Osnabrück

Hohe Sicherheitsstufe bei Prozess um Tod junger Türkin

Prozessauftakt gegen zwei Männer aus Dörpen. Eine 22-Jährige soll im Mai erwürgt worden sein. Angeklagte verweigern die Aussage.

Osnabrück. Unter großen Sicherheitsvorkehrungen hat am Mittwoch am Osnabrücker Landgericht der Prozess um einen sogenannten Ehrenmord an einer jungen kurdischen Frau türkischer Nationalität begonnen. Der Ehemann und der Vater der getöteten Frau aus Dörpen (Landkreis Emsland) haben zum Prozessauftakt die Aussagen verweigert. Die 29 und 70 Jahre alten Männer ließen am Mittwoch über ihre Anwälte mitteilen, dass sie keinerlei Angaben machen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, die 22 Jahre alte Frau im Mai aus verletzter Ehre erwürgt zu haben. Das Opfer soll eine Beziehung zu einem anderen Mann gehabt haben. Der 70 Jahre alter Schwiegervater des Angeklagten, der gleichzeitig sein Onkel ist, habe sich zur „Abwicklung und Kontrolle der Tat“ ebenfalls am Tatort befunden, sagte die Staatsanwältin.

Laut Anklagebehörde ist die verletzte Familienehre das Motiv für die Tat. Das Opfer stamme aus einer tief konservativen sunnitischen Familie und habe nicht akzeptieren können, dass die junge Frau eine Beziehung zu einem verheirateten Mann alevitischer Glaubensrichtung eingegangen sei. „Die Frau hat sich wiederholt widersetzt, sich wieder in die Familie einzugliedern“, sagte die Staatsanwältin.

Anwälte der beiden Angeklagten beschwerten sich zu Beginn über die hohen Sicherheitsvorkehrungen im Landgericht. „Die Verhandlung geht über die Tötung in einer Intimpartnerschaft, nicht über einen Bandenkrieg“, sagte Anwalt Thorsten Dieckmeyer. Er kritisierte, dass sein Mandant – der 29-Jährige – mit einem Bauchgürtel gefesselt worden sei. Die Staatsanwältin erwiderte, in abgehörten Gesprächen zwischen den Familienmitgliedern im Vorfeld des Prozesses seien Drohungen gegen Polizei und Justizmitarbeiter gefallen.

Das Urteil vor dem Landgericht Osnabrück soll voraussichtlich Ende Januar verkündet werden.