Influencer

Wie das Universal-Motor-Gerät zum Youtube-Star wurde

| Lesedauer: 6 Minuten
Frauke Maaß
Henning Heitmann (l.) auf der Motorhaube eines U 1500 und Team-Mitglied Roland Meier auf einem Quad. Jede Woche lädt die Gruppe aus Fitzen ein neues Video von Einsatzmöglichkeiten der Unimogs auf Youtube hoch.

Henning Heitmann (l.) auf der Motorhaube eines U 1500 und Team-Mitglied Roland Meier auf einem Quad. Jede Woche lädt die Gruppe aus Fitzen ein neues Video von Einsatzmöglichkeiten der Unimogs auf Youtube hoch.

Foto: Unimogteam / BGZ

Landwirt Henning Heitmann aus Fitzen begründet mit seinem Team den Unimog-Kult im Internet. Einmal verschlug es ihn sogar nach Kamerun.

Fitzen – ein kleines 360-Einwohner-Dorf am Elbe-Lübeck-Kanal gelegen. Hier fährt nur durch, wer mit der Fähre von Siebeneichen übersetzt. Kopfsteinpflasterstraßen, mächtige Eichen und viele alte Bauernhöfe schaffen ein romantisches Idyll, wie es nur noch selten zu finden ist. Die großen Trecker der landwirtschaftlichen Betriebe stören das nostalgisch anmutende Ambiente kaum.

Auch der große Lkw, der vor dem Hof Heitmann mit einem alten Unimog der Bundeswehr auf seiner Ladefläche parkt, scheint ins Dorfbild zu gehören. „Es gibt ein Problem mit dem Fahrzeug, es kann nicht abgeladen werden“, sagt Henning Heitmann nach einem kurzen Gespräch mit dem Fahrer überraschend gelassen. Solche Probleme sind ihm bekannt: Der 23-Jährige ist nicht nur Agrar-Betriebswirt, sondern auch leidenschaftlicher Unimog-Fahrer, -Sammler und -Schrauber. Durch seinen Youtube-Kanal ist er gemeinsam mit seinem Unimog Team Fitzen in der Szene weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt.

Selbst ein gebrauchter Unimog ist selten unter 20.000 Euro zu haben

Angefangen hat alles ganz klein – mit dem Wunsch nach einem Fahrzeug, das Henning Heitmann im landwirtschaftlichen Betrieb, aber auch in der Freizeit nutzen kann. „Mir war klar: Mit 18 kaufe ich mir einen Unimog“, erzählt er. Es wurde dann ein U 1000 mit 100 PS, Baujahr 1978. Wie viele andere ist Heitmann ein Fan der kraftvollen und wertstabilen „Universal-Motor-Geräte“, kurz Unimog, einer Fahrzeugbaureihe von Mercedes-Benz, die von Daimler Trucks, einem Geschäftsfeld der Daimler AG, hergestellt wird und vor allem in Land- und Forstwirtschaft, beim Militär und für kommunale Aufgaben eingesetzt werden.

Dabei liegt Heitmanns Augenmerk nur auf Oldies, auf Fahrzeugen Baujahr 1960 bis 1999. „Das hat auch finanzielle Gründe“, sagt der 23-Jährige. Wer sich in der Szene auskennt, der weiß: Selbst ein gebrauchter Oldtimer ist selten unter 20.000 Euro zu haben, zu begehrt sind die noch fahrfähigen Sammlerstücke. Es dauerte nicht lange, da hat der junge Landwirt seinen ersten Unimog gegen ein größeres Modell eingetauscht, einen U 1300 mit 130 PS. 2018 folgte dann der erste landwirtschaftliche Einsatz.

Die Männer hatten schnell 20.000 Klicks pro Video

Einfach „aus Jux“ hat sein Freund Moritz Gerau die Aktion gefilmt und bei Youtube hochgeladen. „Wir hatten keine bestimmte Intention, wir wollten einfach nur die Arbeit in der Landwirtschaft zeigen, unterhaltsam und informativ“, sagt er. Das Motto lautete damals „Technik und Quatsch“.

Kaum war das Video im Netz hochgeladen, folgten die Klicks. „Dass das so einschlagen würde, hat uns komplett überrascht“, sagt Heitmann. Nur wenige Wochen später fingen die beiden an, regelmäßig jeden Sonntag ein neues Video hochzuladen: Henning Heitmann stellte die Fahrzeuge und ihren Einsatz vor, Moritz Gerau filmte, bearbeitete die Clips. Schnell hatten sie 20.000 Klicks pro Video.

Heitmann und Gerau waren drei Wochen lang in Kamerun

Mit ihrer Popularität wuchs auch ihr Ehrgeiz. „Ich musste mir immer was Neues für die Abonnenten einfallen lassen, regelmäßig neue Fahrzeuge und ihre Einsatzmöglichkeiten vorstellen“, sagt Heitmann. Abwechslung war gefragt. Er kaufte verschiedene Unimogs, machte sie gemeinsam mit seinem Freundeskreis, der sich mittlerweile zum Unimog Team Fitzen zusammengefunden hatte, flott, und verkaufte sie wieder. Es lief gut. Ihr Ruf als Spezialisten in Sachen Unimog reichte nur ­wenige Monate nach dem ersten Video sogar bis nach Kamerun. Wie das?

„Eines Tages rief mich ein Mann mit französischem Akzent an und fragte, ob wir nach Kamerun reisen würden, um dort Staatsangestellten den Umgang mit diesen Fahrzeugen beibringen zu können“, berichtet Heitmann. Er hielt das anfangs für einen Scherz. Aber schnell stellte sich der „Scherz“ als ein ernst gemeintes, offizielles Angebot heraus. Drei Wochen lang waren er und Moritz Gerau in dem afrikanischen Staat. „Ein Kulturschock. Aber auch ein tolles Erlebnis“, sagt er.

Aus dem anfänglichen Hobby ist ein offizielles Gewerbe geworden

Im Juni 2019 folgte dann eine Zäsur: Moritz Gerau verunglückte tödlich mit seinem Auto. Ein Schock für die Freunde und die Familie. Die Drehs pausierten. „Wir wollten und konnten das auch viele Wochen nicht weiterführen“, bekennt Heitmann. Die Schaffenspause dauerte ein halbes Jahr. Neuer Filmer wurde Philipp Schütt, und seit Anfang 2020 wird erneut jeden Sonntag ein neues Video auf dem Youtube-Kanal Unimog Team Fitzen hochgeladen: Grünlandpflege mit dem U 1300, U 411 mit einem acht-Tonnen-Hänger, Unimog U 1000 mit Kran, der Schrott hebt. Informativ. Unterhaltsam. Und für Fahrzeug-Fans ein medialer Höhepunkt.

Aus dem anfänglichen Hobby ist ein offizielles Gewerbe geworden. Henning Heitmann kauft und verkauft Fahrzeuge, vermittelt und vertreibt Ersatzteile, einige davon fertigt das Team sogar selbst an. Eine ehemalige Scheune dient als Werkstatt und Lager von Ersatzteilen. Acht Fahrzeuge hat der 23-Jährige aktuell auf seinem Hof stehen.

Unimog-Truppe ist auch als Influencer erfolgreich

Aber auch als Influencer ist die Truppe erfolgreich: 173 Youtube-Videos hat das Team bisher hochgeladen, 38.000 Abonnenten vereint, einige Clips haben bis zu 780.000 Aufrufe. Aber jetzt muss er sich erst einmal um das neue „alte Modell“ kümmern, was noch auf dem Lkw-Hänger steht. „Da werden wir eine Menge Arbeit reinstecken müssen“, vermutet Heitmann. Er hat den Unimog wie so oft unbesehen im Internet gekauft. Dadurch weiß er nicht, in welchem Zustand das Fahrzeug ankommt. „Es ist ein Risiko. Aber das nehme ich gern in Kauf“, sagt er.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Lauenburg