Regenerative Energie

Elektroautos können bald Strom aus Wind und Sonne tanken

Elektroautos werden an Reichweite, Ladezeiten und Infrastruktur gemessen. In Wolfsburg geht eine neue Lade-Station in den Testbetrieb.

Goslar/Wolfsburg. Wenn im Dezember in Wolfsburg unweit der VW-Konzernzentrale eine Schnellladestation für Elektroautos den Testbetrieb aufnimmt, gibt es den Strom ausschließlich aus regenerativen Energien vor Ort. Zur Station gehören ein Windrad, eine Photovoltaikanlage und ein containergroßer Batterie-Zwischenspeicher, damit Strom wetterunabhängig angeboten werden kann. Betrieben wird die Anlage von der zur Hälfte dem VW-Konzern gehörenden Wolfsburg AG.

„Es ist die erste Strom-Tankstelle, die ausschließlich mit baren Energien arbeitet“, sagt deren Vorstandsmitglied Thomas Krause.

Entwickelt wurde die Anlage mit EU-Fördergeldern vom Energieforschungszentrum Niedersachsen in Goslar. Dessen Vorsitzender Professor Hans-Peter Beck meint: „Wenn wir die Energiewende wirklich wollen, dann machen Elektroautos nur Sinn, wenn der Strom dafür zu 100 Prozent aus regenerativen Energie kommt“. Die künftige Akzeptanz von Elektroautos hänge von der Reichweite und Sicherheit der Batterien, von den Ladezeiten und vom Aufbau einer flächendeckenden Lade-Infrastruktur ab.

Beck hält längerfristig Reichweiten von 600 Kilometern – derzeit sind es 150 Kilometer – zu erschwinglichen Preisen für realisierbar. Die Batteriekosten ließen sich noch reduzieren, die Ladezeiten auch. Schon heute seien Ladezeiten von 15 Minuten möglich, berichtet Beck. „Es geht auch noch schneller, doch dann wird die Technik sehr aufwendig und teuer“.

Derzeit gibt es verschiedene Ladesysteme. Die Aufladung an der Steckdose zu Hause mit Wechselstrom dauert viele Stunden. An speziellen Ladestationen kann Drehstrom in einer Stunde „getankt“ werden. Je schneller es gehe, desto größer sei allerdings das Ladegerät im Auto, erläutert Beck.

Eine sogenannte DC-Ladung, die noch leistungsstärker ist, kann Gleichstrom allerdings schon in bis zu 15 Minuten aus einer richtigen Zapfsäule liefern. In die ist ein Teil der Ladetechnik verlagert, das Auto wird so leichter und kann länger fahren. Das Goslarer Forschungszentrum wird im nächsten Jahr eine DC-Zapfsäule für die Wolfsburger Station mit einer Ladezeit von 30 Minuten etwa für künftige E-Mittelklassewagen entwickeln.

Für den normalen Elektrofahrer sind die verschiedenen Ladesysteme verwirrend. Deshalb haben sich nach VW-Angaben acht große Hersteller aus Europa und den USA auf ein einheitliches System geeinigt. Es soll nach Angaben des Europäischen Autohersteller-Verbandes (ACEA), ab 2017 Standard für alle neuen Elektrofahrzeuge in Europa werden. Dann könnten Elektrofahrzeuge an nahezu allen Ladestationen unabhängig von der Stromquelle und dem Ladetempo geladen werden.

„Ladestationen mit Strom aus regenerativen Energien sind standortunabhängig und können überall stehen“, nennt Krause einen Vorteil. Und sie böten neue Marktchancen unabhängig von Stromversorgern und ihren Netzen, ergänzt Beck. Beispielsweise könnten klassische Tankstellen in solche Anlagen investieren. Sie produzierten ihren Strom dann selbst, könnten eigene Angebote und eigene Preise setzen. Beck: „Damit schaffen wir mehr Wettbewerb“.

Am Goslarer Forschungszentrum soll im nächsten Jahr ein großes Testzentrum gebaut werden, in dem in Zusammenarbeit mit VW die Sicherheitskonzepte, vor allem der installierte Brandschutz, von Batterien geprüft werden soll. Beck: „Wir werden mit dieser leistungsstarken Anlage die einzigen in Europa sein, die die Belastbarkeit von Batterien in kritischen Temperatur-Grenzbereichen testen können“.