Norderstedt
Kreis Segeberg

Die AKN plant Expresszüge ab Norderstedt

Noch starten die alten Dieseltriebwagen in Norderstedt-Mitte, bald sollen umweltfreundliche Züge nach Norden fahren

Noch starten die alten Dieseltriebwagen in Norderstedt-Mitte, bald sollen umweltfreundliche Züge nach Norden fahren

Foto: Andreas Burgmayer / HA

Das Verkehrsunternehmen arbeitet an einem Konzept für durchgehende, schnellere Züge vom Bahnhof Mitte bis nach Neumünster.

Kreis Segeberg.  Die AKN arbeitet an einem Konzept, um den Schienenverkehr zwischen Norderstedt und Neumünster deutlich zu beschleunigen. In drei bis vier Jahren könnten Regionalexpresszüge die Städte miteinander verbinden, hofft der Vorstand des Kaltenkirchener Eisenbahnunternehmens, Wolfgang Seyb. Diese Züge sollen nur in den großen Orten wie Hen­stedt-Ulzburg, Kaltenkirchen und Bad Bramstedt stoppen. Parallel sollen Bahnen jede Station anfahren. Der Regionalexpress wäre um 15 Minuten schneller als die Triebwagen, die an allen Bahnhöfen halten. „Wir hätten dann ein schnelles und ein langsames Produkt auf der Linie“, sagt Seyb.

Außerdem könnten die schnellen Bahnen für ein größeres Angebot im Fahrplan sorgen. Dass zwischen Bad Bramstedt und Neumünster nur jede Stunde ein Zug fährt, wird von vielen Bewohnern der Orte, Fachleuten und der Politik als nicht mehr zeitgemäß bewertet. Seyb und seine Kollegen haben vom Land den Auftrag erhalten, bis zum Sommer ein Konzept für die schnellen Züge vorzulegen. Er hält die neue Verbindung für eine gute Ergänzung zur S-Bahnlinie 21, die ab 2021 Hamburg mit Quickborn, Henstedt-Ulzburg und Kaltenkirchen verbinden soll. Geht es nach dem Land, sieht im nächsten Jahrzehnt das Bahngebot in der Region so aus:
• Die S-Bahn fährt durchgehend von Hamburg nach Kaltenkirchen auf der AKN-Linie A 1. Dort bestehen Umsteigemöglichkeiten in Richtung Bad Bramstedt und Neumünster.
• Die AKN fährt auf einer neuen Linie A 1 durchgehend von Neumünster nach Norderstedt-Mitte mit Nahverkehrszügen und den schnellen Regionalexpress-Zügen. Dabei nutzt sie teilweise die Strecke der S 21.

Derzeit sind Reisende auf dem Weg von Norderstedt-Mitte nach Neumünster mit öffentlichen Verkehrsmitteln etwa doppelt so lang unterwegs wie mit dem Auto. Entweder müssen sie mit der U-Bahn zum Hamburger Hauptbahnhof fahren und von dort in einen Zug der Deutschen Bahn umsteigen. Oder sie fahren mit der AKN bis Ulzburg-Süd und steigen dort in den Zug nach Neumünster um.

Die dritte Möglichkeit, die der Fahrplan vorsieht, ist eine kombinierte U- und S-Bahnverbindung zum Flughafen. Von dort fährt ein Bus nach Neumünster und Kiel. Die Fahrten dauern zwischen einer Stunde, sieben Minuten und einer Stunde, 35 Minuten. In Neumünster gibt es Anschlüsse nach Kiel und in Richtung Flensburg und Dänemark.

Auch in Bad Bramstedt wird die Schienenanbindung seit Jahrzehnten kritisiert. Wer nach Hamburg will, nutzt in der Regel nicht die AKN, sondern fährt per Bus oder Auto nach Wrist und steigt dort in die DB um. „Es gibt kein attraktives Angebot“, gesteht der AKN-Chef. „Wir wollen eine Lücke schließen.“

Seyb glaubt, dass das Projekt mit Investitionen zu realisieren ist, die nur im einstelligen Millionenbetrag liegen werden, da die Züge weitgehend die vorhandene Infrastruktur wie Gleise und Bahnhöfe nutzen können. „Dafür brauchen wir keine teuren Oberleitungen“, sagt Seyb. Zum Vergleich: Die S 21 wird nach aktuellen Berechnungen mehr als 110 Millionen Euro kosten.

Offen ist, welche Züge die AKN zwischen Norderstedt-Mitte und Neumünster einsetzen würde. Der AKN-Chef hält es für denkbar, mit emissionsarmen Fahrzeugen zu fahren, die per Akku oder mit Wasserstoff betrieben werden. Seyb sagt, die Züge wären auch mit WCs und einer ersten Klasse ausgestattet. Derzeit fährt die AKN ab Norderstedt-Mitte im Auftrag der Stadt mit 25 Jahre alten Dieseltriebwagen, die weder barrierefrei noch klimatisiert sind.

Seyb will demnächst mit der Stadt Norderstedt über das Projekt sprechen. Dort wurde bis vor Kurzem gemeinsam mit Henstedt-Ulzburg noch ein anderes Projekt favorisiert: die Verlängerung der U-Bahn über Norderstedt-Mitte hinaus nach Ulzburg-Süd mit Anschluss an die künftige S-Bahn. Diese Idee stammt aus dem Jahr 2016 vom damaligen Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote und seinem Henstedt-Ulzburger Kollegen Stefan Bauer.

Inzwischen werden die Verkehrspläne im Norderstedter Rathaus offenbar neu bewertet. „Gleichberechtigt werden einerseits eine Ertüchtigung der AKN und andererseits ein Ausbau und die Weiterführung der U-Bahn Richtung Norden betrachtet“, sagt der Sprecher der Stadt Norderstedt, Bernd-Olaf Struppek. Dabei geht es auch um die Kosten. Eine U-Bahn ist eine kommunale Angelegenheit, der überregionale Schienenverkehr hingegen Sache des Landes.