Seniorenheim wirbt

Warum sich eine Ausbildung in der Altenpflege lohnt

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Marcus Jürgensen
Eine Altenpflegerin geht mit einer Seniorin über den Flur. Bewerber mit Freude am Umgang mit Menschen werden dringend gesucht.

Eine Altenpflegerin geht mit einer Seniorin über den Flur. Bewerber mit Freude am Umgang mit Menschen werden dringend gesucht.

Foto: Marijan Murat / dpa

Seniorenheim Alte Oberförsterei in Schwarzenbek wirbt um Schulabgänger und Quereinsteiger: Ausbildungsbeginn noch dieses Jahr möglich.

Schwarzenbek.  Die Deutschen werden immer älter: Männer im Durchschnitt 78,6 Jahre, Frauen 83,4 Jahre. Gleichzeitig wächst die Zahl der Pflegebedürftigen. Was jedoch nicht mitwächst ist die Zahl der Fachkräfte in der Altenpflege. Daniela Orth, Leiterin der Alloheim-Seniorenresidenz Alte Oberförsterei in Schwarzenbek appelliert an Schulabgänger, eine Ausbildung in der Pflege nicht generell abzulehnen: Es habe sich leider bei vielen jungen Menschen ein vorurteilsbehaftetes Berufsbild festgesetzt, das mit der Realität nichts zu tun habe.

„Teamplayer, die Freude am Umgang mit Menschen haben und etwas Sinnvolles tun möchten, sind in der Pflegebranche genau richtig und können sogar noch in diesem Jahr bei uns eine Ausbildung beginnen“, sagt Orth und ergänzt: „Die beruflichen Perspektiven mit einer abgeschlossenen Pflegeausbildung sind brillant und auch vom Verdienst her hervorragend.“

Fachkräfte in der Altenpflege haben einen krisensicheren Job

Zudem seien die meisten Berufe des Gesundheitswesens krisensicher – vor allem in der Pflegebranche. Die hat einen wahren Boom erlebt: Laut Pflegestatistik des Statistischen Bundesamtes hat sich die Zahl der Beschäftigten in den vergangenen 20 Jahren in Pflegeheimen und bei der ambulanten Pflege mehr als verdoppelt. Aktuell (Stand 2021) sind 814.042 Menschen in Pflegeheimen und 442.860 bei ambulanten Diensten beschäftigt – davon allerdings mehr als zwei Drittel in Teilzeit.

Doch auch die Fluktuation ist hoch. Laut Bundesanstalt für Arbeit gibt es rund 40.000 offene Stellen im Bereich Altenpflege (Stand: 2020). Das Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln rechnet für den gesamten Pflegebereich inklusive Krankenhäuser mit 200.000 fehlenden Kräften und prognostiziert, dass diese Zahl auf bis zu eine halbe Million klettern könnte. Orth setzt deshalb nicht nur auf Schulabsolventen, sondern auch auf Quereinsteiger. „Mittlerweile bewerben sich viele Quereinsteiger aus ganz anderen Berufszweigen“, berichtet die Einrichtungsleiterin.

Die planbare, dauerhafte Arbeitsplatz-Sicherheit stehe bei bei vielen an oberster Stelle. Das gelte gerade auch für ältere Erwachsene, die sich für einen Berufswechsel und den Einstieg in die Gesundheitsbranche entscheiden. Orth: „Mit Fort- und Weiterbildungen auf unsere Kosten kann man sich immer weiter spezialisieren, was ein großer Pluspunkt ist.“ Langfristig seien nicht nur Pflegefachkräfte gefragt, sondern auch „Menschen mit Herz“ in angrenzenden Fachbereichen wie Haustechnik, Küche, Verwaltung oder Betreuung.

Alte Oberförsterei: Erfahrener Mentor hilft bei der Ausbildung

„Wer noch in diesem Jahr eine Ausbildung in einem pflegerischen Beruf machen möchte, sollte sich jetzt bewerben. Auch ein vorheriges Schnupper-Praktikum ist für Interessierte möglich“, so Orth. Gerade für junge Leute interessant: Wer einen pflegerischen Beruf in einer Alloheim Senioren-Residenz beginnt, bekommt einen Mentor an die Seite gestellt. „Das ist jemand aus unserem Team mit sehr viel Berufserfahrung, der sich der Fragen der Azubis annimmt, viele Tipps gibt und ihnen immer zur Seite steht“, sagt die Einrichtungsleiterin.

Zudem bietet die Einrichtung jede Woche einen Fachunterricht an, in dem schulische Dinge aufgearbeitet werden und die Azubis sich im Team auf ihre Prüfung vorbereiten können. Bereits kurz nach Ausbildungsbeginn werde im Rahmen eines Karrierewochenendes mit den Auszubildenden in der Alten Oberförsterei über deren Weiterbildung und Karriere gesprochen. Wenn alles passt und die Prüfung bestanden wird, stehe der direkten Übernahme nach der Ausbildung nichts im Wege.

Bis zu 42.400 Euro Jahresgehalt für Fachkräfte in der Pflege

Für Pflegefachkräfte und Pflegehelfer wurden die Löhne als Folge der Coronapandemie teils deutlich angehoben: Pflegefachkräfte mit dreijähriger Ausbildung erhalten aktuell einen Stundenlohn von 17,10 Euro, der am 1. Mai auf 17,65 Euro und zum 1. Dezember auf 18,25 Euro steigen soll. Laut Gewerkschaft Verdi würde eine Fachkraft bei einer 40-Stunden-Woche dann ein Grundentgelt von 3174 Euro erhalten. Pflegeeinrichtungen zahlen aber häufig über Tarif. Laut Jobportal Stepstone liegt die Gehaltsspanne beim Jahresgehalt aktuell zwischen 31.500 und 42.400 Euro.

Doch auch für Pflegekräfte mit nur ein- oder zweijähriger Ausbildung steigt der spezielle Pflegemindestlohn von derzeit 14,60 ab 1. Mai auf 14,90 Euro und ab Dezember auf 15,25 Euro. Für Pflegekräfte ohne Ausbildung von 13,70 Euro auf 13,90 Euro ab Mai und 14,15 Euro ab Dezember. Das entspricht einem Monatslohn von 2461 Euro ohne Nacht- und Wochenendzuschläge. Zum Vergleich: Der gesetzliche Mindestlohn liegt derzeit bei 12 Euro.

Weitere Infos zu Pflegeberufen gibt es direkt in den Einrichtungen oder bei der Bundesagentur für Arbeit. Wichtig: Die Ausbildung in den Pflegeberufen wurden 2020 reformiert: Seither gibt es den Beruf des Pflegefachmanns/frau, der Krankenpflege, Kinderkrankenpflege und Altenpflege einschließt.