Schwarzenbek. Der wiedergewählte Wolfgang Schmahl geht die Projekte engagiert an. Weitere Flüchtlingsunterkünfte zu finden ist nur eines davon.

Es sind einige große Herausforderungen, denen sich der alte und neue Amtsvorsteher Wolfgang Schmahl stellen muss. Die drängendste Aufgabe ist, weitere Unterkünfte für Flüchtlinge zu schaffen. Bisher sind in den 19 Dörfern im Amt Schwarzenbek-Land 215 Flüchtlinge untergebracht, 302 sollen es sein. Bis zum Jahresende müssen Politiker und Verwaltung weitere 87 Plätze finden. Nur wo?

„Es ist ein großes Thema, das uns auch finanziell belastet“, so Wolfgang Schmahl. Deutlich vierstellig sind die Kosten im Monat für die Unterbringung eines Flüchtlings inklusive Unterkunft, Verpflegung sowie Integrationsmaßnahmen. Der Bund unterstützt die Länder bei der Aufnahme der Flüchtlinge, die Hälfe der Kosten müssen jedoch die Kommunen aus eigener Tasche finanzieren. Ziel im Amt Schwarzenbek-Land ist es, die noch zu erwartenden Flüchtlinge, die nicht nur aus der Ukraine kommen, nicht in Massenunterkünften, sondern in Wohnungen auf den Dörfern unterzubringen.

Amt Schwarzenbek-Land: Flüchtlingsunterkünfte, Energiewende und Entwicklung

Eine weitere Herausforderung ist das Amtsentwicklungskonzept, das noch in diesem Jahr vorgelegt werden soll. Schmahl: „Wir haben bereits eine Förderzusage erhalten und den Auftrag erteilt.“ Geplant ist, nach einer Auftaktveranstaltung für jeweils zwei bis drei Dörfer gemeinsame Workshops anzubieten.

Analog zum Dorfentwicklungsprogramm, das in Gülzow bereits erstellt wurde, soll das Entwicklungskonzept Chancen und Schwächen aufzeigen sowie mögliche Synergieeffekte, wenn Dörfer zusammenarbeiten. „Wichtigster Punkt ist auch hier die Frage, wo wir noch Wohnraum schaffen können“, so der 73-Jährige.

Wo heute noch das Getreide wogt, soll bereits 2028 das wohl größte Umspannwerk Deutschlands seinen Betrieb aufnehmen.
Wo heute noch das Getreide wogt, soll bereits 2028 das wohl größte Umspannwerk Deutschlands seinen Betrieb aufnehmen. © Stefan Huhndorf | Stefan Huhndorf

Strommasten werden das Landschaftsbild verändern

Daneben soll es aber auch um die Mobilität im ländlichen Raum sowie Nahwärmenetze gehen. Gülzow, Kollow und Wiershop hatten vor zwei Jahren eine Machbarkeitsstudie für die Wärmeerzeugung mit Grünabfällen in lokalen Blockheizkraftwerken in Auftrag gegeben. In Kollow hat sich bereits eine Wärmegenossenschaft gegründet, in Gülzow will Schmahl mit der neuen Gemeindevertretung das Thema noch einmal angehen, nachdem in einer ersten Runde das Interesse der Bürger nicht so groß war.

Weiteres großes Thema ist das geplante Umspannwerk in Sahms, das auf einer Fläche von 40 Hektar entstehen soll. „Die Stromleitungen müssen ja dorthin geführt werden. Das wird das Landschaftsbild im Amt ganz entscheidend verändern“, sagt Schmahl. Allerdings haben die Dörfer kein Mitspracherecht, können bei der Trassenplanung allenfalls beratend tätig werden. „Die Energiewende können wir nicht zurückdrehen, und das wollen wir auch nicht“, so der Amtsvorsteher.

Zur Sitzung geht es bisher nur durch die Hintertür

Intern sollen in der Amtsverwaltung an der Gülzower Straße 1 in Schwarzenbek die digitale Akte eingeführt und die Möglichkeiten, online mit den Mitarbeitern in Kontakt zu treten, verstärkt werden. Auch die Internetseite des Amtes (www.amt-schwarzenbek-land.de) ist geplant. Für alle knapp 10.000 Bürger im Amtsgebiet wird es zudem eine neue Broschüre mit Kontaktadressen und Informationen geben.

Ebenfalls gesteigert werden soll die Kundenfreundlichkeit der Amtsverwaltung. So ist etwa die Teilnahme an den eigentlich öffentlichen Sitzungen des Amtsausschusses bislang nur für Insider möglich, denn die Türen der Amtsverwaltung sind nach Dienstschluss geschlossen. Ausschussmitglieder und Besucher, die sich auskennen, nutzen stattdessen aktuell den Hintereingang auf der Rückseite des Gebäudes. Das aber sollte sich ändern.

19 Dörfer, 21 Ausschussmitglieder und 47 Stimmen

Schmahl ist seit April 2022 Amtsvorsteher: Nach dem vorzeitigen Rücktritt von Kankelaus Bürgermeister Klaus Hansen war der Gülzower gewählt worden. Auf der konstituierenden Sitzung des Amtsausschusses wurde Schmahl, der seit 2003 Mitglied im Ausschuss ist, einstimmig in seinem Amt bestätigt.

Das Amt besteht aus 19 Gemeinden, die jedoch 21 Vertreter entsenden und über insgesamt 47 Stimmen verfügen. Damit wird der unterschiedlichen Größe der Dörfer gleich zwei Mal Rechnung getragen: Die mit jeweils mehr als 1300 Einwohnern größten Gemeinden Gülzow und Kuddewörde entsenden neben den jeweiligen Bürgermeistern ein zweites Mitglied ins Gremium.

Wolfgang Schmahl einstimmig in geheimer Wahl gewählt

Zusätzlich sorgt eine weitere Regel für eine Gewichtung der vertretenen Dörfer: Je angefangener 250 Einwohner gibt es eine Stimme. Die mit 1394 Einwohnern größte Gemeinde Kuddewörde entsendet nicht nur jeweils zwei Vertreter, sondern verfügt auch über insgesamt sechs Stimmen. Groß Pampau, mit 152 Einwohnern kleinste Gemeinde im Dorf, entsendet hingegen nur einen Vertreter mit einer Stimme.

Weil Vertreter aus Möhnsen und Kasseburg fehlten, Kasseburgs Bürgermeisterin Anja Harloff ist zugleich die neue Kreispräsidentin, wurde Schmahl in geheimer Wahl mit 41 Stimmen einstimmig in seinem Amt bestätigt. Wie schon bei seiner Wiederwahl als Bürgermeister in Gülzow hatte er eine geheime Wahl beantragt: „Ich wollte wissen, wie das Vertrauen mir gegenüber ist, denn bei einer geheimen Abstimmung fällt es leichter, auch mit Nein zu stimmen.“

Bernd Granzow, Bürgermeister von Grabau, bei der Unterzeichnung der Ernennungsurkunde zum ersten stellvertretenden Amtsvorsteher mit Verwaltungschef Ralf Spinngieß (r.).
Bernd Granzow, Bürgermeister von Grabau, bei der Unterzeichnung der Ernennungsurkunde zum ersten stellvertretenden Amtsvorsteher mit Verwaltungschef Ralf Spinngieß (r.). © Marcus Jürgensen | Marcus Jürgensen

Durchgeführt wurde die Wahl von Tim Peters, Bürgermeister von Köthel, der seit 2008 dem Amtsausschuss angehört. Dienstältestes Mitglied ist Schmahl, der aber als Kandidat nicht auch noch Wahlleiter sein konnte. Schmahls Stellvertreter, die ebenfalls einstimmig gewählt wurden, sind Bernd Granzow (Grabau) und Klaus Neesemann (Brunstorf). Alle drei gehören auch dem Hauptausschuss des Amtes an, der durch Dr. Helmut Brüggmann (Sahms) und Jens Husen (Dahmker) komplettiert wird.