Niedersachsen

Erzieherinnen beklagen mangelnde Wertschätzung

Kompetent im Job, aber gesellschaftlich kaum wertgeschätzt - so fühlen sich Niedersächsische Erzieherinnen laut einer aktuellen Studie.

Osnabrück. Niedersachsens Erzieherinnen fühlen sich kompetent für ihre Aufgaben in Kindergärten und -tagesstätten, aber gesellschaftlich kaum wertgeschätzt. Dies zeigt eine Studie, die Wissenschaftlerinnen von der Hochschule Osnabrück im Auftrag des niedersächsischen Wissenschaftsministeriums erhoben haben. Sie wurde am Mittwoch in Osnabrück vorgestellt.

Rund 41 Prozent der knapp 850 Befragten mit langjähriger Berufserfahrung und auch 45 Prozent der Kita-Leiterinnen sehen angesichts emotionaler Erschöpfung zudem einen Behandlungsbedarf oder sie zählen sich zur Risikogruppe. Als besonders belastend empfinden die Erzieherinnen den Erwartungsdruck durch die Eltern der Kita-Kinder, das Improvisieren im Kita-Alltag und fehlende Regeln beim Ausfall von Personal. Im Gegensatz dazu geben 85 Prozent der Befragten insgesamt an, sich von ihren beruflichen Anstrengungen erholen zu können.

Trotz ihrer Kompetenz äußerten die Erzieherinnen einen Fortbildungsbedarf. Dieser betreffe vor allem den Umgang mit ethnischer und religiöser Vielfalt. Zudem wünschen sich Erzieherinnen mehr Anerkennung in der Zusammenarbeit mit Kinderärzten und Grundschullehrern.

„Wir haben einen Nerv getroffen“, sagte Julia Schneewind, angesichts der Beteiligung an der „Evaluationsstudie zur Zufriedenheit und Kompetenz niedersächsischer Erzieherinnen“. Erstmals hätten Erzieherinnen die Gelegenheit gehabt, ihre Sicht der Dinge in die Diskussion zur Professionalisierung ihrer Arbeit einzubringen.

Knapp 850 Erzieherinnen haben den Fragebogen ausgefüllt. Darin ging es um Arbeitszufriedenheit, psychische Gesundheit, das Kompetenzempfinden und die Motivation zur Weiterbildung. Darunter waren Absolventen von Fachschulen (399) und Studenten (19) ebenso, wie Einsteiger mit bis zu zwei Jahren Praxis (80) und erfahrene Erzieherinnen (343). „Wir haben deren subjektives Empfinden erfragt“, erläuterte Nicole Böhmer. An der Studie beteiligten sich 53 Männer. Befragt wurden Mitarbeiterinnen von 378 niedersächsischen Kitas, von denen es im Bundesland insgesamt 4687 gibt.