Norderstedt
Landkreis Segeberg

Entsorgung zu teuer: VW im Garten verbuddelt

Das Heck des VW Käfers auf der Schaufel des Teleskopladers. Stefan Diehr (links) und Michael Kapteina hatten das Wrack freigeschaufelt

Das Heck des VW Käfers auf der Schaufel des Teleskopladers. Stefan Diehr (links) und Michael Kapteina hatten das Wrack freigeschaufelt

Foto: Hans-Eckart Jaeger

Eigentlich wollte Michael Kapteina nur ein kleines Loch graben, doch dann stieß er auf einen alten VW Käfer, Baujahr 1958

Schmalfeld.  Das Geheimnis ist gelüftet: Der Haufen Schrott, den Michael Kapteina am 9. Juni auf seinem 1500 Quadratmeter großen Baugrundstück in Schmalfeld unter einem Erdhügel zufällig entdeckte, sind die rostigen Reste eines Autos, das jeder kennt, das aber seit 15 Jahren nicht mehr gebaut wird: ein VW Käfer, Baujahr 1958.

Etwa 45 Jahre lag das Auto „auf dem Rücken“ in einer Grube. Des Rätsels Lösung: Anfang der 70er-Jahre hatte der damalige Grundstückbesitzer an dieser Stelle sein Auto „entsorgt“.

"Mein Vater war geizig ..."

„Mein Vater war geizig, er wollte für das vorgeschriebene Wegschaffen wohl kein Geld ausgeben“, glaubt sein Sohn Stefan Smailus, der heute in Bad Bramstedt wohnt. „Meine Tante hat mir vor Kurzem erzählt, dass die ganze Aktion Monate dauerte.“ Viele Jahre hat bei Nachbarn und Bekannten ein Gerücht die Runde gemacht: „Auf dem Grundstück ist etwas verbuddelt worden.“

Nun wurde das Kapitel „Entsorgung“ vorerst beendet. Um 11.45 Uhr am vergangenen Sonntag bog Jan Fölster vom EnergieHof Schmalfeld mit seinem mächtigen Teleskoplader auf das Grundstück ein, auf dem der jetzige Eigentümer Michael Kapteina ein Einfamilienhaus bauen lässt, in das er mit seiner Familie am 15. Juli einziehen will. Vorher stand hier ein nicht mehr sanierbares Haus.

Die Reste des Wracks zerfielen auf der Schaufel

Jan Fölster war von Kapteina beauftragt worden, die Reste des Fahrzeugs aus der Grube zu holen. „Bis zu 5,5 Tonnen kann der Bagger heben“, versicherte der Landwirt. Doch es ging einiges schief. Kaum hatte der Schaufellader die Überreste einige Zentimeter in die Höhe gehievt, zerbrach das Autoskelett in zwei Teile. Das Heck hing an der Schaufel, das Vorderteil blieb in der Grube stecken.

Ein paar Meter weiter beobachtete Nina Diehr die Szene: „Das bricht mir das Herz“, rief die Frau des ausgewiesenen Käfer-Experten Stefan Diehr. Das Ehepaar, das ein paar Hundert Meter weiter als Nachbarn von Michael Kapteina eine Doppelhaushälfte bewohnt, hatte große Pläne. Ihr Mann hätte die Rostlaube am liebsten gleich in den heimischen Garten abtransportiert. „Einige Teile könnte man noch für Dekozwecke verwenden, auf den Schrottplatz kommt der Käfer jedenfalls nicht“, versprach Nina Diehr.

Käfer-Kenner datiert den historischen Fund

VW-Fan Diehr ist Besitzer eines VW Käfer, Baujahr 1986, mit Kasseler Kennzeichen, mit dem er immer noch einige Kilometer durch die Gegend kutschiert, und in seiner Garage steht ein flotter Karmann-Ghia Sportwagen, den er liebevoll hegt und pflegt.

Vor zehn Tagen machten sich die beiden Nachbarn gemeinsam an die Arbeit. Kapteina hatte bei Erdarbeiten in seinem Garten, wo künftig eine Regentonne stehen soll, das Ende einer Stoßstange entdeckt. Sie ragte aus dem Erdboden heraus. Diehr hatte sich einen Metalldetektor gekauft und nach Art eines Schatzsuchers die umliegenden Stellen durchsucht. Ehefrau Nina fand am Schluss noch ein Gaspedal. Aus weiteren Teilen wie Winker, Scheinwerfer und Lenkrad wurde dem Käfer-Kenner klar: „Dieses Auto wurde im Jahr 1958 gebaut.“

Gesucht: das Schild mit der Fahrgestellnummer

Stefan Diehr bleibt auf Spurensuche: Auf dem verrosteten Typenschild vorne im Kofferraum unter der Reservebank hat er mit Hilfe eines Rostlösungsmittels und einer Drahtbürste nach fleißigem Schrubben einige Buchstaben („Volkswagen Wolfsburg“) und auch Zahlen entziffern können. „Das reicht aber nicht, um herauszufinden, wann der Käfer gebaut wurde und um welches Modell es sich handelt“, sagt Stefan Diehr.

Das Schild mit der Fahrgestellnummer, das weitere Aufschlüsse über den Besitzer geben würde, ist sogar verschwunden. „Ist es absichtlich entfernt worden“?, fragt Diehr. Dieses letzte Geheimnis wird wohl niemand mehr lüften.