Buchholz

Die nächste Mission des Dietmar Koop

Dietmar Koop gründete vor zehn Jahren den Verein "traudich", ein Treffpunkt für trauernde Kinder in Buchholz.

Dietmar Koop gründete vor zehn Jahren den Verein "traudich", ein Treffpunkt für trauernde Kinder in Buchholz.

Foto: Hanna Kastendieck / HA

Vor zehn Jahren gründete der Buchholzer den Verein „traudich - Treffpunkt für trauernde Kinder“. Jetzt geht er nach Kathmandu zu den Bedürftigen

Buchholz.  Überall im Haus stehen und hängen die Erinnerungen. Aus Mexiko und Indochina, aus Namibia, Bolivien, Peru und Indien. Gerahmte Fotos, Masken, Buddhas und handgemachte Schalen. Im Regal ein versteinertes Ei eines Dinosauriers, 140 Millionen Jahre alt. Daneben ein Häuptlingsstab aus Bolivien und ein Gurkha-Dolch aus Nepal. Es sind Erinnerungen von seinen Reisen, die Dietmar Koop in 74 Lebensjahren gesammelt hat. Bilder von Begegnungen in fernen Ländern, die sein Leben bereichert haben.

Eine dieser Begegnungen hat ihn bis heute nicht losgelassen. Das war in Nepal, beim Besuch der Shanti Leprahilfe. Dort traf er Menschen, die ihm trotz ihrer Armut voller Freundlichkeit und Offenheit empfingen, die nicht bettelten, sondern dankten. „Ich habe mir immer vorgenommen, zu diesen Menschen und an diesen Ort zurückzukehren und zu helfen“, sagt er. „Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, dass ich mir diesen Wunsch erfülle.“

Zehn Jahre leitete Dietmar Koop den Verein „traudich - Treffpunkt für trauernde Kinder“

Also hat sich der ehemalige Handelslehrer aus Buchholz an den Verein Shanti Leprahilfe Dortmund e.V. gewandt und gefragt, ob er nach Nepal kommen darf und unterstützen. „Die Menschen freuen sich, dass ich komme“, sagt er. Doch damit das überhaupt möglich ist, musste Dietmar Koop erstmal Abschied von einer Aufgabe nehmen, die ebenso zu seinen Herzensangelegenheiten zählt wie das neue Projekt. Vor zehn Jahren gründete Koop den Verein „traudich“, der sich um Kinder und Jugendliche kümmert, die einen geliebten Menschen verloren haben.

Alle 14 Tage treffen sich die Teilnehmer, um gemeinsam ein Stück ihrer Trauer zu verarbeiten. „Die Trauergruppen geben Raum für eigene Trauer, aber auch Fröhlichkeit“, sagt Dietmar Koop. „Hier gibt es Begegnungen mit anderen jungen Menschen in gleicher Situation.“ Gemeinsam werden Rituale entwickelt, die ein Erinnern an die Verstorbenen ermöglichen. Es wird gebastelt und gemalt, musiziert, getöpfert und in den Sandsack geschlagen.

Die Kinder schreiben und hören zu, sie reden und manchmal schweigen sie. „Kinder sind in ihren Gefühlen viel spontaner als Erwachsene“, sagt Dietmar Koop. „Auf dunkle Wolken folgt schnell der Sonnenschein - bis zum nächsten Gewitter.“ Ihre Gefühlsäußerungen seien vielfältig: Angst, Verzweiflung oder unverständliche Heiterkeitsausbrüche, aber auch Wut und Aggressionen. „Kinder trauern auf ihre eigene Weise.“

Der gemeinsame Sohn verlor seine Mutter mit sieben Jahren

Koop weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig professionelle Hilfe für ein Kind in Trauer ist. Die Mutter seines Sohnes wurde überfahren. Da war das Kind sieben Jahre alt. „Damals hatten wir glücklicherweise Kontakt zu einem Psychologen, der die Trauer bei meinem Sohn auffangen konnte“, sagt Dietmar Koop. „Ich wusste zu diesem Zeitpunkt noch nichts über Einrichtungen zur Trauerbewältigung für Kinder.“

Doch das eigene Erleben eines trauernden Kindes ließ ihn auf die Suche gehen. Er recherchierte in den USA, in Kiel und Bremen. Dort stieß er auf das Zentrum „Trauerland“. „So etwas brauchen wir in Buchholz auch“, dachte er. So entstand die Idee, nach der Pensionierung selbst ein Trauerzentrum aufzubauen.

2009 begann der Verein „traudich - Treffpunkt für trauernde Kinder Buchholz e.V.“ seine Arbeit in den Räumen des Mehrgenerationenhauses „Kaleidoskop“. Seitdem haben mehr als 120 Kinder an den regelmäßigen Gruppentreffen teilgenommen. Gemeinsam mit den geschulten, ehrenamtlichen Helfern haben sie an ihren Erinnerungen gearbeitet und ihren Weg durch die Trauer gefunden.

Für Dietmar Koop und seine 14 Mitarbeiter ist die Trauerarbeit mit den Kinder eine erfüllende Aufgabe. „Erfüllend, weil sie uns gut tut“, sagt Dietmar Koop. „Ich tue etwas Wichtiges für Kinder und ich tue mir gleichzeitig etwas Gutes, indem ich mich mit dem Tod auseinandersetze. Ich habe mit jungen Leuten zu tun und eine Möglichkeit, ihnen zu helfen. Das bringt mir Ausgeglichenheit und Zufriedenheit.“

Das Shanti-Zentrum in Kathmandu bietet Hilfe für Bedürftige

Koop hätte weitermachen können wie bisher. Doch er hat sich entschieden, zehn Jahre nach Vereinsgründung seinen Posten als Vorsitzender an Wilfried Bolte abzugeben. Dieser engagiert sich in Buchholz auch als Vorsitzender des Bündnis für Flüchtlinge und wird die Vereinsarbeit im Sinne des Gründers weiterführen. Koop steckt unterdessen mitten in den Vorbereitungen für seine Reise nach Nepal.

Das Shanti Sewa Griha Hilfswerk in Kathmandu kennt er bereits aus früheren Reisen. Damals waren die Bedürftigen in einfachen Unterkünften im Stadtteil Tilganga untergebracht. 2009 wurde das neue Shanti-Zentrum eröffnet, nachdem Komiker und Autor Hape Kerkeling für Shanti beim Promi-Special von „Wer wird Millionär?“ 500.000 Euro gewonnen und an den Verein gespendet hatte. Die Klinik die Shanti in Tilganga unterhält, trägt seither seinen Namen. Zum Komplex gehören auch eine Ambulanz, eine Apotheke, ein Hospiz und Kindergarten sowie Wohnräume für die bedürftigen Menschen.

Es gibt einen Gemüsegarten und einen Brunnen im Innenhof der Anlage, der sauberes Trinkwasser - auch für die Nachbarn aus den Slums - liefert. „Shanti bietet sowohl jungen wie älteren Menschen die Möglichkeit, mit anzupacken - jeder nach seinen Möglichkeiten“, sagt Dietmar Koop. Für ihn sei die Reise nach Nepal noch einmal eine Herausforderung, die er brauche. „Ich muss gehen solange ich das gesundheitlich noch bewältigen kann“, sagt er. „Und das ist genau jetzt.“

Leprahilfe

Der Verein Shanti Leprahilfe Dortmund hilft Erkrankten und Bedürftigen in Nepal. Er gibt Heimat und ganzheitliche Pflege für Menschen mit schweren Behinderungen, kostenlose medizinische Versorgung für die arme Bevölkerung, freie Schulausbildung für mittellose Kinder, Arbeitsplätze für Erwachsene, macht Hospizarbeit, Gemüseanbau und betreibt eine Armenküche.

In Tilganga betreibt der Verein ein eigenes Zentrum mit Armenambulanz, Pflegestation, Wohnraum, Trinkwasserbrunnen, Armenküche, Kita und Schule.

In Budhanilkantha gibt es einen Gesundheitsposten, eine Manufaktur von Bio-Briketts und ein Baumpflanz-Projekt, in Sundarijal und Godavari einen Bio-Gemüseanbau.

Gegründet wurde der Verein am 15. Juli 1992 von Marianne und Herbergt Grosspietsch. Mit sieben nepalesischen Mitarbeitern und 34 Erwachsenen, die an Lepra erkrankt waren, begann das Projekt.

Inzwischen sind es rund 1000 Menschen, denen Shanti eine Heimat geworden ist. Längst sind es nicht mehr nur Leprakranke, sondern Kinder und Erwachsene mit Behinderungen aller Art, denen hier geholfen wird. Weitere Infos: www.shanti-leprahilfe.de (hk)

traudich

Der Verein „traudich - Treffpunkt für trauernde Kinder“ veranstaltet alle 14 Tage am Mittwochnachmittag ein Treffen für Betroffene im Kaleidoskop / Mehrgenerationenhaus in der Steinstraße 2 in Buchholz. Dauer: eineinhalb Stunden.

Vor Aufnahme in die Gruppe findet ein individuelles Informations- und Beratungsgespräch statt.

Begleitpersonen haben die Möglichkeit, sich während der Gruppensitzung in einem separaten Raum mit Unterstützung von Trauerbegleitern mit anderen betroffenen Erwachsenen auszutauschen und über ihre Erfahrungen mit der familiären Trauerarbeit zu berichten.

Das Team besteht aus ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die Erfahrung aus eigener Trauerarbeit und Kindererziehung mitbringen.

Die Treffen sind kein Therapieersatz - sie sind eine Begleitung auf dem Trauerweg. Der Verein finanziert sich durch Spenden. Weitere Infos gibt es unter www.traudich-buchholz.de