Bad Bramstedt

Mit Freifunk kostenlos ins World Wide Web

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Wolfgang Klietz
Marion Wanke, Sebastian Claus und Stefan Weimar (v.l.) wollen in Bad Bramstedt ein Freifunk-Netz aufbauen

Marion Wanke, Sebastian Claus und Stefan Weimar (v.l.) wollen in Bad Bramstedt ein Freifunk-Netz aufbauen

Foto: Wolfgang Klietz

Bramstedter Initiative will WLAN-Router in der Innenstadt vernetzen und den Bürgern damit den Zugang zum Internet erleichtern.

Bad Bramstedt.  Das kleine Hagen könnte Vorbild für das etwas größere Bad Bramstedt sein. Was in der 370-Einwohner-Gemeinde am nordwestlichen Rand des Kreises Segeberg funktioniert, müsste auch in der Kurstadt mit ihren 14.000 Menschen klappen: Freifunk.

Davon geht eine Initiative aus, die in Bad Bramstedt ein kostenloses WLAN-Netz für alle Nutzer einrichten will und Unterstützer sucht. „Wir wollen ein freies Netz, das von Bürgern für Bürger aufgestellt wird – ohne Zensur und Reglementierungen“, sagt Sebastian Claus, der sich mit seiner Freundin Marion Wanke für das Projekt einsetzt. Sie halten den kostenlosen Zugang zum Netz für ein Grundbedürfnis.

Claus schätzt, dass in Deutschland etwa 15.000 bis 20.000 Menschen ihre Router für den Freifunk zur Verfügung stellen. Im Kreis Segeberg sind die Hagener und die beiden Bramstedter die ersten.

Die Idee ist einfach und im kleinen Hagen schon umgesetzt: Private handelsübliche Router bilden ein WLAN-Netz, das ohne Passwort, ohne Kosten oder andere Beschränkungen nutzbar ist. Im Dorf funktioniert das Prinzip reibungslos, weil die Voraussetzungen stimmen. Hagen ist ans Glasfasernetz mit besten Verbindungen ins weltweite Netz ausgestattet. Wer durchs Dorf geht, hat mit seinem Smartphone, Tablet oder Laptop dank Freifunk fast immer Empfang. Auf das Handy-Netz ist dagegen kaum Verlass, das Dorf schlummert im Funkloch.

Auf die Idee, Freifunk in seinem Dorf einzurichten, kam der Hagener Jens Cramer im Juni 2015 bei einem Besuch der „Maker Faire Hannover“, einem Familien-Festival für Inspiration, Kreativität und Innovation, das unter der Schirmherrschaft von Bundesbildungsministerin Johanna Wanka stand. Cramer lernte dort den Freifunk Hannover kennen und wollte die Idee auch in Hagen umsetzen. Mit Stefan Weimar fand sich schnell ein Mitstreiter. Beim Treffen der Kieler Freifunk-Community holten sie sich weitere Tipps für den Start.

Kurz darauf waren die ersten zwei Knoten im Dorf online. Ende September 2015 folgte der erste „Stammtisch“ im Dorfhaus. Auch die in Hagen untergekommene Flüchtlingsfamilie konnte inzwischen mit einem Zugang zum Internet über Freifunk ausgestattet werden. 17 Freifunkknoten gibt es bereits in Hagen, 20 sollten es für eine flächendeckende Versorgung sein.

In Bad Bramstedt ist das Netz noch grobmaschig, doch Sebastian Claus und Marion Wanke arbeiten daran. Am Kirchenbleeck direkt gegenüber der Maria-Magdalenen-Kirche, an der Grundschule am Bahnhof und an der Schillerstraße haben sie bereits einen freien Zugang zum Freifunk geschaffen. „Seit meine Freifunk-Knoten seit dem Ende letzten Jahres aktiv sind, sehe ich regelmäßig, dass das von mir bereitgestellte Netz gut besucht ist“, sagt er. „Es halten sich durchschnittlich acht bis zehn, in Spitzenzeiten bis zu 18 Clients, also Endverbraucher, in Reichweite meiner Knoten auf und nutzen das Internet.“ Er rechnet mit deutlich mehr Nutzern, wenn das Wetter besser wird. „Auch und gerade von Flüchtlingen wird das Netz gerne genutzt, um so eine Verbindung zu ihren Freunden und Familien aus ihrer Heimat zu erhalten und sich darüber hinaus hier bei uns mithilfe des Internets besser zurechtfinden“, hat er festgestellt.

50 Knoten könnten die Innenstadt abdecken

Außerdem hofft er auf mehr bereitwillige „Spender“, die ebenfalls einen Knoten einrichten und betreiben. Der Aufwand ist finanziell gering: 20 bis 50 Euro kostet der Router, zwei bis acht Euro fallen für Strom pro Jahr an. Auf die Router wird eine spezielle Software aufgespielt. „Es wäre toll, wenn es alle 50 Meter einen Knoten gäbe“, sagt Claus. „Damit könnte man die Innenstadt abdecken.“

Claus hofft, dass auch Geschäftsleute Kunden, Kurgästen und Touristen der Stadt den Freifunk-Service bieten wollen. „Unter Federführung des Bürger- und Verkehrsvereins sollte sich dort doch schnell was realisieren und vermarkten lassen“, hofft er. „Eventuell bekommt man sogar die Kirche mit ins Boot, denn der Kirchturm böte sich auf Grund seiner Höhe natürlich als ideale Relais-Station an.“

Auch der Stadt und den Vereinen biete Freifunk viele Möglichkeiten. Mit wenigen 100 Euro ließe sich das Freibad im Außenbereich mit Internet versorgen. Oder die Zuschauerbereiche am Sportplatz. „Ideen ließen sich sicher einige finden“, sagt Claus.

Wer mitmachen, sich informieren oder beraten lassen will, sollte zu den Treffen der Initiative kommen. Die Freifunker Bad Bramstedt und Freifunk Hagen treffen sich regelmäßig am letzten Mittwoch im Monat um 19.30 Uhr im Dorfhaus Hagen.

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