Raketentests

Brandgeruch bis Hamburg: Was ist in Meppen schiefgelaufen?

1000 Männer und Frauen kämpfen weiter gegen Moorbrand auf Waffentestgelände. Grüne stellen Strafanzeige gegen die Bundeswehr.

Meppen. Der seltsame, leicht verbrannte Geruch war bis nach Hamburg wahrzunehmen: Laut Wetterdienst und Feuerwehr hat der Wind die Rauchschwaden des verheerenden Moorbrandes aus dem 200 Kilometer entfernten Meppen bis in die Hansestadt getragen.

Auch zwei Wochen nach dem Ausbruch rechnen die Behörden noch mit einem wochenlangen Kampf gegen das Feuer. Zwar sei es am Mittwoch zunächst gelungen, die Lage zu stabilisieren, der Brand schwelt aber weiter, wie die Bundeswehr mitteilte. Am Donnerstagvormittag mühten sich erneut mehr als 1000 Frauen und Männer vor Ort, um dem Brand Herr zu werden. Feuerwehrleute der Bundeswehr, zivile Feuerwehren, das Technische Hilfswerk, Spezialpioniere und Heeresaufklärer arbeiteten gemeinsam gegen die Flammen.

Munitionsreste erschweren Löscheinsatz

Der Brand, der durch Raketentests Anfang September ausgelöst wurde, hat sich inzwischen auf einer Fläche so groß wie mehr als 1000 Fußballfelder ausgedehnt. Die Feuerwehr verhinderte ein Übergreifen auf einen angrenzenden Wald. Erschwert wird der Löscheinsatz der rund 850 Einsatzkräfte durch vermutete Munitionsreste in dem seit 1876 als Übungsgelände genutzten Moor. Aus Sicherheitsgründen können die Feuerwehrkräfte das Moorgelände nicht überall betreten.

Ein Ende des Einsatzes ist aus Bundeswehrsicht noch nicht absehbar. Nach Einschätzung des Brand- und Katastrophenschutzexperten des Innenministeriums, Klaus Wickboldt, dauert es noch ein bis zwei Wochen, bis alle Glutnester erstickt sind. Auch weil ein Löschfahrzeug der Bundeswehr, das den sumpfigen Boden des Testgeländes befahren kann, beim Ausbruch des Brandes defekt war, konnte sich der Schwelbrand ausbreiten, bis ein Löschhubschrauber einsatzbereit war.

Messungen ergaben nach Bundeswehrangaben, dass von der in weiten Teilen des Nordwestens wahrnehmbaren Rauchsäule keine Gesundheitsgefahr ausgeht. Obwohl der Rauch für die Bevölkerung eine Belastung darstelle, würden Grenzwerte nicht überschritten, hieß es.

Selbst aus dem All war der Moorbrand zu sehen, teilte der Deutsche Wetterdienst auf Twitter mit. Auf einem Satellitenbild vom Dienstagnachmittag war die Richtung Nordosten ziehende Rauchsäule gut zu erkennen. Die Bundeswehr bedauerte die Einschränkungen für die Bevölkerung und kündigte eine umfassende Überprüfung des selbstverursachten Moorbrandes an.

Strafanzeige gegen die Bundeswehr

Die Landespolitik reagierte zunehmend irritiert auf den Brand. Der Grünen-Abgeordnete Christian Meyer stellte nach eigenen Angaben Strafanzeige gegen die Verantwortlichen bei der Bundeswehr wegen fahrlässiger Brandstiftung. Jeder andere, der im Moor bei einer solchen Gefahrenlage aufgrund extremer Trockenheit im Moor zündele oder auch nur eine Zigarettenkippe wegwerfe, müsse sich strafrechtlich verantworten, erklärte Meyer. „Vom Bundesverteidigungsministerium erwarten wir angesichts der verheerenden Lage Konsequenzen für solche Waffentests.“

Schießübungen ausgerechnet im trockenen Sommer?

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) kritisierte die Bundeswehr ebenfalls. "Wenn ich ehrlich sein soll: Ich wäre gar nicht auf die Idee gekommen, nach diesem trockenen Sommer ausgerechnet im Moor Schießübungen zu veranstalten", sagte er. "Das muss vielleicht einmal gründlich nachbereitet werden, wenn die aktuelle Situation geklärt ist." Das Verteidigungsministerium müsse in den eigenen Reihen Ursachenforschung betreiben

Auch Umweltminister Olaf Lies (SPD) äußerte sich empört: „Es ist unglaublich was wir da gerade erleben und ein großer Schaden für die Umwelt.“ Es stelle sich sehr nachdrücklich die Frage nach der Verantwortung. Vom Verteidigungsministerium wolle er wissen, warum nicht angesichts der langanhaltenden Trockenheit auf die Übung verzichtet wurde. „Wenn jetzt auch noch klar ist, dass das Löschfahrzeug nicht einsatzfähig war, dann ist es mehr als fahrlässig.“ Am Donnerstag will der für den Brandschutz zuständige Innenminister Boris Pistorius (SPD) den Einsatzort bei Meppen besuchen.