Norderstedt
Gastbeitrag

Keller unter Wasser, Füße nass – Und jetzt?

Sabrina Guder ist Klimaanpassungsmanagerin des Kreises Segeberg

Sabrina Guder ist Klimaanpassungsmanagerin des Kreises Segeberg

Foto: Viktor Marinov / HA

Auch wenn die Sonne sich zurzeit häufig zeigt: In Norderstedt und der Region wird es künftig mehr Starkregen geben als bisher.

Kreis Segeberg.  Angesichts des andauernden sonnigen Wetters mag man es kaum glauben, aber im Kreis Segeberg fallen im Jahr 750 bis 950 Liter Regen pro Quadratmeter. Damit liegt der Kreis im oberen Mittel der Wertebereiche in Schleswig-Holstein. Doch die Wissenschaft ist sich einig: Aufgrund des Klimawandels muss auch im Kreis Segeberg künftig mit noch mehr Niederschlag gerechnet werden. Es wird von circa 10 Prozent mehr Niederschlag ausgegangen, der auch mit hohen Intensitäten fallen kann. Sowohl Tage mit großen Niederschlagsmengen von mindestens 10 Litern pro Quadratmeter, als auch weitere Starkregenereignisse werden erwartet.

Als Starkregen zählen Niederschläge von mindestens 15 bis 25 Litern in einer Stunde oder 20 bis 35 Litern in sechs Stunden. Das bedeutet, dass in Zukunft eine leicht steigende Menge im Jahr an weniger Tagen fallen und so mehr Probleme wie Überflutungen verursachen kann. Auch in Norderstedt hatten wir bereits Starkregenereignisse mit 60 Litern Niederschlag an einem Tag – etwa am Himmelfahrtstag in diesem Jahr. Besonders tiefer gelegene Garagen an der Ulzburger Straße in Norderstedt waren an dem Tag „abgesoffen“. Die Folgen: Der Keller steht unter Wasser, und die Füße sind nass. Denn wenn innerhalb kurzer Zeit große Mengen Regen fallen, kann die Kanalisation diese Mengen nicht aufnehmen.

Als Klimaanpassungsmanagerin werde ich oft gefragt, was vorsorglich unternommen werden kann. Die richtige Wahl des Standortes – nicht in einer Senke bauen! – versteht sich wohl von selbst. Genauso die Tatsache, dass Wasser nach unten fließt und sich immer den einfachsten Weg sucht. Dieser Hinweis hilft bei der Suche nach Schwachstellen in und um die eigenen vier Wände.

Kellereingänge und tiefer gelegene Garagen sind dementsprechend besonders gefährdete Bereiche. Mobile Barrieresysteme können eine Schutzmaßnahme sein. Diese montierbaren Schutzmauern können mit ein wenig handwerklichem Geschick an Eingängen, Zufahrten oder an der Grundstücksgrenze angebracht werden. Auch herkömmliche Sandsäcke halten Wasser fern. Für Kellerfenster und Lichtschächte gibt es Fensterklappen. So etwas hätte ich im vergangen Jahr selbst sehr gut gebrauchen können, denn während ich bei einem Bekannten zu Besuch war, regnete es so stark, dass immer mehr Wasser durch ein Fenster in den Keller sickerte. Das Ganze endete schließlich „nur“ in einer nächtlichen „Wasseraufwisch-Aktion“, aber mit Fensterklappen, einer Abdeckung des Schachts oder einer 15 bis 30 Zentimeter erhöhten Kante am Lichtschacht wäre das wohl nicht passiert.

Neben reinen Schutzmaßnahmen kann Regenwasser auch auf Gründächern zurückgehalten, in Mulden oder Zisternen auf dem eigenen Grundstück gesammelt werden. Dadurch wird die Kanalisation entlastet. Außerdem kann das gespeicherte Wasser zum Beispiel für die Toilettenspülung oder zum Blumengießen verwendet werden.

Weitere Informationen unter www.segeberg.de/klimaschutz.