2009 wurden so viele Straftaten wie noch nie im Landkreis registriert. Im gesamten Land Niedersachsen stagniert die Zahl der Delikte.

Lüneburg. Nie zuvor wurden so viele Straftaten im Raum Lüneburg registriert wie im vergangenen Jahr. Das bestätigt die Kriminalstatistik 2009, die Friedrich Niehörster, Polizeipräsident der Polizeidirektion (PD) Lüneburg, zusammen mit Kriminaloberrat Wilfried Haensch und Uwe Lehne, Leiter der Polizeiinspektion Harburg, gestern vorstellte.

Während landesweit die Anzahl der Delikte auf dem Niveau des Vorjahres stagnierte, sei in der Metropolregion Hamburg eine Zunahme der Kriminalität zu beobachten. Besonders häufig werden in Lüneburg Einbruch-Diebstähle verzeichnet. Uwe Lehne, Leiter der Polizeiinspektion Harburg: "Durch die Nähe zu Hamburg hat die Polizeidirektion Lüneburg insgesamt deutliche Kriminalitätszunahmen und somit die höchsten Fallzahlen (88 736 gegenüber 86 293 in 2008) seit Jahren zu verzeichnen." Einen Grund für die Zunahme der Delikte sieht der Ermittler in der guten Infrastruktur in der Region. Täter reisen schnell an und können über Autobahnen und auch mit dem Zug schnell wieder flüchten. Im Landkreis Harburg, nach wie vor ebenso attraktives Ziel für Einbrecherbanden, habe sich die verstärkte Polizeipräsenz positiv auf die Bilanz ausgewirkt. Unter anderem habe der Einsatz spezieller Ermittlungsgruppen dazu geführt, dass die Gesamtzahl aller Wohnungseinbrüche von 683 in 2008 auf 635 gefallen ist, eine Abnahme um 7,03 Prozent. "Es ist schwer, die Taten aufzuklären, denn die Kriminellen, Banden aus Jugoslawien, Rumänien und sogar Chile, sind sehr gut vernetzt", so Niehörster. Kaum habe man Kriminelle im Stader Gefängnis festgesetzt, "machen die anderen wieder Brüche", ergänzt Lehne. Jedoch zeige regelmäßige Polizeipräsenz Erfolge.

Doch zeigt das Zahlenwerk im Bereich Drogendelikten einen Rückgang der Straftaten an. Lehne sieht die statistischen Werte kritisch. So verzeichnet die Polizeidirektion Lüneburg, zu der auch die Polizeiinspektion Harburg gehört, einen Rückgang der Rauschgiftdelikte. So wurden 2008 3655 Fälle von Betäubungsmittelmissbrauch bekannt, 2009 waren es 3445. "Wir sind uns sicher, dass es in diesem Bereich eine hohe Dunkelziffer gibt. Der Polizei ist bekannt, dass sowohl in den großen Städten als auch in kleinen Dörfern mit Rauschgift gehandelt wird. Noch nie waren so viele Drogen im Landkreis Harburg in Umlauf wie jetzt", so Lehne. Auch eine Herausforderung für die Fahnder.

Und: "Immer wieder kommt es zu gewalttätigen Übergriffen auf Polizeibeamte. Das ist bitterer Trend im gesamten Einsatzgebiet", so der Lüneburger Polizeipräsident.

Die Bereitschaft zu brutalen Gewalttätigkeiten, nicht nur gegen Ordnungshüter, sei gestiegen. So wurden im Landkreis Harburg 2261 so genannter Rohheitsdelikte erfasst, darunter Raub, schwere und gefährliche Körperverletzungen. "Auffällig ist, dass viele Übergriffe im häuslichen Bereich geschehen, oft in Zusammenhang mit Alkohol", so Lehne. Hier erleben Beamte immer wieder, dass auch Kinder und Jugendliche zur Flasche greifen. So kontrollierten Beamte der Polizeidirektion Lüneburg 5378 Minderjährige auf Alkoholkonsum, 2262 Jugendliche waren nicht mehr nüchtern.

Weiterhin auf dem Vormarsch: Internetkriminalität. Bereits seit 2005 werden entsprechende Fälle bei der PD Lüneburg erfasst. Damals waren es 428 Taten, 2009 registrierten die Beamten 4419 Fälle.

Dennoch konnte die PD Lüneburg ihre Aufklärungsquote kontinuierlich steigern. So konnten 5113 Fälle geklärt werden. Das sind 57,60 Prozent.

+++ SO KRIMINELL IST IHR STADTTEIL +++