West-Mecklenburg: Zwei 17-Jährige erstachen Ehepaar - Wegen eines Autos?

Die beiden Opfer hatten keine Chance

16-jähriger Sohn überlebte vermutlich nur, weil er sich verbarrikadierte und die Polizei holte. Die konnte die flüchtigen Täter nach kurzer Zeit festnehmen.

Tessin. Ländliche Idylle prägt das Bild des Dorfes Tessin bei Boizenburg im Westmecklenburgischen. Hübsche Einfamilienhäuser und grüne Wiesen säumen die Straßen des friedlich wirkenden 412-Seelen-Orts, der zum Kreis Ludwigslust gehört. Doch mit der Beschaulichkeit Tessins ist es vorbei: Ein grausamer Doppelmord wirft einen Schatten über das Dorf.

Am Sonnabend treffen sich die zwei 17-jährigen Jungen Felix D. und Torben B. gegen Abend an der Bushaltestelle an der Dorfstraße. Es ist der Platz, an dem die beiden von Bewohnern zuletzt gegen 21 Uhr gesehen werden, bevor sie sich auf den Weg zu Peter und Antje E. machen und diese mit Messern töten.

Felix D. und Torben B. sind nicht allein an der Bushaltestelle. Jana D., die Schwester von Felix, und ihre Freundin Eyleen W. (beide 15) aus Boizenburg sind laut Aussagen einer Bekannten mit von der Partie in dem Holzwartehäuschen. Es ist ein beliebter Treffpunkt der Jugendlichen, an dem sie am Wochenende zusammen Alkohol trinken. Leere, am Boden liegende Alcopop-Flaschen (alkoholische Mixgetränke) lassen vermuten, dass die jungen Leute auch am Sonnabend Alkohol konsumiert haben.

Gegen 21.30 Uhr gehen die Jungen zusammen mit Eyleen W. zum Haus der Opfer, das etwa zehn Minuten zu Fuß entfernt liegt. Laut Oberstaatsanwalt Hans-Christian Pick, Sprecher der Schweriner Staatsanwaltschaft, wollten Felix D. und Torben B. das Ehepaar dazu auffordern, ihnen ein Auto herauszugeben. "Die beiden sollen auch angekündigt haben, ,jemanden zu töten' - was offenbar nicht ernst genommen wurde", sagt Pick. Bevor die Jungen das Haus erreichen, fesseln und knebeln sie Eyleen W. Zeugen gibt es dafür bisher nicht. Sicher ist aber nach Angaben von Pick, dass die spätere Geisel nichts mit den Morden zu tun hat.

Der brutale Überfall geschieht innerhalb von Minuten: Felix D. und Torben B. klingeln an der Tür des Ehepaares. Der 46-jährige Peter E., ein Fensterbauer, öffnet die Tür. Er hat keine Chance zu reagieren. Die zwei Gymnasiasten stechen ihn sofort nieder. "Kurz darauf töteten die Jungs - und zwar wiederum beide - auch die 41-jährige Ehefrau", sagt Pick. In dem Einfamilienhaus hält sich auch Florian E., der 16-jährige Sohn der Ermordeten, auf. Er verbarrikadiert sich in seinem Zimmer und alarmiert die Polizei. Als diese eintrifft, eilen die Täter zum weißen Polo des Ehepaares - mit Eyleen als Geisel. Doch sie kommen nicht weit: Sie durchbrechen das Gartentor, rasen keine 100 Meter weiter durch einen Koppelzaun und kommen kurz darauf zum Stehen. "Danach verhandelten sie rund eine Stunde mit der Polizei, bevor sie sich festnehmen ließen", so Pick.

Die Bewohner Tessins können nicht fassen, dass sich diese grausame Tat in ihrem beschaulichen Dorf abgespielt hat. "Ich hätte das keinem der beiden zugetraut", sagt ein ehemaliger Klassenkamerad (17). Die Täter besuchen die elfte Klasse am Gymnasium Boizenburg. Felix D. wohnt nur einige 100 Meter entfernt vom Tatort. Torben B. wohnt im Nachbarort Neu Gülze. Sie seien beide gute Schüler, weder gewalttätig noch in anderer Weise auffällig. "Felix war immer höflich und überall im Dorf gerne gesehen", versichert der Freund, der den Täter noch am Sonnabend besucht hatte. "Felix war wie immer." Was das Motiv der Tat sein könnte, ist ihm ein Rätsel. Dass das größte Hobby der beiden Täter, "Computerspiele zocken", etwas mit den Morden zu tun haben könnte, glaubt er nicht. Eine andere Bekannte will wissen, dass sich Florian E., der eine Förderschule besucht, mit seinen Eltern nicht gut verstanden hätte: "Florian hat seine Eltern gehasst. Er wurde von ihnen verprügelt."

Aber was hat Felix D. und Torben B. dazu veranlasst, Florians Eltern umzubringen? Die Polizei gibt bisher keine näheren Angaben zum Tatmotiv bekannt. Am Sonntagnachmittag beantragte die Staatsanwaltschaft Haftbefehl beim Amtsgericht Hagenow.