Norderstedt
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Knoten Ochsenzoll: Ärger am Ende des Tunnels

Enttäuschte Schaulustige und wütende Kaufleute am Knotenpunkt - die verspätete Öffnung des neuen Tunnels sorgte für wenig Freude.

Norderstedt. Es ist nicht irgendein Bauwerk, das am Mittwoch endlich für den Verkehr freigegeben werden soll. Die Norderstedter warten schließlich seit geschlagenen 40 Jahren darauf, dass sich auf der am meisten befahrenen Kreuzung der Stadt endlich was verändert. Dass durch den Tunnel unter dem Verkehrsknoten Ochsenzoll, zwischen der Langenhorner Chaussee und der Schleswig-Holstein-Straße endlich Autos rollen sollen, sorgt am Mittwoch, pünktlich um 12 Uhr, für einen kleinen Volksauflauf links und rechts der stark befahrenen Langenhorner Chaussee.

"Das lass ich mir doch nicht entgehen - nach all den Jahren, die über das Projekt hier geredet wird", sagt René Kiesewalter, 68. Seit 23 Jahren lebt er in Norderstedt und mit der Verkehrsbelastung am Ochsenzoll. Jetzt will er sehen, wie "mit meinem Steuergeld ein übernötiger Tunnel realisiert wird". Doch Kiesewalter, seine Freundin und die etwa 20 anderen Bürger blicken gegen Mittag immer noch auf die Absperrungen vor dem südlichen Eingang des Tunnels (der nach baulicher Definition eigentlich nur ein Trogbauwerk ist). Auf der Nordseite sind Arbeiter immer noch hektisch mit der Aufbringung von Straßenmarkierungen und dem Aufstellen von Schildern beschäftigt. Schnell wird allen klar, dass der von der Norderstedter Verwaltung veröffentlichte Termin für die Öffnung um 12 Uhr nicht zu halten ist. "Das ist die ewige Baustelle. Das wird nie was!", feixt ein Radfahrer, der an den wartenden Baustellen-Kiebitzen vorbei fährt.

Doch die Leute bleiben beharrlich stehen. Ebenso wie die wartenden Journalisten von Print und TV. Ein Bauarbeiter raunt irgendwas von "vielleicht 14 Uhr". Ludwig Jacob, 68, Rentner, wohnt so lange in Norderstedt, dass er sich an die Anfänge der Diskussionen um den Knoten Ochsenzoll vor 40 Jahren erinnern kann. Heute ist er mit dem Rad rüber geradelt, um die Eröffnung mitzubekommen. Wie viele hat er erwartet, dass irgendjemand von der Stadtverwaltung auftaucht und was Offizielles von sich gibt. "Ich war ja schon beim ersten Termin für die Verkehrsöffnung am 25. September da. Ich wollte gerne als erster durch den Tunnel fahren. Vielleicht wird das ja heute was", sagt Jacob.

Die Händler vom Schmuggelstieg haben die arrogante Verwaltung satt

Doch auch um 14 Uhr stehen Sperrzäune vor dem Tunneleingang. Die meisten Kiebitze sind gegangen, einige sind nach dem Mittagessen aber wieder zurückgekehrt und machen nun Spaziergänge im abgesperrten Tunnel. "Auf die Minute genau kann ich ihnen jetzt nicht sagen, wann der Verkehr rollen wird. Vielleicht 14.30 Uhr, auf jeden Fall wird es noch heute geschehen", sagt Mario Kröska, Fachbereichsleiter Verkehr in der Norderstedter Stadtverwaltung auf Nachfrage. Ein Bauarbeiter, der vor Ort an den Straßenmarkierungen auf der Nordseite des Tunnels arbeitet, sagt: "Wenn das heute regnet, können wir keine Markierung kleben. Dann wird das heute gar nichts mehr."

Auf der Langenhorner Chaussee stehen mittlerweile der Goldschmied Thomas Weidemann und der Buchhändler Tobias Mährlein. Die beiden Einzelhändler von der Interessengemeinschaft Ochsenzoll sind stinksauer. "Die Arroganz und Ignoranz des Norderstedter Baudezernates steht mir bis zum Hals. Ich bin kurz vor der Beamtenbeleidigung", sagt Weidemann. "Ständig werden Termine bekannt gegeben und nicht eingehalten. Wer nachfragt, wird als störender Bürger abgewimmelt", sagt Mährlein. Egal, ob bei der Eröffnung des Tunnels oder der Terminierung für die gesamte Baumaßnahme. Mährlein: "Baudezernent Thomas Bosse sagt uns im Juni, der Knoten werde in diesem Jahr fertig. Vier Wochen später sagt er, es wird April."

Was die beiden Kaufleute, die seit Jahren um die Wettbewerbsfähigkeit ihres Standortes am Ochsenzoll bangen, nun richtig in Rage bringt, ist die Verkehrsführung, die den Rest des Jahres am Ochsenzoll herrschen wird. Linksabbiegen wird zum Tabu. Egal aus welcher Richtung. Neu ist, dass auch der Verkehr auf der Langenhorner Chaussee nicht mehr links in Richtung Ohechaussee abbiegen kann. Der Gegenverkehr, der ab sofort aus dem Tunnel fließen wird, verhindert das Abbiegen. Erst wenn der Kreisverkehr fertig ist, läuft der Verkehr wieder in alle Richtungen. "Wie sollen unsere Kunden aus Langenhorn jetzt eigentlich zu uns kommen. Auch der Parkplatz neben der Sparkasse an der Langenhorner Chaussee wird aus Süden nicht mehr anzufahren sein", sagt Mährlein.

Ein Lastwagen löst gleich den ersten Stau in Richtung Langenhorn aus

Es ist schließlich 16.05 Uhr am Mittwoch, als der Tunnel endlich geöffnet wird. Es dauert keine 15 Minuten, ehe der Verkehr auf der Langenhorner Chaussee gestaut ist. Trucker Frank Beck passt mit seinem vier Meter hohen 40-Tonner nicht durch und muss rückwärts heraussetzen. Und für viele Autofahrer aus Richtung Hamburg beginnt die Umgewöhnungsphase. Kein Linksabbiegen. Rechtzeitig ausgeschildert wird die Verkehrsführung auf Hamburger Gebiet nicht. "Das wäre sicherlich etwas übertrieben, deswegen nun an allen Zufahrten Schilder aufzustellen", sagt Mario Kröska. Bedeutet also, die unwissenden Autofahrer werden den Knoten anfahren und dann vor die Alternative gestellt: Tunnel oder rechts abbiegen. Es wird nicht ausgeschlossen sein, dass die so Fehlgeleiteten dann auf der Segeberger Chaussee oder irgendwo hinter dem Tunnel auf der Schleswig-Holstein-Straße drehen werden, um irgendwie in die Ohechaussee oder an den Schmuggelstieg zu gelangen. Mario Kröska: "Es ist mir egal, wie die Leute abbiegen. Links abbiegen geht auf der Kreuzung derzeit eben nicht. Das wird sich schon irgendwie einspielen."