Norderstedt

Die 1832 Pfeifen glänzen wieder

Foto: Heike Linde Lembke

42 000 Euro kostet die Renovierung der Paschen-Orgel in Bad Bramstedts Maria-Magdalenen-Kirche

Bad Bramstedt. "Fang mal beim tiefen C an", bittet Orgelbauer Kurt Quadhamer seinen Kollegen Dominik Kessler. Der sitzt am Spieltisch der Paschen-Orgel der Maria-Magdalenen-Kirche in Bad Bramstedt, während Quadhamer tief in den Orgelbau kriecht, um die letzten Töne zu korrigieren. Heute übergibt der Orgelbaumeister aus Bordesholm der evangelischen Kirchengemeinde Bad Bramstedt ein wahrlich glänzendes Pfeifenwerk, eine vollständig renovierte Orgel, die er zudem mit neuster Technik ausstattete. Geprüft wird die Orgel vom Orgelsachverständigen Dr. Joachim Walther aus Preetz.

"Mit der neuen elektronischen Setzer-Anlage haben die Organisten jetzt bis zu 4000 Möglichkeiten der Registrierung", sagt Quadhamer. Da das kein Organist allein für sich braucht, kann jetzt jeder Orgelspieler seine spezielle Registrierung elektronisch einstellen. Die Bramstedter Paschen-Orgel bespielen Maren Wassermann und Ulf Lauenroth, und beide können jetzt beispielsweise mit 2000 Register-Varianten ihre eigenen Vorlieben wählen und müssen sie nicht für jedes Konzert erneut justieren. "Das war früher bei großen Werken die Arbeit der Registranten", sagt Quadhamer.

"Ich habe der Orgel wieder ihre barocke Grundtönigkeit gegeben"

Die Organisten können auch einige Register für Gast-Organisten freilassen, sodass diese die Registrierungen der Haus-Organisten nicht mehr antasten müssen. Dafür erhielt der Orgeltisch auch einige neue Schalter und Tasten, und das Fußpedal-Werk wurde um einige Pedalknöpfe ergänzt.

"Das hat jetzt alles aber nichts mit einer elektronischen Orgel zu tun, sondern erleichtert die Technik des Spielens", beruhigt Quadhamer. Im Gegenteil: Er hat den ursprünglich barocken Klang der Orgel wiederhergestellt. Denn beim Einbau der Paschen-Orgel in das alte barocke Gehäuse folgte Orgelbauer Hinrich Otto Paschen 1974 der Musikmode der 70er-Jahre mit einer Vorliebe für spitze Töne. "Diese Schärfen will niemand mehr hören. Ich habe der Orgel ihre barocke Grundtönigkeit wiedergegeben", sagt Quadhamer.

Tropische Hölzer würde heute kein Orgelbauer mehr einsetzen

Die größte Arbeit leistete der Orgelbauer mit der Reinigung der Orgel, dem Putzen der 1832 Pfeifen, gegossen aus einem Zinn-Blei-Gemisch. "Es war höchste Zeit für die Reinigung", sagt Quadhamer. Durch das Aufsteigen warmer Luft aus dem Kirchenraum auf die Orgelempore entsteht Kondenswasser. Das wiederum verursacht Schimmel. "Einige Pfeifen waren bereits spakig", sagt Quadhamer.

Gegen Dreck, Staub und Schimmel ist dem Orgelbauer jedes Mittel recht. Die kleinen Pfeifen putzte er mit Flaschenbürsten aller Größen, dem Dreck der großen rückte er sogar mit Klosettbürsten zuleibe. "Der Klang wurde immer dumpfer, die Spielmechanik hatte klappernde Töne, die Pfeifenmündungen bogen sich durch die Feuchtigkeit bereits nach außen, und bald wären die Pfeifennähte gerissen - das Ende einer jeden Pfeife", sagt der Orgelbaumeister, einer von 2500 seines Fachs in ganz Deutschland. Jetzt seien die Pfeifen wieder besser zu spielen und wurden einander innerhalb eines Registers angepasst.

Auch das Holz unterzog er einer Reinigung. Die Paschen-Orgel besteht aus Kiefernholz, das in den 1970er-Jahren mit Mahagoni-Holz ergänzt wurde. "Tropische Hölzer würde heute kein Orgelbauer mehr einbauen, nur noch einheimische Hölzer", sagt Quadhamer. Auch die Windladen wurden gründlich überholt und technisch erneuert, um Geräusche zu verhindern.

Von der ursprünglich 1845 vom Altonaer Orgelbauer Gottfried Wohlien erbauten Orgel ist ohnehin nur noch das neobarocke Gehäuse mit seinen reichen Verzierungen übrig. 1974 baute der Kieler Orgelbaumeister Hinrich Otto Paschen ein neues Klangwerk mit 29 Registern in das Wohlien-Gehäuse ein - mit den damals modischen spitzen, harten Tönen, die Quadhamer jetzt wieder in satten Wohlklang verwandelte. "Trotzdem sind natürlich spitze und markante Töne spielbar", sagt Quadhamer. Der Orgelbaumeister ist ein leidenschaftlicher Hobby-Musiker und spielt neben Orgel und Klavier auch Saxofon. "Ich liebe Musik, und ich liebe das Handwerk, da passte der Beruf des Orgelbauers hervorragend", sagt Quadhamer, für den die Orgel in der Maria-Magdalenen-Kirche ein eher kleines Bauwerk ist. "Die große Orgel im Hamburger Michel hat zehnmal so viele Pfeifen", weiß der Orgelbauer. Und er weiß auch, dass es der kleinen Bramstedter Kirchengemeinde nicht leicht fällt, 42 000 Euro für die Sanierung der Orgel aufzubringen. "Deshalb wird einiges, was man beim Renovieren noch so entdeckt, einfach mit repariert oder ersetzt, beispielsweise die Lampe am Spieltisch", sagt Quadhamer.

1500 Euro brachte der Förderverein Kirchenmusik Bad Bramstedt auf, beispielsweise mit der Musik-Kirchennacht, der "Musikina" am 9. Juli.

"Aber wir sind natürlich für jede weitere Spende sehr dankbar", sagt Volker Malessa, Vorsitzender des Fördervereins.

Spenden gehen auf das Konto Förderverein für Kirchemusik bei der Sparkasse Südholstein, Kontonummer 1500 87 25, Bankleitzahl 230 510 30.