Norderstedt
Bad Segeberg

Wie die Feuerwehr mit einem Film Kindheitsträume erfüllt

Der Junge in der roten Regenjacke, der im Mittelpunkt des Imagefilms der Feuerwehr Bad Segeberg steht, spielte seine Rolle sehr überzeugend

Der Junge in der roten Regenjacke, der im Mittelpunkt des Imagefilms der Feuerwehr Bad Segeberg steht, spielte seine Rolle sehr überzeugend

Foto: Wolfgang Klietz / Feuerwehr Bad Segeberg

Studenten der Fachhochschule Kiel haben einen Imagefilm über die ehrenamtlichen Einsatzkräfte in Bad Segeberg gedreht.

Bad Segeberg.  Flammen schlagen aus dem Papierkorb, Rauch steigt auf. Die Menschen in der Fußgängerzone von Bad Segeberg gehen achtlos daran vorbei. Bis auf den kleinen Jungen mit den gelben Gummistiefeln und der roten Jacke. Er schaut in die Glut, die Augen werden größer und größer – und dann kommt der große Moment: Das Kind nimmt die Mineralwasserflasche – und Schnitt.

So beginnt der neue Imagefilm der Freiwilligen Feuerwehr Bad Segeberg, der seit wenigen Wochen bei Youtube, Facebook und auf anderen Seiten im Internet zu sehen ist. Als erste große Wehr im Kreisgebiet haben sich die Segeberger Retter entschlossen, mit einem Video für sich zu werben und sind bereits nach wenigen Wochen mit Tausenden von Aufrufen im Netz sehr zufrieden. „Wir wollen Emotionen transportieren“, sagt Wehrführer Mark Zie­linski. Das ist der Segeberger Feuerwehr offenbar gelungen.

Nicht der Strahl aus einer Mineralwasserflasche, sondern aus einem Feuerwehrschlauch ist nach dem Schnitt zu sehen. Der kleine Junge staunt, dann ist das Feuer gelöscht. Im Hintergrund erscheinen Segeberger Feuerwehrleute, die ihr Material im Einsatzfahrzeug verstauen. Papierkorb gelöscht, Einsatz beendet. Dann folgt der Abspann mit der entscheidenden Botschaft: „Freiwillige Feuerwehr Bad Segeberg – erfüllt Kindheitsträume seit 1873.“

Brandschutzerzieher und Öffentlichkeitsarbeiter Dennis Schubring hatte die Idee für das Projekt. Er wollte mit seinen Kameraden nicht das x-te Video produzieren, das Feuerwehrleute bei dramatischen Einsätzen zeigt oder wie sie nachts hoch motiviert aus dem Bett springen, wenn der Alarm sie erreicht. Vielmehr wollte die Segeberger Wehr an Gefühle und einen Wunsch erinnern, den fast jedes Kind schon einmal hatte: Feuerwehrmann zu werden.

Schubring nahm Kontakt mit dem Fachbereich Medien der Fachhochschule Kiel auf und konnte zehn Studenten des fünften Semesters und einen Dozenten von seiner Idee begeistern. Die Arbeit an dem Film wird als Semesterarbeit bewertet.

Im Herbst 2017 lag das Konzept vor, die Dreharbeiten in der Segeberger Fußgängerzone konnten beginnen. Den kleinen Jungen hatten zuvor die Studenten gecastet. „Der ist einfach super“, sagt Feuerwehrchef Mark Zielinski. Neun Stunden haben die Dreharbeiten im strömenden Regen gedauert. Das Ergebnis ist eine Minute und sechs Sekunden lang.

Gerade einmal 800 Euro hat der Film gekostet. Die eine Hälfte hat der Förderverein der Wehr gezahlt, die andere kam aus Mitteln des Landesfeuerwehrverbandes für Mitgliederwerbung. Zielinski schätzt, dass eine kommerzielle Produktion bis zu 13.000 Euro gekostet hätte.

„Tue Gutes und berichte darüber“ – das ist Zielinskis Motto, seitdem er im Amt ist. Begonnen hat er mit Werbung für das Ehrenamt der Feuerwehr auf Bussen. Diese Idee kam so gut an, dass der Landesfeuerwehrverband sie übernommen hat. Mit dem Film über die Kindheitsträume ist die Wehr nach der Freischaltung einer munteren Fanpage bei Facebook einen weiteren Schritt in Richtung neue Medien gegangen. Zielinski ist überzeugt: „Wenn wir nicht aktiv bei der Digitalisierung dabei sind, sind wir bald weg vom Fenster.“

Eine Einstellung, die nicht alle Führungskräfte in den Feuerwehren teilen. Viele zögern sogar, eine eigene Seite bei Facebook einzurichten oder die Öffentlichkeit auf anderen Wege über die Arbeit im Ehrenamt zu informieren. „Das ist eine Generationenfrage“, glaubt Zielinski, der PR in eigener Sache für dringend notwendig hält. „Wir müssen Präsenz zeigen. Viele Menschen wissen nicht einmal, dass wir ehrenamtlich tätig sind“, sagt der Wehrführer.

Auch Tobias Hochscherf, Prodekan für audiovisuelle Medien an der Fachhochschule, ist mit dem Werk sehr zufrieden. Eine Note will er noch nicht verraten, spricht aber von einer sehr guten Leistung. Die Benotung hänge nicht nur vom Film selbst ab, sondern auch von anderen Kriterien wie Präsentation, Drehbuch und Kalkulation.

Hochscherf sagt: „Wir haben gern mit der Feuerwehr zusammengearbeitet.“ Auch er schätzt die Arbeit des kleinen Jungen im Film: „Der ist ein richtiger Schauspieler.“