Norderstedt

Und auch die Panzerbrigade 18 Holstein holt die Flagge ein

Die Spinde sind geräumt, die Stuben gefegt und die Telefone abgeschaltet. Die Geschichte der einst mehr als 3000 Soldaten starken Truppe...

Boostedt. Die Spinde sind geräumt, die Stuben gefegt und die Telefone abgeschaltet. Die Geschichte der einst mehr als 3000 Soldaten starken Truppe "Panzerbrigade 18 Holstein" ist beendet. Der letzte Akt spielte sich vor dem Block ab, der der Brigade in der Rantzau-Kaserne in Boostedt noch blieb: Die Oberfeldwebel Nils Brodersen (27) und Daniel Börner (25) holten zum letzten Mal die Brigadeflagge vom Mast. Ein feierlicher Akt im kleinen Kreis, denn von der großen Panzertruppe sind nur 13 Soldaten übrig geblieben, die in diesen Tagen organisatorisch die Panzertruppe abwickeln.

Mit einem lockeren "Horrido!" verabschiedete sich Brigadegeneral Peter Goebel nach der Flaggenzeremonie von seinen Männern. Für ihn heißt es mehrfach Abschied nehmen: Nicht nur seine Brigade, sondern auch seine Panzergrenadierdivision wird aufgelöst. Goebel kann sich beruhigt auf den Ruhestand vorbereiten. Noch vor Weihnachten wird er im Bundesverteidigungsministerium verabschiedet.

Die Panzerbrigade mit dem Hauptquartier in Boostedt gehörte zu den ersten Einheiten nach der Gründung der Bundeswehr und sollte im Kalten Krieg mit rund 250 Kampfpanzern und Hunderten anderer Fahrzeuge Schleswig-Holstein bei einem Angriff der Truppen des Warschauer Paktes verteidigen. Tausende junge Männer aus ganz Deutschland absolvierten bei der Brigade ihren Wehrdienst. 2004 wurde die Auflösung beschlossen, doch es folgten noch mehrere Einsätze der Brigade auf dem Balkan und in Afghanistan.

"So eine Auflösung hat es in der Bundeswehr noch nie gegeben", sagte Goebel. Mehr als 3000 Soldaten mussten auf andere Einheiten verteilt werden. Zum Brigadeinventar, das eingemottet oder woanders genutzt wird, gehören 400 000 Einzelteile - vom Schraubenzieher bis zum Leopard 2.

"Es ist ein merkwürdiges Gefühl", sagte Brodersen, nachdem er die Fahne eingeholt und sorgfältig gefaltet hatte. Er hat noch ein Jahr bei der Bundeswehr vor sich, das er in Kiel absolvieren wird. Sein Kamerad Börner geht zum Aufklärungsbataillon nach Eutin, das von der Brigade den Namenszusatz "Holstein" übernehmen wird. "Ich bleibe Holsteiner", sagt Börner stolz.

Trotz der Auflösung des Hauptquartiers der Panzerbrigade werden am Bundeswehrstandort Boostedt künftig mehr Soldaten als vorher beschäftigt sein. 2200 werden es ab kommendem Jahr sein. Größte Einheiten sind ein Instandsetzungsbataillon und ein Logistikbataillon, das nahezu vollständig von Seth nach Boostedt umgezogen ist. Im nächsten Jahr kommen außerdem Feldjäger (Militärpolizei) hinzu. "Boostedt bleibt ein großer Standort", sagte General Goebel zum Abschied.

Über die Geschichte der Boostedter Brigade informiert das Boostedter Heimatmuseum im Hof Lübbe ausführlich. Die Ausstellung ist nach telefonischer Anmeldung unter Tel. 04393/27 78 oder 2384 (E-Mail: service@hof-luebbe.de ) für Besucher zu besichtigen. Eine weitere Ausstellung zum Thema ist im Militärhistorischen Museum in Dresden geplant, das aber erst im Jahr 2010 eröffnet wird.