Am Morgen zündeten Schüler vor der Schule Kerzen an, legten Blumen nieder. Das Motiv für die Bluttat ist offenbar nicht erwiderte Liebe.

Bremen. Nach den tödlichen Messerstichen auf eine Lehrerin in Bremen haben die Schüler und die Kollegen an dem Gymnasium mit Schock und Trauer reagiert. Am Montag zündeten sie vor der Schule in Osterholz-Scharmbeck Kerzen an und legten Blumen nieder. „Die Stimmung ist angespannt und sehr gedrückt“, sagte Schulleiter Gerd Schmidt. Am Morgen hatten Schüler und Lehrer mit einer Schweigeminute der 35-Jährigen gedacht, die ein 21-Jähriger Ex-Schüler am Freitag mit mehr als 20 Messerstichen getötet hatte. Mehr als 1000 Schüler und Kollegen sind am Vormittag dann zu einer Trauerfeier zusammengekommen. Die Menschen waren fassungslos und blickten teils mit Tränen in den Augen bedrückt zu Boden. „Sie war außerordentlich positiv, freundlich, den Schülern zugewandt, gewissenhaft – eine Art Bilderbuch-Kollegin“, beschrieb Schmidt zuvor die 35-Jährige. An der Trauerfeier nahm auch Niedersachsens Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU) teil.

Am Tag nach der schrecklichen Tat scheint das Motiv klar: Aus verschmähter Liebe hat der junge Mann in Bremen seine Lehrerin erstochen. Mehr als 20-mal stach der Täter auf die 35-Jährige ein (wir berichteten). "Augenblicklich gehe ich von Mord aus", sagte Staatsanwalt Uwe Picard am Sonnabend in der Hansestadt. Der 21-Jährige habe sein Opfer bereits seit April beobachtet, weil er für sie "massiv schwärmte" und eine Liebesbeziehung wollte.

Bis März dieses Jahres ging der Täter selbst auf das Gymnasium im niedersächsischen Osterholz-Scharmbeck und wurde von dem Opfer in Chemie unterrichtet. Weil die Frau seine Gefühle nicht erwiderte, beging der junge Mann am Freitag das Verbrechen: Er tötete seine Angebetete vor ihrer Haustür. Am Sonnabend wurde Haftbefehl wegen Mordes gegen den Mann erlassen.

Rückblende: 2006 kommt die Lehrerin zum Referendariat an die Schule. "Da hat er sich in sie verguckt", berichtet Picard. "Das war mehr als nur eine normale Schwärmerei. Es war aber eine einseitige Beziehung." Die Lehrerin habe sich immer korrekt verhalten. 2008 wendet sich die Frau an die Polizei, weil sie befürchtet, ihr Schüler wolle sich das Leben nehmen. Der Einzelgänger sei zudem aggressiv und aufmüpfig, sein Interesse im Chemieunterricht für Explosives sehr auffällig, meldet die Lehrerin. Bei einer Durchsuchung findet die Polizei bei dem Schüler, der noch bei seiner Mutter in Osterholz-Scharmbeck wohnt, Silvesterknaller und Schwarzpulver. Der junge Mann bekommt psychologische Hilfe. Im Frühjahr muss er das Gymnasium ohne Abitur verlassen und geht einige Monate später zur Bundeswehr.

Seine Fixierung auf die Biologie- und Chemielehrerin aber endet damit nicht: Er spioniert sie aus, studiert ihre Gewohnheiten. Die Frau selbst merkt davon nichts, eine Anzeige wegen Stalkings liegt der Polizei nicht vor. Am Freitagmorgen befestigt ihr Verfolger schließlich vor der Schule einen Peilsender für Geodaten am Auto der Lehrerin. So will der Verliebte abschätzen, wann er die Frau vor ihrem Haus in dem Wohngebiet Tannenhof in Bremen-Nord abpassen kann.

Mit dem Fahrrad macht er sich am Nachmittag auf den Weg. Im Verhör schildert er den Beamten später seinen Plan: Er will die Frau in ihre Wohnung zwingen, um ihr "mehrere Tausend Fragen" zu verschiedenen Themen zu stellen, die er vorher akribisch ausgearbeitet hat. Er habe mit ihr unter anderem über "Sexualität und Nähe" sprechen wollen, berichtet Picard. Die 35-Jährige aber setzt sich zur Wehr, schreit um Hilfe. Daraufhin sticht der junge Mann wieder und wieder auf sie ein. Ein Postbote versucht vergeblich ihr zu helfen. Die Lehrerin hat keine Chance: Bei der Attacke wird sie so schwer am Hals verletzt, dass sie noch am Tatort stirbt.

Bei der grausigen Tat schneidet sich der 21-Jährige nach Angaben der Ermittler versehentlich selbst. Mit seinem Handy ruft er die Polizei, sagt nach Angaben der Mordkommission: "Ich habe einen Menschen umgebracht." Dann fügt er hinzu: "Ich stehe hier und habe meine Waffen niedergelegt. Bitte kommen Sie her und holen mich ab." Widerstandslos lässt er sich festnehmen.