Norderstedt
Nepal

So hilft Norderstedt den Erdbebenopfern

Im Weltladen wirbt Chitra KC (Mitte) gemeinsam mit Franz Maletzke vom Weltladen-Team und Edith Malzer von Karma Fair Trade für Produkte aus Nepal

Im Weltladen wirbt Chitra KC (Mitte) gemeinsam mit Franz Maletzke vom Weltladen-Team und Edith Malzer von Karma Fair Trade für Produkte aus Nepal

Foto: Michael Schick

Der Asien-Chef der Weltorganisation für fairen Handel wirbt dafür, dass die Norderstedter Kunsthandwerk aus Nepal im Weltladen kaufen.

Norderstedt.  Das Land kommt nicht zur Ruhe. Nachdem bei den beiden stärksten Erdbeben in Nepal im April und Mai mindestens 8000 Menschen ums Leben kamen, hat die Erde weitergebebt. „Immer noch gibt es schwächere Erdstöße. Das Schlimme daran ist, dass diese Nachbeben die Angst der Menschen noch verstärken“, sagte Chitra KC, als er den Weltladen in Norderstedt besuchte und über das Chaos in seiner Heimat berichtete. Der Nepalese ist Direktor von New Sadle, einem Fairhandelsprojekt in Nepal und hochrangiger Vertreter der World Fair Trade Organization (WFTO) Asia, der Dachorganisation der Fairhandels-Akteure weltweit. Und als Asien-Chef der WFTO ist er in besonderer Mission unterwegs.

Der Gast wirbt dafür, dass die Norderstedter Kunsthandwerk aus Nepal kaufen: Klangschalen, Stoffschuhe, Mützen, Kissen, Taschen, Schmuck – eine Auswahl ist im Norderstedter Weltladen zu finden. Die Einnahmen helfen beim Wiederaufbau des weitgehend zerstörten Landes. Die Kunsthandwerker haben enorme wirtschaftliche Bedeutung in dem Land, das zu den 20 ärmsten der Welt zählt: „Der faire Handel macht gut 20 Prozent des Bruttoinlandproduktes aus“, sagte Chitra KC.

In seinem Projekt New Sadle in der Hauptstadt Kathmandu leben und arbeiten Menschen, die an Lepra erkrankt waren. Sie stellen kunsthandwerkliche Produkte her, die auch im Norderstedter Weltladen verkauft werden.

Die Erdbeben haben auch in Kathmandu Häuser zerstört und Menschen obdachlos gemacht. „Wir haben inzwischen Wellblechbaracken und 127 Zelte aufgestellt“, sagte der Gast. Was hier im Kleinen passiert ist, spiegele die Situation im gesamten Land wider. Die drei Millionen Obdachlosen suchten Zuflucht in Baracken und Zelten. Heiß sei es unter den Planen, 35 Grad in der Metropole, noch zehn Grad mehr im Süden des Landes. Die Regenzeit erschwere den Transport von Hilfsgütern und den Wiederaufbau, ganz besonders in den hochgelegenen Bergdörfern. Erdrutsche seien eine tödliche Gefahr für Überlebende und Helfer.

„Die Furcht vor weiteren Beben ist groß“

Doch noch schwerer als die klimatischen Hindernisse wirke die psychische Last, die die Erdstöße hinterlassen hätten: „Die Furcht vor weiteren Beben, vor Tod, Verletzung, Krankheit und Obdachlosigkeit ist groß“, sagte Chitra KC. Es sei schon mühsam, die Menschen unter die Dächer der Wellblechhütten zu bekommen. Ausgeschlossen sei ein Schlafplatz im ersten Stock, da verbringen die Obdachlosen die Nacht lieber im Freien auf dem Erdboden, wo sie jederzeit flüchten könnten.

„Die Menschen brauchen sichere Plätze“, sagte Chitra KC in fließendem Englisch. Doch der Wiederaufbau brauche Zeit, er werde nur gelingen, wenn die Menschen mitgenommen werden, ihren „Nepali Way“ gehen können. In diesem Fall: So bauen, wie sie das kennen, mit Holz und Bambus, natürlich auch mit Steinen und ergänzt durch Stabilisatoren wie Betonträger, damit die Häuser möglichst lange weiteren Erdstößen standhalten. „Es macht keinen Sinn, westliche Standards aufzustülpen und hektische Betriebsamkeit zu entwickeln“, sagt der Nepalese. Und nennt als Beispiel eine Delegation von 20 US-Ärzten, die helfen wollten und doch an ihrem „american way“ zunächst gescheitert seien.

Natürlich seien die Nepalesen dankbar für jede Unterstützung, Geld genauso wie Helfer, die beispielsweise Trinkwasseraufbereitungsanlagen aufbauen. Nicht nur Wasser zum Trinken oder Kochen fehle, die Menschen könnten auch nicht duschen. Arbeitskraft sei Mangelware, vier Millionen der rund 28 Millionen Nepalesen verdienten ihr Geld im Ausland, oft unter unwürdigen Bedingungen wie beim Bau der Stadien für die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar. In Nepal lässt sich nur wenig Geld verdienen, jeder vierte Nepalese lebt heute von weniger als zwei Dollar am Tag.

„Die Männer, die im Ausland arbeiten, fehlen hier zum Aufbau“, sagte Chitra KC, der sich für die Hilfe der Norderstedter bedankte. 4000 Euro kamen bei der Spendenaktion zusammen, die die Volkshochschule Norderstedt und der Weltladen nach den Erdbeben spontan organisiert und mit einem Vortrag kombiniert hatten: Der Fotograf und Nepal-Kenner Reiner Remke, Stammgast auf dem Dach der Welt, brachte rund 200 Besuchern und Spendern Land und Leute näher. Nochmals 250 Euro steckten die Kunden des Weltladens ins Nepal-Schwein.

Ganz aktuell hat die Geberkonferenz aus rund 60 Staaten rund drei Milliarden Dollar für den Wiederaufbau zugesagt. Chitra KC geht davon aus, dass es zwischen fünf und zehn Jahre dauern wird, bis die Menschen wieder Dächer über den Köpfen haben und die Infrastruktur funktioniert.