Buhck-Gruppe

Fotovoltaik: Ein zweites Leben für ausgediente Module

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Undine Gerullis
Das mobile Prüflabor durchleuchtet das Innenleben eines Fotovoltaikmoduls und macht jede Zelle sichtbar. Anhand der Fotos können Projektleiter Martin Wilke (l.) und Vertriebschef Jan Krause entscheiden, welches Modul ein zweites Leben erhält.

Das mobile Prüflabor durchleuchtet das Innenleben eines Fotovoltaikmoduls und macht jede Zelle sichtbar. Anhand der Fotos können Projektleiter Martin Wilke (l.) und Vertriebschef Jan Krause entscheiden, welches Modul ein zweites Leben erhält.

Foto: Undine Gerullis / Gerullis

Die Buhck-Gruppe erschließt sich ein neues Geschäftsfeld. Das Potenzial sei riesig, ebenso die bisherige Nachrfrage.

Wentorf. Fotovoltaikmodule gelten als wichtige Energielieferanten der Zukunft. Doch sie sind tagtäglich Wind und Wetter ausgesetzt und halten nicht ewig. Damit ausgediente Solarmodule nicht unsachgemäß entsorgt oder illegal ins Ausland verschifft werden, hat sich der Wentorfer Umweltdienstleister Buhck jetzt auf die Fahnen geschrieben, nicht mehr brauchbare Module fachgerecht zu entsorgen und noch brauchbaren ein zweites Leben zu schenken. Im Februar gründete Buhck mit 2ndlifesolar (übersetzt zweites Solarleben) eine neue Marke und „kann sich seitdem vor Anfragen kaum retten“, sagt Projektleiter Martin Wilke.

Fotovoltaikmodule: Buhck-Gruppe steigt in ein neues Geschäftsfeld ein

Das Potenzial ist riesig: Laut deutscher Umwelthilfe fallen allein in diesem Jahr 100.000 Tonnen an ausrangierten Solarmodulen an. Bis 2030 steigert sich die Menge sogar auf eine Million Tonnen, schätzt die Umwelthilfe. Davon laufen aktuell zehn Tonnen bei Buhck auf. Insbesondere Solarpark-Betreiber aus Brandenburg und Bayern, aber auch aus den Niederlanden und Spanien melden sich bei dem Wentorfer Entsorger. Deren Module sind entweder defekt, bringen zu wenig Leistung oder wurden durch den Wegfall der EEG-Förderung unrentabel und sollen abgebaut werden.

„90 Prozent der Module sind tatsächlich nicht mehr zu retten und werden fachgerecht und kostenpflichtig entsorgt“, sagt Projektleiter Wilke. Sie werden dann von einer beauftragten Fachfirma in ihre Einzelteile – Glas, Kupfer und Aluminium – zerlegt und die Rohstoffe in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt. „Nur die Siliziumanteile sind nicht mehr weiter nutzbar“, sagt Martin Wilke.

Prüfung im mobilen Labor dauert rund fünf Minuten

Die anderen zehn Prozent aber bekommen die Chance auf ein zweites Leben, wenn sie die strenge Prüfung der Buhck-Mitarbeiter durchlaufen haben. „Die Module dürfen nicht älter als acht Jahre alt sein und müssen mindestens eine Leistung von 200 Watt erbringen“, sagt Jan Krause, Vertriebschef bei 2ndlifesolar. Überstehen sie dann noch die Sichtprüfung auf Unversehrtheit, sind keine Risse, Kratzer oder andere sichtbare Altersspuren vorhanden, kommen sie im dritten Schritt in ein Prüflabor. In dem mobilen Anhänger wird jede Zelle mittels hochauflösender Bilder auf schadhafte Stellen durchleuchtet, die Leistung überprüft. „Module, die von außen tipptopp aussehen, können dennoch defekt sein“, weiß Jan Krause. „Da sind wir manchmal selbst überrascht.“

Eine Prüfung in dem mobilen Labor dauert etwa fünf Minuten. Mit dem Anhänger sind die Wentorfer Mitarbeiter in ganz Deutschland unterwegs. In dieser Woche war er bei einem Solarpark in Brandenburg im Einsatz.

Ein Modul hat eine Lebensdauer von 25 Jahren

Mittlerweile wissen die Prüfexperten genau, welche Hersteller gut sind und welche eher geschlampt haben, kennen „den Mercedes“ unter den Modulen. „Um 2010 gab es einen Boom bei den Fotovoltaikanlagen. Da haben viele schnell und billig produziert“, weiß Martin Wilke. Einige Hersteller seien danach auch insolvent gegangen. Dementsprechend kurzlebig sei das Modul und schlecht die Qualität. Besonders anfällig sei die rückseitige Folie. „Ist die schadhaft, kann das gefährlich werden, können sich die Module entzünden“, sagt Wilke.

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Module, die die Prüfplakette erhalten haben, denen bescheinigt 2ndlifesolar eine weitere Lebensdauer von mindestens 15 Jahren. Laut Herstellern hat ein Modul eine Lebensdauer von 25 Jahren.

„Die Nachfrage nach recycelten Modulen ist schon jetzt riesig. Wir kommen eigentlich kaum hinterher“, sagt Vertriebler Krause. Über den unternehmenseigenen Onlineshop, der noch im Aufbau ist, können sich Kunden das Modul ihrer Wahl aussuchen. Zu den Abnehmern zählen sowohl Unternehmen, die ihren eigenen Strom erzeugen wollen, aber auch Solarparks, die defekte gegen baugleiche Modelle austauschen müssen, bis hin zu Campern, die unterwegs autark sein wollen.

Secondhand-Module kosten nur ein Drittel des Neupreises

Nicht nur aus ökologischer Sicht ist der Kauf eines Secondhand-Moduls interessant, auch finanziell ist es attraktiv. Die gebrauchten Module kosten nur ein Drittel des Neupreises. Hamburger und Umlandbewohner können sich die Module am Sitz von 2ndlifesolar an der Andreas-Meyer-Straße 39 in Hamburg abholen. „Module nach Bayern zu versenden, hat aus Kosten- und Umweltschutzgründen wenig Sinn“, sagt Jan Krause. Es werde noch an Lösungen gearbeitet.

„Pro Jahr verliert ein Modul je nach Standort zwischen 0,5 und einem Prozent an Leistung“, weiß Ingenieur Martin Wilke. Die Minderleistung sei bei einer Zweitnutzung aber kein Problem: „Für ein privates Balkonkraftwerk mit einer Leistung von 600 Watt reichen die Module allemal.“ Die Anleitung und die notwendigen Geräte liefert das achtköpfige Team gleich mit und verspricht, dass der Aufbau ganz einfach sei. Der Entsorger selbst hat bereits an zwei Standorten recycelte Module installiert, erzeugt so 50 Prozent der Energie, die das Unternehmen jährlich benötigt.

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