Norderstedt
Kaltenkirchen

S-Bahn nach Hamburg soll frühestens 2021 fahren

In der AKN-Werkstatt plauderte Bernd Buchholz (rechts) mit AKN-Mitarbeiterin Kirsten Süß und Werkstattchef Marco Daniel

In der AKN-Werkstatt plauderte Bernd Buchholz (rechts) mit AKN-Mitarbeiterin Kirsten Süß und Werkstattchef Marco Daniel

Foto: Wolfgang Klietz

Eine Zusage über mögliche Zuschüsse des Bundes für die S-Bahn-Linie von Hamburg-Eidelstedt nach Kaltenkirchen steht noch aus.

Kreis Segeberg.  Der Bau der S-Bahn von Hamburg nach Kaltenkirchen verzögert sich. Im Jahr 2021 könnte der erste Zug fahren, sagte Landesverkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) bei einem Besuch der AKN in Kaltenkirchen. Dieser Zeitplan sei jedoch nur im Idealfall zu halten, erklärte er. Bislang hatten die Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein stets berichtet, die S-Bahn solle ab 2020 fahren.

Für eine erneute Verzögerung sorgt eine weitere sogenannte stan­dardisierte Bewertung des Projekts. Dahinter verbirgt sich eine schlichte Kosten-Nutzen-Rechnung, die dem Bund vorgelegt werden muss. Erst wenn der Nutzen eindeutig über den Investitionen liegt, zahlt das Verkehrsministerium in Berlin 60 Prozent der Baukosten. Sind die Kosten zu hoch, zahlt Berlin nicht – ein Horrorszenario für die Verkehrsplaner im Norden. „Das Projekt kann scheitern, wenn der Bund die Förderfähigkeit nicht anerkennt“, sagt Buchholz. Die neue Bewertung soll in Kürze vorliegen.

Eine erste Kosten-Nutzen-Rechnung war positiv ausgefallen. Dabei wurde jedoch nur mit Gesamtkosten von 90 Millionen Euro kalkuliert. Wegen zusätzlicher Lärmschutzwände und der allgemeinen Preissteigerung gehen die Planer im Ministerium jetzt von 115 Millionen Euro aus. Damit war die alte Rechnung hinfällig.

Die Planung für die Elektrifizierung der bestehenden AKN-Linie 1 hatte sich schon einmal verzögert. Im Herbst 2015 wiesen die Landesbehörden in Kiel und Hamburg die AKN darauf hin, dass für das Verfahren eine Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich sei. Davon war das Kaltenkirchener Eisenbahnunternehmen bis dahin nicht ausgegangen.

Buchholz räumte in Kaltenkirchen ein, dass selbst bei einem reibungslosen Verlauf der weiteren Planung Klagen das Projekt ein weiteres Mal ins Stocken bringen könnten. Dabei hat er besonders Bürger in Ellerau im Blick, die beim Ausbau der Strecke um den Wert ihrer Grundstücke und ihre Lebensqualität fürchten. Der Minister sprach von einer „sehr schwierigen Situation“ und „berechtigten Sorgen“. „Wir fahren dort quasi über die Terrassen“, sagte Buchholz und betonte, er wolle eine einvernehmliche Lösung mit den Ellerauern. Dazu gehöre auch, moderne Technik am Bahnübergang zu installieren, um beim künftigen S-Bahnbetrieb eine Verlängerung der Schließzeiten zu vermeiden. Schon jetzt beklagen die Autofahrer an der Station Ellerau lange Staus, wenn sich die Schranken wegen eines Zuges schließen. Eine Tunnellösung hatte das Land Schleswig-Holstein stets aus Kostengründen verworfen.

Den Mitarbeitern der AKN machte er Mut für die Zukunft. Zwar werde die Hamburger S-Bahn GmbH auf der derzeitigen A 1 fahren, doch auch dort und bei der Deutschen Bahn würden dringend neue Lokführer gebraucht. Darüber hinaus spiele die AKN für die Eisenbahninfrastruktur im Land eine wichtige Rolle. „Es müssen keine Ängste entstehen“, sagte Buchholz.

Nach einem Gespräch mit den Bürgermeistern der Regionen bekräftigte Buchholz erneut den Willen der Landesregierungen, die Verlängerung der S-Bahn von Hamburg-Eidelstedt nach Kaltenkirchen – die sogenannte S 21 – zu bauen.

Die Erörterungstermine des Planfeststellungsverfahrens auf Hamburger Gebiet sind bereits im vergangenen Jahr abgeschlossen worden, die letzten für den Raum Schleswig-Holstein finden in dieser Woche statt. Schon jetzt liegen 200 Einwendungen vor. Das Personal des Amtes für Planfeststellung sei kurzfristig aufgestockt worden, sagte Buchholz. Er rechnet mit einem Planfeststellungsbeschluss zum Ende des Jahres.

Kaltenkirchens Bürgermeister Hanno Krause erinnerte an die Zusage von Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) und des schleswig-holsteinischen Ex-Ministerpräsidenten Torsten Albig (SPD), die S-Bahn werde bereits 2020 fahren. Schon jetzt sei der Zulauf in den Zügen groß und der Platzmangel in den Stoßzeiten manchmal „grenzwertig“.