Lauenburg

So sieht es derzeit im ehemaligen „Stappenbeck“ aus

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Elke Richel
Stadtarchitektin Martina Wulf-Junge führt über die Baustelle im Festsaal des „Stappenbeck“. Die hölzernen Säulen und die gedeckten Farben sollen beim Umbau erhalten bleiben.

Stadtarchitektin Martina Wulf-Junge führt über die Baustelle im Festsaal des „Stappenbeck“. Die hölzernen Säulen und die gedeckten Farben sollen beim Umbau erhalten bleiben.

Foto: Elke Richel

Die Arbeiten für das Medienzentrum in Lauenburg gehen voran. Der Charme des „Stappenbeck“ soll dabei erhalten bleiben.

Lauenburg. An der Baustelle für das Medienzentrum am Lütten Markt bleiben fast alle Lauenburger stehen: Die jüngeren, weil sie den Fortgang der Arbeiten beobachten, die älteren, weil sie sich vielleicht an die vielen Nächte erinnern, die sie früher auf dem Tanzboden im „Stappenbeck“ verbracht haben.

Die Baustelle ist derzeit natürlich nicht zugänglich. Mit Martina Wulf-Junge vom Stadtentwicklungsamt durften wir dennoch einen Blick hinter die Kulissen werfen. Bei ihr laufen die Fäden der gesamten Planung zusammen.

Lauenburg: Besuch auf der Baustelle im ehemaligen „Stappenbeck“

In dem einstmals geschlossenen Gebäudekomplex aus Gaststätte, Hotel und Festsaal klafft mittlerweile eine Lücke von etwa 20 Metern Länge. Hier stand einmal der Verbindungsteil zwischen Gasthof und Festsaal. Dass dieser Teil nicht zu retten ist, stand für die Planer schnell fest. Wahrscheinlich ist das auch der älteste Teil der Bebauung. So genau kann das aber niemand sagen, denn das genaue Baujahr des „Stappenbeck“ ist nicht bekannt.

An den unverputzten Seitenwänden ist spätmittelalterliches Fachwerk sichtbar, die klassizistisch anmutende Fassade kam vermutlich erst im 19. Jahrhundert dazu. Belegt ist: In den Jahren 1805 und 1850 wurde das Gebäude jeweils zum Teil durch einen Brand zerstört. Man vermutet, dass der nunmehr abgerissene Mittelteil zweimal von den Flammen verschont blieb und daher die Zeit überdauerte.

Für den Neubau musste eine aufwendige Pfahlgründung erfolgen

Abreißen ist die eine Sache, neu bauen die andere. „Bodenuntersuchungen hatten ergeben, dass der Untergrund für den Neubau nicht genügend tragfähig ist. Daher musste zunächst eine Pfahlgründung erfolgen“, sagt Martina Wulf-Junge.

Kein Wunder, die Statiker haben hier besondere Anforderungen gestellt. Schließlich soll im Neubautrakt nicht nur der großzügige Eingangsbereich für das Medienzentrum Platz finden. In der oberen Ebene wird das Stadtarchiv untergebracht mit Regalen, in denen viele Tausend Dokumente der Stadtgeschichte lagern.

Im Erdgeschoss soll auch ein sogenannter Makerspace untergebracht werden. Das ist eine offene Werkstatt, in der für Benutzer unter anderem digitale Werkzeuge wie Lasercutter oder 3-D-Drucker bereitstehen.

Der Charme des Festsaals vom „Stappenbeck“ ist erhalten geblieben

Die Türen im ehemaligen Festsaal sind inzwischen ausgebaut und der Fußboden komplett abgetragen. Das blanke Erdreich ist zu sehen. „Wir stehen hier im künftigen Ausleihraum der Bücherei mit Veranstaltungsbereich und Sitzgruppen“, erklärt Wulf-Junge.

Die Bühne, auf der früher die Tanzkapellen spielten, gibt es nicht mehr. Hier wird der Kinder- und Jugendbereich der Bücherei auf zwei Ebenen errichtet. Erfreulich: Trotz der drastischen Veränderungen ist der Charme des Saales erhalten geblieben. Das liegt vor allem an den hölzernen Säulen, die Bestand haben sollen.

Gasthaus und Festsaal stehen auf keiner Denkmalliste

Was den Planern des Umbaus mehr Spielraum lässt: Weder das Gasthaus noch der Festsaal stehen auf der Denkmalliste des Landes. „Das bedeutet aber nicht, dass wir mit der historischen Substanz weniger sorgfältig umgehen“, versichert die Stadtarchitektin.

Unter Maßgabe der Denkmalschützer hätten die alten Farbschichten womöglich eine nach der anderen abgetragen und der Urzustand wiederhergestellt werden müssen. Jetzt können sich die Planer daran orientieren, wie alteingesessenen Lauenburger den Festsaal kennen. „Wir werden das gedeckte Farbkonzept des Raumes beibehalten“, sagt Wulf-Junge.

Dass die Stadt mit der historischen Gebäudesubstanz behutsam umgeht, zeigt sich vor allem in dem Gebäudeteil, der zur Alten Wache ausgerichtet ist. Hier sind ein Veranstaltungsraum, eine Küche und ein Café vorgesehen.

Mit Augenmaß und Handwerkskunst das Alte im „Stappenbeck“ bewahren

Das Besondere ist das historische Fachwerk, das diesen Räumen einen besonderen Charakter gibt. Die Sanierung hatte die Stadt eigens getrennt von den anderen Zimmererarbeiten ausgeschrieben.

Die Firma Willers aus Lanze hat Erfahrung mit der Sanierung historischer Häuser in Lauenburg. „Bisher sind wir vor allem in der Altstadt gefragt gewesen. Das ist hier auch für uns etwas Besonderes“, sagt Firmenchef Christian Eisenberger. Jeden Balken, jeden Fensterrahmen oder Querriegel haben die Spezialisten unter die Lupe genommen. Behutsam wird ersetzt, was verfault oder von Schädlingen zerfressen ist.

Sieben Millionen Euro werden für den Umbau wohl nicht reichen

Azubi Sebastian Jürgens ist gerade dabei, einen Balken zuzuschneiden, der perfekt in eine Lücke des Fachwerks passen soll. Es ist viel zu tun. „Wir müssen einiges austauschen. In den 60er-Jahren hat man vor die Holzkonstruktion Platten genagelt. Da setzte sich Feuchtigkeit drunter. Das hält auf Dauer das härteste Eichenholz nicht aus“, weiß der Auszubildende.

Noch braucht es eine ganze Menge Vorstellungskraft, das moderne Medienzentrum im alten „Stappenbeck“ vor sich zu sehen. Etwa sieben Millionen Euro soll der Umbau kosten, so ist es kalkuliert. Doch wahrscheinlich wird diese Summe nicht zu halten sein. „Wir haben mit den Firmen Verträge abgeschlossen, die steigende Materialkosten berücksichtigen. Auf Festpreise lässt sich heute keine Firma mehr ein“, sagt Wulf-Junge.

Immerhin: Zu allen ausgeschriebenen Leistungen gab es Angebote. Auf dem großen Bauschild sind vor allem die Namen von Firmen aus der Region zu lesen. Eine gute Nachricht: Die Arbeiten liegen derzeit voll im Zeitplan. Die Stadt geht davon aus, im Spätsommer 2023 Einweihung feiern zu können.

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