Bad Segeberg

Landrätin Jutta Hartwieg will - aber kann sie auch?

Unklare Mehrheitsverhältnisse im Segeberger Kreistag machen neue Konstellationen für Landratswahl 2014 möglich. Die kleinen Fraktionen werden bei der Wahl das Zünglein an der Waage sein.

Bad Segeberg. Gerade als CDU-Fraktionschef Claus Peter Dieck mit seinem Parteifreund und Kreispräsident Winfried Zylka anstoßen will, kommen im Kreistagssitzungssaal in Bad Segeberg die letzten Ergebnisse rein. Dieck kann gerade noch "Herzlichen Glückwunsch" sagen und die Sektgläser klirren lassen, da wird seine Aufmerksamkeit schon auf die Projektion der endgültigen Ergebnisse der Kreiswahl gelenkt. Zunächst kommen die Prozentzahlen, die die CDU mit 43,7 Prozent und 25 Sitzen wieder als eindeutigen Sieger ausweisen. Zwar hat auch die SPD auf jetzt 29 Prozent leicht dazugewonnen, der Abstand zwischen den beiden größten Fraktionen ist aber weiter deutlich.00

Dann aber kommt die Sitzverteilung, und es herrscht kurzzeitig Verwirrung. "Das ist noch nicht mit Überhang- und Ausgleichsmandaten?", vermutet Dieck. Zylka schaut noch einmal genau hin: "Doch, die sind schon mit eingerechnet, das sind mehr als 49 Sitze." Jetzt rechnet Dieck schnell. CDU und FDP: 28 Sitze. Auch SPD, Grüne, Piraten und Linke kommen auf 28 Sitze. Der CDU-Spitzenkandidat ist kurz sprachlos, sagt dann: "Das ist ein Patt." Seine mögliche Wahl zum Landrat im Jahr 2014 ist mit diesem Wahlergebnis alles andere als sicher.

Kleine Fraktionen als Zünglein an der Waage

Denn Ende Juli 2014 endet die Amtszeit der amtierenden Landrätin Jutta Hartwieg, und diesmal stimmt der Kreistag über ihre mögliche Wiederwahl oder einen Nachfolger ab. Das Patt zwischen CDU und FDP auf der einen Seite sowie SPD, Grünen, Piraten und Linken verspricht eine spannende Zeit - nicht nur für Hartwieg und Claus Peter Dieck.

FDP-Fraktionschef Wolfgang Schnabel bringt gleich eine neue Idee ins Spiel: "Wir versuchen immer, möglichst einen eigenen Kandidaten vorzuschlagen." Zwar hat seine Partei die Stimmenzahl fast halbiert, ist gerade noch bei 6,1 Prozent und wird statt mit sieben nur noch mit drei Abgeordneten vertreten sein. Aber Schnabel ist lange dabei und kennt das Geschäft. "Man wird Partner brauchen, um seinen Landratskandidaten durchzusetzen", sagt er.

Der Spitzenkandidat der Piratenpartei, Thomas Wilken, hält es für denkbar, dass seine Partei die Kandidatur eines kompetenten Verwaltungsfachjuristen als eine Art dritten Weg mitträgt. Einen Namen hat er jedoch noch nicht im Kopf. Bezogen auf die Sitzverteilung des neuen Kreistags, in dem die Piratenpartei nach ihren 3,5 Prozent mit zwei Abgeordneten vertreten sein wird, sagt er. Von Hartwieg und Dieck wolle er sich erst einmal ein Bild machen, sagt aber auch, dass im sogenannten Kellerkindfall viel Porzellan zerschlagen worden sei.

Die Grünen setzen weder auf Hartwieg noch auf Dieck

Hartwieg selbst wirkte während der Verkündung der Wahlergebnisse angespannt. Erst am Ende wirkte sie gelöster. Im Hinblick auf eine neue Amtszeit sagte sie: "Ich stehe zur Verfügung." SPD-Spitzenkandidatin Edda Lessing versicherte am Wahlabend der Landrätin noch einmal ihre Unterstützung. Die Sozialdemokraten können ihre 16 Sitze in die Waagschale werfen, und Lessing rechnet die acht von Bündnis 90/Die Grünen gleich mit dazu. Dass diese noch etwas mehr als die SPD dazugewonnen haben, sei für sie keine Tragödie. "Wir stimmen an vielen Punkten mit den Grünen überein", sagt sie.

Das gilt jedoch nicht für die Landratswahl 2014. Zumindest noch nicht. Grünen-Fraktionschef Arne Hansen meint: "Uns ist es daran gelegen, für den Kreis die beste Lösung zu finden." Für die Leitung einer Verwaltung sei eine Fachkraft sicherlich sinnvoll, und das sei weder Jutta Hartwieg noch Claus Peter Dieck, auch wenn seine Partei mit der Landrätin gut zusammenarbeite und Dieck als CDU-Fraktionschef schätze. "Ich sehe ihn aber nicht als Landrat", so Hansen.

Und Claus Peter Dieck selbst? Nach absoluten Zahlen holte er in seinem Wahlkreis Leezen das beste Ergebnis aller Direktkandidaten mit 2645 Stimmen. Zur Landratswahl im kommenden Jahr sagt er zunächst: "Das ist 2014."