Norderstedt
Drachenfest

Bunter Himmel über Norderstedt

Ulf Eversberg, 58, ist begeisterten Drachenflieger, am liebsten lässt er seinem Vierleiner mit Husky-Augen steigen

Ulf Eversberg, 58, ist begeisterten Drachenflieger, am liebsten lässt er seinem Vierleiner mit Husky-Augen steigen

Foto: Andreas Burgmayer / HA

Mehrere Tausend kleine und große Besucher kamen in den Stadtpark, um die Drachenlenker und ihre fantasievollen Bauten zu bewundern.

Norderstedt.  Wenn man die Männer im besten Alter sieht, die am Sonnabend auf der Wiese über dem Strandbad im Norderstedter Stadtpark ihre Drachen steigen lassen, dann kommt einem unwillkürlich der Spruch in den Sinn, den man irgendwo beim Vorbeigehen an den Zelten der Drachenlenker beim Norderstedter Drachenfest aufgeschnappt hat. „Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit.“

Es herrscht – für den Laien – herrliches Wetter am Sonnabend, um einen Drachen steigen zu lassen. Es ist sonnig, warm, es geht ein ordentlicher Wind, und am Himmel stehen aufregende Cumulus-Wolken wie riesige Wattebäusche und sorgen für eine passende Szenerie. „Für uns ist das aber hier gar nix“, sagt Ulf Eversberg, 58. „Der Wind dreht ständig, und er rollt, wegen der Bäume da hinten. Schwierig, große Drachen in den Himmel zu bekommen.“

Mit behutsamen Bewegungen hält Eversberg je einen mit Schaumstoff ummantelten, gebogenen Stab in jeder Hand. An jedem dieser Stäbe hängen je vier Leinen aus einem Kunststoffgarn, das sich auch bei großer Belastung kaum dehnt und das pro Leine einer Belastung von 34 Kilo standhält. In etwa 30 Metern Höhe tanzt an diesen vier Leinen etwas, das wie eine sehr groß geratene Techno-Fledermaus aussieht. Doch dem Betrachter am Boden starren von der Bespannung des Drachens zwei stahlblaue Husky-Augen entgegen. „Das ist der Master Husky – mein schönster Vierleiner!“

Eversberg ist seit 15 Jahren Drachenflieger. „Eigentlich war ich Taucher. Dann kamen die Kinder, wir mussten die Steinstrände für die Sandstrände sein lassen. Da fing ich an, Drachen steigen zu lassen.“

Drachenfeste in ganz Norddeutschland besucht Eversberg regelmäßig, gemeinsam mit seinen Kindern oder auch nur mit seiner Frau, wie heute in Norderstedt. Frau Eversberg liegt im Gras und schießt Fotos aus der Bodenperspektive.

Vierleiner waren von Anfang an sein Ding. „Man kann die für 160 bis 400 Euro kaufen, bei Drachendesignern. man kann die aber auch selber bauen.“ Manche Drachenflieger verbrächten die fluguntauglichen Winterwochen im Keller und tüftelten mit großer Akribie und Ingenieursgeschick an ihren Eigenbauten.

Nichts für Ulf Eversberg. Drachenfliegen ist für ihn der Ausgleich im Alltag. Der promovierte Meereskundler aus Bremerhaven ist heute von Beruf Hausmann. Er kümmert sich um die Kinder. Und die Politik. Für die Bündnis-Grünen saß er eine Periode in der Bremischen Bürgerschaft, bis er bei der letzten Wahl im Mai abgewählt wurde. An seinem Wohnsitz in Bremerhaven ist er nach wie vor politisch aktiv.

Ulf Eversberg und all den anderen Drachenfliegern schauten am Wochenende Tausende Norderstedter zu. Kai-Jörg Evers, Chef der Stadtpark GmbH, schätzte die Besucherzahl am Sonnabend auf etwa 4000 Menschen. Neben den Drachen und riesigen Windspielen am Himmel gab es auf der Seepromenade eine große Familienmeile. Der Lebensmittelhändler Rewe und der Sender R.SH hatten etliche Attraktionen aufgefahren. Spektakulär der Rewe-Ballon: Ein echter Ballonkorb mit einem unechten roten Ballon, der sich aber trotzdem etwa 20 Meter über die Seepromenade erhob, weil er am Haken eines großen Krans hing, der ihn laufend, voll besetzt mit Zuschauern, nach oben zog.