Richtiges Einkaufen

Bückware ist oft billig, aber meistens wirklich gut

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Frank Knittermeier

Ernährungsberater Andreas Sommers aus Henstedt-Ulzburg zeigt, was im Supermarkt bedenkenlos gekauft werden kann – und was eher nicht. Er gibt Volkshochschulkurse über das richtige Einkaufen.

Der Gang durch den Supermarkt gehört zu den alltäglichen Verrichtungen: Es muss sein, aber kaum jemand macht sich Gedanken, was da eigentlich so ganz genau eingekauft wird. Griff ins Regal, Ware in den Korb, bezahlen an der Kasse – fertig. Ernährungsberater Andreas Sommers aus Henstedt-Ulzburg funktioniert die Einkaufstouren zu kleinen wissenschaftlichen Exkursionen um. Über die Volkshochschulen bietet er geführte Supermarkteinkaufstouren an und erklärt den Teilnehmern die Vor- und Nachteile vieler Produkte. Bald zieht er wieder durch die Supermärkte, für das Hamburger Abendblatt machte er eine Extra-Tour und überrascht dabei mit interessanten Erkenntnissen.

Treffpunkt Rewe-Supermarkt an der Hamburger Straße in Henstedt-Ulzburg. Das ist reiner Zufall, es hätte auch jeder andere Supermarkt sein können, denn Unterschiede im Aufbau der Angebote gibt es kaum. Der Marktleiter gibt die Genehmigung für die Einkaufsexkursion. Andreas Sommers überreicht zunächst ein einfaches Pfannkuchenrezept, das sozusagen als Grundlage für den kleinen Einkaufsbummel dienen soll: Mehl, Eier, Milch, Zucker, Apfel, Salz, Öl – nichts Besonderes. Aber der Ernährungsberater kennt die kleinen, feinen und besonderen Unterschiede der einzelnen Zutaten.

Bevor es allerdings in das Geschäft geht, fällt ihm ein Plakat am Eingang auf, mit dem für eine fettarme Alpenmilchmarke geworben wird. „Das besondere an Alpenmilch ist eigentlich der hohe Fettgehalt, hier aber wird diese Milch mit wenig Fettgehalt angepriesen“, sagt Andreas Sommers. „Das ist paradox.“ Gut, aber das nur nebenbei. Es geht zum Mehl, denn das steht ganz oben auf der Pfannkuchenzutatenliste. Weizenmehl 405 für 35 Cent steht als No-Name-Produkt unten im Regal und wird gerne eingekauft. Mehl eben, nichts Besonderes. Andreas Sommers weist darauf hin, dass dieses Mehl von der Konsistenz her knapp über Tapetenkleister liegt, keine Ballaststoffe, weltweit zusammengekaufter Weizen, auf hohen Proteingehalt gezüchtet. Er weiß, dass die Supermärkte dieses Produkt nicht gerne verkaufen, es aus Konkurrenzgründen aber im Angebot haben müssen. Für Pfannkuchen empfiehlt er stattdessen Vollkornmehl. Auch weil Getreide den Geschmack an den Pfannkuchen abgibt.

Zu einer erstaunlichen Erkenntnis kommt Andreas Sommers am Eierstand. Keine Bioeier, keine Eier von frei laufenden Hühnern, sondern Eier von Hühnern, die am Boden gehalten werden – das ist seine Empfehlung. „Die sind am wenigsten mit Medikamenten belastet, denn ein Huhn, das draußen läuft, muss gegen Vogelgrippe geimpft werden“, erklärt er, schränkt aber auch ein: „Von der ethischen Seite betrachtet, sind Bioeier die bessere Wahl.“

Eier aus Bodenhaltung sind natürlich, das weiß jeder, der sich mit Lebensmittelpreisen auskennt, die billigere Wahl. Der Ernährungsberater selbst kauft nur diese Eier.

Zucker gehört in den Kuchen, nicht in den Pfannkuchen, empfiehlt Sommers. Auch kein Traubenzucker: „Der geht schnell ins Gehirn, aber die Bauchspeicheldrüse wird panisch.“ Stattdessen empfiehlt er Äpfel. Natron statt Backpulver, natives Rapsöl aus erster Pressung oder Butterschmalz. Im Salzregal stehen Meersalz und Jodsalz in Blickhöhe – das sind die teuren Angeboten. Andreas Sommers greift ganz nach unten und holt eine preiswertere Zwei-Kilo-Packung Kochsalz (Natriumchlorid) hervor. Seine Devise: Wer Meersalz mag, kann es kaufen, Jod im Salz ist überflüssig, da der Mensch im Normalfall mit Jod eher überversorgt ist. Am Salzregal macht Andreas Sommers das Prinzip eines Supermarktes deutlich: Damit die Produkte in Blickhöhe präsentiert werden, zahlen die Hersteller hohe Summen, über die Qualität sagt diese Anordnung in den Regalen aber nichts aus. Beispiel Müsli: In Griff- und Blickhöhe stehen ausschließlich teure Produkte, die auch im Rundfunk und Fernsehen beworben werden. Aber Feinschmeckermüslis sind nach den Erkenntnissen von Andreas Sommers nicht immer die besten.

„Viele Müslis sind reine Zuckerbomben“, sagt er und greift ganz nach unten: 1000 Gramm Trauben-Nuss-Müsli für 1,49. „Das ist in Ordnung, auch wenn etwas Zucker mit den Cornflakes hineinkommt.“ Oder rechts daneben: Die echten Kernigen ohne Zutaten, die von einem bekannten Hersteller schon seit Jahrzehnten in praktisch unveränderter Packung angeboten werden – auch gut. Ebenso wie die danebenstehenden Schmelzflocken. Billig-Haferflocken, No-Name-Produkte, bestehen im Gegensatz dazu aus weltweit angekauftem Getreide. „Kann man auch kaufen, ist aber Ansichtssache.“ Honig: Der richtig gute steht unten im Regal. Andreas Sommer holt ihn hervor. Seine Erkenntnis: „Bückware bringt keinen Umsatz.“ Vor dem Kühlregal zeigt er auf die Deutsche Markenbutter. Steht unten, ist billig und wird eher nicht beachtet, das Siegel ist unscheinbar und unter Marketinggesichtspunkten ein Flop. Dabei sei gerade diese Butter am besten. „Ein ausgereiftes Produkt, das deutsche Siegel gibt es schon seit Tausenden von Jahren.“

Ein Gang durch den Supermarkt mit Andreas Sommer bringt Klarheit, verunsichert aber auch: Hat man seit Jahrzehnten die falschen Waren gekauft? Es bleibt die Erkenntnis: Nicht jede gut aussehende Ware ist ihren Preis wert. Es tut gut, mal wieder darauf hingewiesen zu werden.

Wer Nachhilfeunterricht in Sachen Einkaufen bekommen will, hat dazu demnächst Gelegenheit: Die VHS Henstedt-Ulzburg veranstaltet am Mittwoch, 5. November, einen geführten Supermarkteinkauf mit Andreas Sommers (19 Uhr), die VHS Kaltenkirchen am Montag, 24. November (18.30 Uhr).

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