Norderstedt
Kreis Segeberg

Engpässe bei den gelben Säcken

Im Kreis Segeberg gibt es Probleme bei der Wertstoffsammlung, die Norderstedter sind besser dran

Kreis Segeberg. Für viele Personen aus dem Kreis Segeberg beginnt das neue Jahr mit einer Schreckensnachricht: Es gibt keine gelben Säcke mehr! Diese Aussage gab es in den vergangenen Wochen immer häufiger – vor allem in den Orten außerhalb Norderstedts. Tatsächlich, das räumen der Wege-Zweckverband (WZV) und die für das Einsammeln der gelben Wertstoffsäcke zuständige Firma Gollan Recycling GmbH ein, gibt es derzeit einen Mangel an diesen Säcken. Warum das so ist, kann allerdings niemand so recht nachvollziehen. In Norderstedt gibt es keine Engpässe.

„Es tut mir leid, wir haben keine gelben Säcke mehr!“ Diesen Satz bekamen viele Bürger aus dem Kreis Segeberg in den vergangenen Wochen immer häufiger zu hören. In einigen der 120 Ausgabestellen außerhalb Norderstedts (in Norderstedt selbst sind es 23) wurde gelegentlich auch dieser Satz hinzugefügt: „Wir bekommen überhaupt keine Säcke mehr, die werden den Haushalten jetzt zugeteilt und zugestellt.“

Die Folgen dieser Aussagen werden jetzt deutlich: Viele Menschen griffen offenbar vor Weihnachten und vor dem Jahreswechsel zu, um die Rollen mit den gelben Säcken zu „hamstern“ – schnell waren sie aus den Regalen der Geschäfte verschwunden. „Die Kundschaft fragt bei uns massiv nach“, sagt Jens Kretschmer, Chef des WZV.

Was ist passiert? Tatsächlich gibt es die Nachricht, dass eine Grundausstattung an gelben Säcken wahrscheinlich im Frühjahr über die Post an die Haushalte geschickt werden soll. Wie viel Säcke es pro Haushalt geben wird, steht noch nicht fest. „Das hängt natürlich auch von der jeweiligen Personenzahl ab“, sagt Thilo Gollan, Geschäftsführer der in Beusloe (Ostholstein) ansässigen Recycling-Firma. Seit dem 1.Januar 2014 ist das Unternehmen im Auftrag der Duales System Deutschland GmbH für den Kreis Segeberg (ohne Norderstedt) zuständig.

Nach Angaben von Thilo Gollan werden im Kreis Segeberg pro Jahr etwa sieben Millionen gelbe Säcke verteilt. Eine Stückzahl, die bisher stets gereicht habe, um allen Nachfragen gerecht zu werden. Gollan weiß, wie andere Unternehmer, die mit dem gelben Sack zu tun haben, auch, dass viele Säcke zweckentfremdet und nicht nur für die Wertstoffe verwendet werden. „Das fließt in unsere Kalkulation ein und hat nichts mit den derzeitigen Engpässen zu tun.“

Etwas mehr als einen Cent müsse sein Unternehmen pro Sack bezahlen. Die Kunden bekommen ihn umsonst – trotzdem verdient die Gollan Recycling GmbH natürlich an dem Deal mit der Duales System Deutschland GmbH. Sehr gut sogar: Das Unternehmen ist auch in anderen Kreisen Schleswig-Holstein tätig und beschäftigt in Beusloe etwa 40 Mitarbeiter. Telefonisch ist es derzeit nicht zu erreichen, was möglicherweise auch zu dem derzeitigen Engpass mit den gelben Säcken geführt hat: Seit dem 22. Dezember funktioniert das Festnetz-System im Unternehmen nicht, die Deutsche Telekom konnte den Fehler bisher nicht beheben. Wer mit Firmenchef Thilo Gollan telefonieren will, muss das Mobiltelefon seiner Sekretärin anwählen, seine eigene Nummer bleibt geheim.

Beschwerden werden derzeit also nicht angenommen. Das wiederum spürt der Wege-Zweckverband – allerdings nicht erst seit dem 22. Dezember. Denn etwa ein Drittel aller Beschwerdeanrufe, die beim WZV landen, betreffen das Abholen der gelben Säcke, für die er ja eigentlich gar nicht zuständig ist. Verbandschef Jens Kretschmer ist nicht amüsiert: „Wir machen Druck bei Gollan, damit es mit der Auslieferung der gelben Säcke besser klappt.“ Gespräche sind anberaumt.

Thilo Gollan verspricht, dass die Engpässe beseitigt werden: Auch nach der Post-Auslieferung von gelben Säcken sollen die 120 Ausgabestellen jederzeit mit ihnen beliefert werden, sodass immer die Möglichkeit besteht, Säcke nachzuholen. Im WZV-Abfallkalender sind die Ausgabestellen aufgelistet.

Die etwa 2000 Besitzer der neuen orangefarbenen Tonnen müssen übrigens auch gelbe Säcke haben: Nur darin verpackte Wertstoffe dürfen in diese Tonne. Derartige Probleme sind in Norderstedt nicht bekannt. Nach Angaben von Betriebsamtsleiter Martin Sandhof stellt das Recycling-Unternehmen Brockmann aus Nützen genügend gelbe Säcke zur Verfügung. Darüber hinaus dürfen die in Norderstedt eingeführten gelben Tonnen auch ohne Säcke befüllt werden. Und auch das gibt es nur in Norderstedt: „Bei uns darf auch die Bratpfanne und die Quietschente in den gelben Säcken oder in der Tonne landen.“ Anderswo gilt: Nur Verkaufsverpackungen aus Kunststoff, Metall oder Verbundmaterialien dürfen hinein.

Im WZV-Gebiet wurde lange über die Einführung einer Tonne für sperrige Wertstoffe wie Kochtöpfe, Bratpfannen oder Plastiksiebe diskutiert; die Pläne wurden jedoch nicht verwirklicht.