Geschichte

Projekt zum Umgang mit DDR-Kunst gestartet

dpa
Die rechte Hand fehlt dem Denkmal von Karl Marx.

Die rechte Hand fehlt dem Denkmal von Karl Marx.

Foto: dpa

33 Jahre nach dem Mauerfall soll von der Ex-Bezirksstadt Neubrandenburg ein Impuls zum Umgang mit DDR-Kunst ausgehen. Hintergrund ist eine der umfangreichsten Kunstsammlungen in der Stadt und die hohe Dichte der Baudenkmäler.

In der Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg ist ein Projekt zum differenzierten Umgang mit Kunst in der ehemaligen DDR und Baudenkmälern aus der sozialistischen Zeit gestartet worden. "Wir wollen weg von der Diskussion um einzelne Kunstwerke, hin zur Gesamtbetrachtung einer solchen Kunstepoche", sagte Oberbürgermeister Silvio Witt (parteilos) am Montag vor Journalisten. Man habe inzwischen die historische Distanz, um solche Werke auch ideologiefrei zu betrachten, sagte die Geschäftsführerin der Ostdeutschen Sparkassenstiftung (Berlin), Patricia Werner, die das Projekt unterstützt.

Hintergrund des Projektes ist die Neubrandenburger Kunstsammlung. Die historische städtische Sammlung war 1945 verloren gegangen. Daraufhin hatte die Stadt, die in der DDR-Zeit enorm gewachsen war, 1982 ihre Sammlung neu gegründet. Es war die letzte Museumsneugründung der DDR. Bis 1990 wurden insgesamt 5000 Werke von Künstlern aus ganz Ostdeutschland gesammelt, streng nach künstlerischen und nicht ideologischen Aspekten, wie Kunsthistorikerin Elke Pretzel betonte. Die Sammlung gelte heute als eine der wichtigsten jener Zeit in Ostdeutschland.

Auch bei Baudenkmälern und Auftragskunst habe Neubrandenburg besonders viele Denkmäler, sagte ein Sprecher des Landesamtes für Denkmalpflege. So hat Mecklenburg-Vorpommern rund 30.000 Denkmäler, darunter viele Kirchen. Davon stammen rund 700 Denkmäler aus der DDR-Zeit und davon stehe ein Siebtel in Neubrandenburg. Dazu gehören unter anderem Hochhaus-Plattenbauten mit riesigen Kunstgiebeln.

Geplant sind mit Hilfe des Kunstarchivs Beeskow zwei Ausstellungen in der Kunstsammlung, die 40 Jahre alt wird, und im Haus der Kultur und Bildung sowie ein dreitägiges Forum mit Experten im September. "Wir hoffen auf Schlussfolgerungen für den Umgang mit DDR-Kunst, die im ganzen Osten angewandt werden können", sagte Werner. Das Schweriner Kulturministerium unterstützt das Projekt.

Mit dem Vorhaben reagiert Neubrandenburg auch auf Debatten, wie sie bei der Neuaufstellung der Statue des Philosophen Karl Marx (1818-1883) entbrannt waren.

© dpa-infocom, dpa:220328-99-702395/3

( dpa )