Niedersachsen

Bundeswehr mit Moorbrand im Emsland überfordert

Ein Löschfahrzeug der Feuerwehr steht an einer Schranke: Auf einem Testgelände der Bundeswehr stehen seit dem 4. September  fünf Hektar Moorland in Brand

Ein Löschfahrzeug der Feuerwehr steht an einer Schranke: Auf einem Testgelände der Bundeswehr stehen seit dem 4. September fünf Hektar Moorland in Brand

Foto: Stephan Konjer / dpa

Der bei Schießübungen ausgelöster Moorbrand ist von Satelliten aus zu sehen. Der Rauch zieht bis nach Hamburg.

Meppen.  Der Brand sei „unter Kontrolle“, beteuerte ein Bundeswehrsprecher noch vor gut einer Woche gegenüber dem Abendblatt – wohl ein Fall von sprachlichem Kontrollverlust. Denn mittlerweile hat sich der Moorbrand auf dem Schießplatz bei Meppen ausgeweitet. Immer mehr Feuerwehrleute müssen der überforderten Bundeswehr helfen. Und in Hamburg wissen immer mehr Bürger, wie brennendes Moor riecht. Am Mittwoch gab es wieder zahlreiche Anrufe bei der Hamburger Feuerwehr wegen des beißenden Gestanks, der über die Stadt hinwegzog. Auch im Süden Schleswig-Holsteins roch es seltsam – wie nach angesengten Kabeln. Der Südwestwind hatte den Qualm von der niederländischen Grenze bis in den Norden getrieben. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes wird der Wind am Freitag noch auffrischen. Das heißt: Noch mehr Norddeutsche dürften Brandgeruch wahrnehmen.

Am 4. September hatte die Bundeswehr das getan, was die Wehrtechnische Dienststelle 91 (WTD) seit Jahrzehnten auf dem Schießplatz tut. Munition verschießen und die Wirkung prüfen. Der Volltreffer setzte das Moor in Brand, das war schnell klar. Und als die Löschraupe der Bundeswehr mit einem technischen Defekt liegen blieb, war auch klar: Die unterirdische Ausbreitung des Schwelbrands lässt sich einstweilen nicht verhindern. Und so kokelte und dampfte es eine Woche vor sich hin, bis die Bundeswehr endlich die Feuerwehr rief.

Der Moorbrand ist zu einem Politikum geworden

In Niedersachsen ist der Moorbrand mittlerweile zu einem Politikum geworden. Vertreter aller Landtagsfraktionen nehmen die Bundeswehr gewissermaßen unter Feuer. Selbst die CDU, traditionell den Streitkräften eng verbunden, wirft der Wehrtechnischen Dienststelle Versäumnisse vor. „Ich erwarte von der Bundeswehr, dass sie erklärt, warum überhaupt bei der extremen Trockenheit mit Raketen geübt wurde und ob alle Sicherheitsvorschriften eingehalten wurden“, fordert der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Dirk Toepffer.

Mittlerweile hat auch die Staatsanwaltschaft Osnabrück die Ermittlungen aufgenommen. „Da kommen Branddelikte in Betracht, insbesondere die Brandstiftung und möglicherweise auch Umweltdelikte, wenn Naturschutzgebiete betroffen sind“, sagte Behördensprecher Alexander Retemeyer.

Brand hat Fläche von 1000 Fußballfeldern erfasst

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sagte: „Ich wäre gar nicht auf die Idee gekommen, nach diesem trockenen Sommer ausgerechnet im Moor Schießübungen zu veranstalten.“ Der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD) kritisierte die Kommunikation der Bundeswehr. Die Landesbehörden seien bislang nicht offiziell über den Ausbruch des Moorbrandes informiert worden. Nur inoffiziell habe das Kompetenz­zentrum Großschadenslagen des Innenministeriums am 13. September durch die Anforderung von Feuerwehrmaterial davon erfahren, sagte Pistorius am Donnerstag im Innenausschuss des Landtages. „Die Informationspolitik der Bundeswehr ist nicht nachvollziehbar.“

Zu diesem Urteil hat möglicherweise der stellvertretende WTD-Leiter Thomas Malyuß einiges beigetragen. In einem Interview mit dem NDR sagte er: „Der Sommer hätte nur zwei oder drei Tage länger bei entsprechenden Temperaturen bleiben müssen, dann hätten wir auch ohne Munitionseinwirkung den schönsten Moorbrand haben können.“ Eine Formulierung, mit der der WTD-Mann sicherlich schönstes Öl ins Feuer goss. Als Quelle für seine Behauptung nannte er übrigens das Internet-Lexikon „Wikipedia“.

Regen wäre sicherlich hilfreich

Der größtenteils unterirdische Brand hat inzwischen eine Fläche erfasst, die etwas größer als 1000 Fußballfelder ist. Weil auf dem Schießplatz Munitionsreste vermutet werden, kann er an einigen Stellen nicht von den Feuerwehrleuten betreten werden. Das erschwert die Löscharbeiten. Am Donnerstag war weiterhin nicht klar, wie lange es noch schwelt im Meppener Moor. Hilfreich wäre zweifellos ein über mehrere Stunden andauernder Regen, aber auch der ist derzeit nicht in Sicht.