Theater

"The King's Speech": Zum Erfolg gestottert

Das Publikum des Schauspiels im ausverkauften Kulturwerk am See in Norderstedt war begeistert. Götz Otto in der Hauptrolle.

Norderstedt. Zweieinhalb Stunden stottern und dabei noch ein intensives Spiel auf die Bühne bringen - das muss ihm erst einmal jemand nachmachen. Götz Otto spielt den Herzog von York in dem Schauspiel "The King's Speech", und das machte er derart ergreifend, dass es mucksmäuschenstill im ausverkauften großen Saal des Kulturwerks am See war. Zum Schluss dankte das Publikum dem Schauspiel-Team um Regisseur Helmuth Fuschl mit frenetischem Beifall.

Die Theatergastspiele Kempf bringen das Schauspiel von David Seidler neben dem Hamburger St. Pauli Theater als Erstaufführung auf die Bühne, und das Kulturwerk ist eine der ersten Tournee-Stationen. Autor Seidel schrieb "The King's Speech" bereits vor mehr als 20 Jahren, doch Queen Mum, die als junge Elizabeth auf der Bühne steht, bat ihn, es erst nach ihrem Tod zu veröffentlichen.

Götz Otto entwickelt mit Steffen Wink als Sprachtherapeut Lionel Logue ein schnelles Spiel mit hintergründigem Witz, bitterböser Ironie und zwischenmenschlichen Betroffenheiten. Mit Daniela Kiefer als Elizabeth, Herzogin von York, und Mona Perfler als Lionels Ehefrau Myrle arbeiten sie die gesellschaftliche Klassen-Kluft zwischen den Royals und den am Existenzminimum schrammenden Schauspieler aus Australien ebenso scharf heraus wie die Qual des stotternden Herzogs, König werden zu müssen.

Mit schonungslosem Spiel bannen Götz Otto und Steffen Wink das Publikum

Auch die stillen Dramen der Ehepaare, der Horror der herzoglichen Kindheit, die Jet-Set-Überspanntheit des Thronfolgers David, Prince of Wales, und die Machtgier des Erzbischofs von Canterbury, des Premierministers und Winston Churchills werden genüsslich dargeboten.

Götz Otto, ein Paradebeispiel für die Rolle, stottert und schreit, verknotet seine Hände zu Fäusten, poltert und macht seiner Umwelt das Leben zur Hölle, weil sie ihm die Hölle bereitet. Steffen Wink nimmt als Logue diese Wucht auf, pariert sie, lenkt sie in Bahnen. Das macht Wink als gewiefter Taktiker, der die Abgründe menschlichen Leids kennt, aber immer mit Nonchalance und Witz darüber hinweg wischt. Bis es ihn erwischt, bis er bekennen muss, woher er die Abgründe kennt. Gerade mit diesem schonungslosen Spiel bannen Otto und Wink das Publikum.

Daniela Kiefer inszeniert die Herzogin mit herrschaftlicher Attitüde und Noblesse, kann einige Szenen aber auch pragmatisch herunterbrechen und das mit einem lakonischen Witz, der das Publikum erlöst auflachen lässt. Mona Perfler hat als Myrtle den lieben, netten Part, den sie jedoch mit gut gesetzten Zickigkeiten und einer schönen Portion Melancholie zu würzen weiß.

Herbert Schäfer ist der durchgeknallte Prince of Wales, der die geschiedene Amerikanerin Wallis Simpson ins Bett seiner Mutter legt, ein Vorfall, der ihn die Krone kostet. Schäfer überdreht diesen Playboy mächtig. Das nervt, doch auch dahinter steckt Methode. Harald P. Wieczorek ist ein durchtriebener Winston Churchill, natürlich mit Zigarre, Christian Claaszen gibt den Erzbischof von Canterbury subtil machtgierig und als abgefeimten Schleimer.

Aufführungen: Sonnabend, 26. Januar, 20 Uhr, Kleines Theater am Markt in Wahlstedt. Hochgelobt ist auch die Fassung von Regisseur Michael Bogdanov im Hamburger St. Pauli Theater, die noch vom 6. bis 11. April und vom 23. bis 25. April zu sehen ist.