Kultur

Wo Kunst und Natur an der Bille verschmelzen

| Lesedauer: 4 Minuten
Ann-Kathrin Schweers
Dariusz Wojtkiewicz (49) arbeitet intuitiv. Ein gutes Beispiel ist diese Skulptur. Inspiriert worden war er durch einen Seifenblasenkünstler in einer Fußgängerzone.

Dariusz Wojtkiewicz (49) arbeitet intuitiv. Ein gutes Beispiel ist diese Skulptur. Inspiriert worden war er durch einen Seifenblasenkünstler in einer Fußgängerzone.

Foto: Ann-Kathrin Schweers / BGZ

Bildhauer Dariusz Wojtkiewicz hat sein Atelier direkt an der Bille in Wentorf. Er plant eine neue Ausstellung mit Kollegen.

Wentorf. Das ehemalige Versorgungszelt wurde schon vor geraumer Zeit vom DRK ausrangiert. Jetzt steht es auf einem idyllischen Grundstück direkt am Billewanderweg in Höhe der Unteren Bahnstraße in Wentorf. Hier richtet sich der Künstler Dariusz Wojtkiewicz (49) ein Atelier ein. „Das Zelt habe ich günstig bei Ebay geschossen“, erklärt er. Der Bildhauer und sein treuer Begleiter, Mischlingsrüde „Hermann“, treten hinaus, um etwas über die rätselhafte Kunst am Wegesrand und über eine geplante Ausstellung gemeinsam mit den Künstlern Oliver Hertel aus Bergedorf und Robert Pilecki aus Hamburg-Ottensen zu erzählen.

Eine Ausstellung auf Spendenbasis ist für den Sommer geplant. Wann genau? Das kann er nicht sagen. Wie viele Skulpturen werden auf dem Areal an der Bille zu sehen sein? Unklar. Dariusz Wojtkiewicz ist bei Freunden als Tagträumer bekannt. Aber wohl auch als jemand, der hinter dem steht, was er tut und der mit Überzeugung schafft.

Wentorfer Künstler will Ausstellung am Wegesrand der Bille schaffen

Den passenden Rahmen bietet das Privatgrundstück am Wanderweg allemal. Ein kleines Baumlabyrinth am Wasser hat Wojtkiewicz geschaffen. Jetzt muss es nur noch Ergrünen. Entdecken ließe sich hier etwa eine der beeindruckenden, mit der Axt aus Holz gefertigten, mannshohen Baumseelen des Bergedorfers Oliver Hertel. Eine Feuerstelle lädt zum geselligen Austausch ein. Auch im Wasser treibende Kunstwerke könnte sich Wojtkiewicz vorstellen. Auf einem Podest wird er eine Jurte, ein traditionelles Zelt der Nomaden in Zentralasien, aufbauen. „Je nach Möglichkeit könnten wir hier auch etwas zum Essen oder Getränke anbieten.“

Auf dem Grundstück, das Wojtkiewicz in Absprache mit der Eigentümerin nutzt, bietet sich eine Präsentation im Rundgang an. Zu entdecken gebe es neben Hertels „Buddhas“, wie Wojtkiewicz sie bezeichnet, auch massive Hände aus Holz von Robert Pilecki, die mit der Motorsäge entstehen. Und eben Kunst von Dariusz Wojtkiewicz. Er arbeitet noch klassisch mit Bildhauerwerkzeug. „Ich muss das Material fühlen, anfassen, schmecken“, sagt er. Seine Arbeiten entstehen oft intuitiv. Aber unter dem Namen „Wooden Tree“ sind einige konzeptionelle Gebilde entstanden, die Spaziergänger zum Rätseln inspirieren. Im ausrangierten DRK-Zelt türmen sich alte Holzstühle, die darauf warten, nach einiger Handarbeit mit Ästen zu verschmelzen.

Wojtkiewicz hat "Wooden Trees" während der Altonale gefertigt und ausgestellt

Im Rahmen des internationalen Projektes „Arts’R’Public“ hatte Wojtkiewicz die „Wooden Trees“ während der Altonale gefertigt und ausgestellt. Die Frage, die sich der Künstler stellte: Wo fängt Holz an und wo hört Baum auf? Ein Ergebnis ist seit Sommer 2020 am Rande des Grundstücks an der Bille zu sehen. „Die ersten Wochen war es hier wie im Zoo. Den Menschen ist das Herz aufgegangen, sie haben angehalten und Fotos geschossen“, sagt Wojtkiewicz. Ein Spaziergänger hat dem Künstler sogar einen Gehstock zur Verfügung gestellt, den er jetzt verarbeiten will. Diese Art der Interaktion und die Kommunikation, die entsteht, reizen den Künstler und treiben ihn an. „Und ich möchte dafür sorgen, dass Holz mehr wertgeschätzt wird. Es ist ein tolles Material, mit dem man so viel machen kann. Es ist warm und lebendig.“

Dariusz Wojtkiewicz wurde in Warschau geboren, verbrachte seine Teeniezeit im Herzen Englands, in der Stadt Birmingham, und lebt heute an der Bille in Bergedorf. Nach seinem Studium der Fächer Kunst und Grafikdesign an der Kunstschule Alsterdamm eröffnete er mit Freunden Ende der 1990er die Galerie „Rough House“ in der Stadt, die nur knapp ein Jahr bestand. Doch durch wilde Experimente, Performancekunst und ausgelassene Parties rutschte Wojtkiewicz rasend schnell hinein in die Szene. Dann ging es für 13 Jahre an den Schreibtisch einer Werbeagentur. Bis er es zunehmend satt hatte. „Wenn ich etwas Kreatives mache, dann muss es von Herzen kommen“, sagt er. Er kündigte, wurde Baumkletterer und gründete mit einem Bekannten das Unternehmen „Hamburger Baumjungs“. Heute verdient er sein Geld als Tischler, widmet sich kreativen Aufträgen im Innenausbau. Das Bildhauen ist derzeit ein Hobby. Lukrative Aufträge, Festivals und Ausstellungen sind aufgrund der Pandemie rar. „Und ich muss eine Familie ernähren. Ich habe drei Kinder“, sagt Dariusz Wojtkiewicz .

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