Finanzierung

Neue Hürde für geplantes Medienzentrum in Lauenburg

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Elke Richel
Der Saal im ehemaligen Stappenbeck ermöglicht eine großzügige Raumaufteilung. Die anderen Teile des Gebäudekomplexes fügen sich in das Gesamtkonzept ein. Die Verbindung schafft ein Neubautrakt.  Grafik: KBNK Architekten

Der Saal im ehemaligen Stappenbeck ermöglicht eine großzügige Raumaufteilung. Die anderen Teile des Gebäudekomplexes fügen sich in das Gesamtkonzept ein. Die Verbindung schafft ein Neubautrakt.  Grafik: KBNK Architekten

Foto: Elke Richel / BGZ / Elke Richel

Damit Lauenburgs einzige Grundschule erweitert werden kann, muss die Bücherei umziehen. Das neue Medienzentrum ist unverzichtbar.

Lauenburg.  Es ist beschlossene Sache: In dem ehemaligen Hotel Stappenbeck und dem angrenzenden Tanzsaal soll ein modernes Medienzentrum entstehen – mitten in Lauenburgs Innenstadt. Baurechtlich ist alles in trockenen Tüchern. „Wir erwarten stündlich die schriftliche Baugenehmigung“, sagt der Amtsleiter für Stadtentwicklung, Reinhard Nieberg.

Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Bei der Vergabe der Fördermittel aus dem Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ ging Lauenburg leer aus. Insgesamt 60 Projektideen waren allein aus Schleswig-Holstein eingegangen, nur elf davon erhielten einen Zuschlag. Eine Absage hatte es zuvor bereits für den Antrag auf Fördermittel des Investitionspaktes Soziale Integration gegeben.

Neuer Fördermittelantrag würde Projekt zwei Jahre zurückwerfen

Will Lauenburg für die Umsetzung des Projektes öffentliche Mittel einsetzen, bleibt nur das Bundesprogramm der Städtebauförderung, aus dem Lauenburg regelmäßig Geld erhält. Allerdings: Die Förderrichtlinien sehen einen Eigenanteil von einem Drittel vor. Außerdem müssen Projekte dieser Größenordnung auch für dieses Programm in ein integriertes Entwicklungskonzept eingebettet sein. Dieses gibt es zwar seit den 1990er-Jahren, von einem Medienzentrum ist darin aber natürlich noch keine Rede.

Es gibt aber noch einen anderen Haken: Um Mittel aus der Städtebauförderung für dieses Projekt zu erhalten, ist ein langwieriges Antragsverfahren nötig. „Das würde uns um mindestens zwei Jahre zurückwerfen“, fürchtet Nieberg.

Erweiterungsbau der Weingartenschule am Standort der Bücherei

Diese Verzögerung würde eine Reihe weiterer nach sich ziehen. Mit dem neuen Medienzentrum will die Stadt nämlich gleich drei Probleme auf einen Schlag lösen: Am jetzigen Standort der Bücherei kann der geplante Erweiterungsbau der Weingartenschule entstehen. Außerdem erhalten sowohl die Bücherei als auch das Stadtarchiv viel mehr Platz als bisher. Neben einem großzügigen Ausleihbereich soll der insgesamt 1300 Quadratmeter große Gebäudekomplex einen Veranstaltungsraum und ein Café bieten. Reinhard Nieberg beziffert die Kosten des Projektes mit rund sieben Millionen Euro.

Eine Abkehr insbesondere von den Erweiterungsplänen für die Weingartenschule gibt es aus seiner Sicht nicht. „In das neue Wohngebiet am Birnbaumkamp ziehen viele junge Familien. Die heutigen Kapazitäten unserer einzigen Grundschule sind dem nicht gewachsen“, sagt der Amtsleiter. Deshalb steht für ihn fest: „Wenn wir die Weingartenschule entwickeln wollen, kommen wir um das Medienzentrum nicht herum.“

Nieberg ist dafür, das Projekt ohne Fördermittel zu entwickeln

Nieberg plädiert dafür, das Projekt nun ganz ohne Fördermittel zu entwickeln – trotz der wirtschaftlichen Lage der Stadt, die sich durch die Corona-Krise weiter verschärft. „Die Schulerweiterung und der dafür erforderliche Umzug der Bücherei sind Investitionen in die Zukunft“, so sein Argument.

Über die Alternative, die Finanzierung von sieben Millionen Euro aus eigener Kraft zu stemmen, muss zunächst die Politik entscheiden. Die Verwaltung will zur nächsten Stadtvertretersitzung am 30. April eine entsprechende Beschlussvorlage zur Diskussion stellen. Das letzte Wort hat dann aber die Kommunalaufsicht, die der Kreditaufnahme zustimmen muss.

Stadt will an Baubeginn noch in diesem Jahr festhalten

Der Umbau des im Jahre 1805 errichteten Gebäudekomplexes ist für Architekten offenbar ein reizvolles Projekt. Insgesamt neun Architekturbüros hatten sich auf die europaweite Ausschreibung beworben. Den Zuschlag erhielt schließlich das Hamburger Planungsbüro KBNK Architekten.

Eines hatten die Planer sofort herausgefunden: Der Verbindungsteil zwischen dem ehemaligen Hotel und dem Festsaal ist aufgrund maroder Bausubstanz nicht zu halten. An dieser Stelle soll ein Neubau mit großzügigem Empfangsbereich, Garderobe sowie Sanitärtrakt entstehen. In der Ausleihe der Bücherei sollen künftig nicht nur Regale stehen, sondern auch ein digitaler Bereich untergebracht werden. Als Gegenstück zu den modernen Medien wirkt die geplante Unterbringung des Stadtarchivs im Obergeschoss des Gebäudes. Hier sollen historische Dokumente, Akten und andere Zeugnisse der Stadtgeschichte ihren Platz finden. „Wenn die Finanzierung geklärt ist, können wir im Oktober loslegen“, sagt Nieberg.

Davor wird noch einmal Gelegenheit sein, den Saal im Stappenbeck zu besuchen, mit dem viele Lauenburger ihre Jugend verbinden. Am 8. Mai, dem Tag der Städtebauförderung, ist eine Veranstaltung geplant. Sowohl vor Ort als auch digital werden Vergangenheit und Zukunft des Stappenbeck präsentiert.

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