Einzelhandel

Überraschende Wende: Famila-Pläne in Lauenburg ausgebremst

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Elke Richel
Die Fraktionsvorsitzenden Jens Meyer (SPD; v.l.), Christian Stockfisch (CDU) und Niclas Fischer (LWG) einigen sich auf einen gemeinsamen Standpunkt zum Einzelhandel. Sämtliche Entscheidungen werden bis zum Sommer verschoben. Dann soll feststehen, was auf dieser Brachfläche entstehen soll.

Die Fraktionsvorsitzenden Jens Meyer (SPD; v.l.), Christian Stockfisch (CDU) und Niclas Fischer (LWG) einigen sich auf einen gemeinsamen Standpunkt zum Einzelhandel. Sämtliche Entscheidungen werden bis zum Sommer verschoben. Dann soll feststehen, was auf dieser Brachfläche entstehen soll.

Foto: Elke Richel

Politikspitzen aus CDU, SPD und LWG einig: Entwicklung des Handels in der Innenstadt hat Vorrang. Gemeinsamer Antrag eingereicht.

Lauenburg. Überraschende Wendung in der Diskussion um das ­Lauenburger Einzelhandelskonzept und die Erweiterungspläne von Famila: CDU, SPD und die Lauenburger Wählergemeinschaft (LWG) legen jetzt einen gemeinsamen Antrag für die Sitzung des Bau- und Planungsausschusses am kommenden Montag, 15. Februar, vor.

Die Fraktionsvorsitzenden Christian Stockfisch (CDU), Jens Meyer (SPD) und Niclas Fischer (LWG) betonen darin, die Erweiterungspläne von Famila grundsätzlich unterstützen zu wollen, aber in gleichem Maße die Stärkung der Innenstadt zu fördern. Bis zum 30. Juni könne deshalb hinsichtlich der Pläne von Famila keine Entscheidung fallen. Bis dahin sollen die Ergebnisse des Investorenauswahlverfahrens für die Brachfläche in der Innenstadt vorliegen.

Bisher kontroverse Diskussionen um Familas Erweiterungspläne

In der Vergangenheit hatte es kontroverse Diskussionen um das Einzelhandelskonzept für Lauenburg gegeben – und damit auch um die Pläne von Famila. Das Hamburger Büro BulwinGesa hatte davor gewarnt, die Sortimente Drogeriewaren, Schuhe und Mode außerhalb des Stadtzentrums anzusiedeln. Die seit Jahren geplante Marktgalerie sollte so geschützt werden.

Nachdem es seitens des Projektentwicklers immer wieder Verzögerungen gab, bröckelte das Vertrauen der Lauenburger in dieses Projekt und auch einige Politiker verloren mehr und mehr die Geduld.

Einzig die CDU muss ihre Position nicht neu überdenken

„Wir warten bis zum 31. Oktober ab, ob sich eine Entwicklung in Sachen Marktgalerie abzeichnet. Wenn nicht, lockern wir das Sortimentsverbot für Famila in den Warengruppen Mode und Schuhe“, hatte André Peylo (SPD) bereits im Mai 2019 im Bau- und Planungsausschusses vorgeschlagen. Die Politik war dem Antrag damals mehrheitlich gefolgt.

Die Lauenburger Wählergemeinschaft hatte 2018 die Erweiterungspläne von Famila sogar zum Wahlkampfthema gemacht. Im Januar vergangenen Jahres griff der Fraktionsvorsitzende, Niclas Fischer, den 2019 gefassten Beschluss auf und erinnerte daran, dass alle Fraktionen Famila die Sortimentsfreigabe zugesichert hatten, sollte die Marktgalerie scheitern. Einzig die CDU hatte nie einen Hehl daraus gemacht, den Erweiterungsplänen von Famila skeptisch gegenüber­zustehen.

Sortimenterweiterung: Famila muss sich weiter gedulden

Im Sommer vergangenen Jahres verabschiedeten sich Politik und Verwaltung von dem Projekt Marktgalerie. Stattdessen soll die im Eigentum der Stadt befindliche Brachfläche zu einem vorab festgelegten Preis an denjenigen verkauft werden, der das überzeugendste Konzept für ein „kleinstädtisches Zentrum“ vorlegt. Die Ergebnisse des Investorenauswahlverfahrens sollen bis 30. Juni dieses Jahres vorliegen.

Bis dahin soll sich nun auch Famila gedulden. „Für die Fraktionen CDU, LWG und SPD steht fest, dass Entscheidungen für die von der Firma Famila gewünschten Entwicklungen am Lauenburger Stadtrand möglicherweise auch Auswirkungen auf die innerstädtischen Entwicklung nach sich ziehen“, heißt es jetzt in dem gemeinsamen Positionspapier.

Niclas Fischer erklärt Sinneswandel mit Corona-Krise

Fischer erklärt den Hintergrund für den Sinneswandel seiner Fraktion: „Die Corona-Krise zwingt dazu, bisherige Standpunkte auf den Prüfstand zu stellen.“ Auch darin ist er sich mit Stockfisch und Meyer einig. „Wohin die Reise im stationären Einzelhandel geht, kann derzeit ernsthaft nicht beurteilt werden. Deshalb wird die begonnene Markterkundung für die zentrale innerstädtische Fläche zeigen, ob es trotz schwerer Rahmenbedingungen noch ernsthafte Entwicklungs­optionen für den Einzelhandel im innerstädtischen Kontext gibt“, heißt es neuen Antrag der drei Fraktionen.

Positive Ansätze im Lauenburger Stadtzentrum gebe es bereits: Unter anderem durch die neue Wohnanlage an der Hamburger Straße, das geplante Medienzentrum, den Edeka-Neubau und das geplante Hotel am Fürstengarten.

Entscheidung zum Einzelhandel sollen weiter verschoben werden

Die drei Fraktionsvorsitzenden sind sich einig: Nach dem 30. Juni soll Famila dann wirklich eine verlässliche Aussage zu den Erweiterungsplänen erhalten – auch in Bezug auf die Sortimente, die zusätzlich angeboten werden dürfen. Die Ausschusssitzung beginnt am Montag um 19 Uhr im Forum der Albinus-Gemeinschaftsschule.

Alle zwei Jahre befragt das Institut für Handelsforschung (IFH) Passanten in deutschen Innenstädten unterschiedlicher Größe zu ihren Erwartungen in Bezug auf das Angebot und zieht Schlüsse daraus. Die aktuelle Studie zeigt, der Einzelhandel bestimmt maßgeblich, wie attraktiv Innenstädte wahrgenommen werden.

Studie besagt: Einzelhandel wichtig für vitale Innenstädte

Der Einkaufsbummel ist das Hauptmotiv für den Besuch, vor allem für ältere Personen (65 Prozent). Bei den unter ­25-Jährigen gibt die Hälfte an, zum Einkaufen in die Stadt zu kommen.

Dafür ist die Gastronomie für Jüngere öfter ein Besuchsanlass als für ältere Menschen. Ein Blick auf die Einwohnerstruktur sei unerlässlich bei der Konzeption zukunftsfähiger Innenstädte, so das Institut.

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