Norderstedt
Kreis Segeberg

Eine echte „Ackerdemie“ für die Kleinsten

Leni hat sich schon einmal einen  Salat geschnappt

Leni hat sich schon einmal einen Salat geschnappt

Foto: Privat

Pilotprojekt: In der Gemeinde Blunk begleiten die Mädchen und Jungen aus drei Kindergärten Pflanzen von der Saat bis zur Ernte.

Kreis Segeberg.  Wenn es um eine bessere Ernährung geht, ist Angela Schulze-Hamann immer an vorderster Front dabei. Ob es um Fair Trade in der Ernährung geht, einheimische Produkte, die vom Verein Feinheimisch gefördert werden, um Bio-Produkte oder Slow Food. Das Landhaus Schulze-Hamann in der Gemeinde Blunk nördlich von Bad Segeberg ist meist nicht nur mit dabei, sondern oft genug Initiator oder Pionier. Zumindest für Schleswig-Holstein auch bei der Gemüseackerdemie. „Auf einem Workshop von Slow Food Deutschland habe ich Dr. Christoph Schmitz von der Gemüseackerdemie kennengelernt“, erzählt Schulze-Hamann. Er erklärte das Projekt, und sie wollte mitmachen. Natürlich. Denn das Projekt mit dem so eingängigen wie treffenden Namen passt perfekt mit ihren Vorstellungen zusammen.

Im Rahmen der Gemüseackerdemie können Kinder Anbau, Pflege und Ernte von Gemüse auf einem eigenen Acker lernen. „Ackern schafft Wissen“, lautet die Kurzformel, mit der die Veranstalter werben. Dabei sollen die Kinder die Zusammenhänge der Ernährung verstehen, ein Bewusstsein für gute und nachhaltige Landwirtschaft entwickeln, aber auch den Weg der Lebensmittel auf den Teller kennenlernen.

Nachdem die Familie Schulze-Hamann einen Acker hinter ihrem Landhaus zur Verfügung stellte, brauchte es nur noch Kinder, die den Acker bewirtschaften. Während bei den anderen der gut 40 Standorte in acht Bundesländern und Österreich meist Schüler Gemüse anbauen, lernen in der Blunker Gemüseackerdemie die Kinder von drei Kindergärten aus der Region auf dem Acker. Aus Mözen, Klein Rönnau und Blunk kommen die Kinder jeweils einmal in der Woche, um die nötigen Arbeiten zu verrichten. „Den Kindern sollte die Kultur der Ernährung viel näher gebracht werden“, erklärt Schulze-Hamann ihre Motivation, sich für die Gemüseackerdemie zu engagieren.

„Es ist das erste Projekt dieser Art in Schleswig-Holstein“, sagt Schulze-Hamann. Sie ist mit dem bisherigen Verlauf der ersten Anbausaison zufrieden. Der Kontakt mit den Verantwortlichen der Gemüseackerdemie laufe gut. „Ohne die Hilfe wäre es auch gar nicht möglich“, sagt Schulze-Hamann. Auf dem Acker sind bislang unter anderem Frühkartoffeln, Kohlrabi, Blattsalate und Brokkoli geerntet worden, später im Jahr kommen zum Beispiel Rotkohl, Tomaten oder Paprika hinzu. „Alle werden nach Bio-Richtlinien angebaut werden“, so Schulze-Hamann. Das Saatgut oder die Jungpflanzen kommen von der Gemüseackerdemie, die einmal in der Woche einen Rundbrief an die Verantwortlichen schreibt, was aktuell zu tun ist. Bei den Pflanzungen ist mindestens ein Mitarbeiter der Organisation Ackerdemia mit dabei, die hinter der Gemüseackerdemie steht. Gibt es Probleme wie beispielsweise Schädlingsbefall, werde rasch geholfen. „Wir haben das Gefühl, nicht alleine gelassen zu sein. Man kann auf die bauen“, sagt Schulze-Hamann.

Das Projekt in der Gemeinde Blunk ist derzeit eines von zwölf bundesweit, in denen die Gemüseackerdemie mit Kindertagesstätten zusammenarbeitet. „Wir schauen, was wir vom Schulkonzept übernehmen können und was nicht“, sagt Jennifer Usadel, die bei Ackerdemia für die Kitas zuständig ist. „Wir haben einen engen Kontakt zu den Eltern, für die in diesem Alter der Kinder die Ernährung besonders wichtig ist“, sagt sie. In Blunk gebe es den Sonderfall, dass sich gleich drei Kindertagesstätten einen Acker teilen, normalerweise hat jede beteiligte Einrichtung einen Acker.

„Das macht richtig Spaß“, sagt Nina Meier, Leiterin des DRK-Kindergartens aus Klein Rönnau. Einmal in der Woche fahren zehn Jungen und Mädchen und zwei Erzieher oder auch einmal ein Elternteil aus Klein Rönnau nach Blunk. Das Taxi-Unternehmen 3 mal 89 aus Bad Segeberg unterstütze den Kindergarten dabei im ersten halben Jahr durch kostenlose Fahrten. „Wir sind dann jeweils zwei Stunden vor Ort und führen die Arbeiten durch, die anstehen“, sagt Nina Meier. Den Kindern mache die Arbeit auf dem Feld und mit dem Gemüse Spaß, betont die Kindergartenleiterin.

Das geerntete Gemüse wird im Kindergarten verarbeitet, es gab bereits Kartoffel-Mangold-Auflauf und Kartoffeln mit Kräuterquark, in den Frühlingszwiebeln aus eigenem Anbau geschnippelt wurden. Zudem sei Gemüse mittags von den Kindern an die Eltern verkauft worden, berichtet Meier. Die Zusammenarbeit mit den andern beiden Kindergärten, die ebenfalls in Blunk wirtschaften, laufe gut. „Der Acker ist dreigeteilt, jeder ist für seinen Teil zuständig.“ Auch wenn die Arbeit zusätzlichen Aufwand darstelle, werde ihre Einrichtung vermutlich auch in der kommenden Saison wieder mitmachen.

Ist Blunk derzeit noch der einzige Acker der Gemüseackerdemie in Schleswig-Holstein, kommen in der nächsten Saison vermutlich zwei weitere hinzu. In Neumünster und in Lübeck sind die Organisatoren mit Schulen im Gespräch. Auch Landwirtschaftsministerium und Staatssekretärin Silke Schneider, die beim Start selbst vor Ort war, halten das Projekt nach eigenen Angaben für sehr gut und sind gern bereit, es weiter öffentlich positiv zu begleiten.

www.ackerdemia.de