede in den Texten beschriebene Situation einen untermalenden Tonfall traf. Dabei verschluckte der Schauspieler allerdings einige Silben, vor allem beim (zu) schnellen Lesen, sodass die Texte in dem von einer trockenen Atmosphäre geprägten Hörsaal nicht immer zu verstehen waren. Das ging auch zulasten eines sehr anrührenden Briefes, den Robert Schumann am 15. Juli 1830 aus Heidelberg an seine Mutter schrieb. Er bat sie in dem Brief, Friedrich Wieck zu schreiben, seinem Klavierlehrer und späteren Schwiegervater.

„Ja, mein Freund, fuhr er fort, es ist wahr, was die ganze Welt behauptet, daß er sich dem Teufel verschrieben hat, Leib und Seele, um der beste Violinist zu werden, um Millionen zu erfiedeln“, las Groth aus Kapitel 3 der „Florentinischen Nächte“ von Heinrich Heine, der sich in wundervoll satirischer Art über Paganinis Hamburger Konzert ereiferte, was der Rezitator genüsslich vom Lesetisch über die Rampe brachte. Auch in Kurt Tucholskys „Paganini oder der Teufel auf der Tournee“ vom 1. Juni 1914 breitete Groth seine Erzählkunst aus.

Eingebettet waren die Lesestücke in die Musikstücke. Heiko Ossig wie auch Rodrigo Reichel gaben den Werken von Robert Schumann und Nicolò Paganini viel Atmosphäre und folgten den Intentionen der Komponisten. Das bekannte Kinderlied aus Schumanns Album für die Jugend, Opus 68, erklang anrührend als feine, kleine Weise. Mit fröhlich tänzerischem Ausdruck kamen die Sätze aus Paganinis Sonate Nr. 2 in D-Dur für Violine, geradezu bezaubernd Schumanns „Träumerei“ aus den Kinderszenen, während sich Rodrigo Reichel im letzten Paganini-Stück des Abends doch noch als Teufelsgeiger erwies. Das Norderstedter Publikum war begeistert.