Umwelt

Jetzt sind neue Methoden gefragt

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Karin Lohmeier

Geesthacht. Seit fast zehn Jahren wird im Wohngebiet am Heuweg das Grundwasser aus der Tiefe gepumpt und gereinigt. Rund 730 000 Euro hat das Projekt bisher gekostet, 183 000 Euro davon kamen als Zuschuss vom Land Schleswig-Holstein. Eigentlich sollte die Grundwasserreinigung die letzte Etappe einer umfangreichen Altlasten-Sanierung sein.

Doch schon seit längerem zeichnet sich ab, dass weitere Arbeiten notwendig sein werden. Die Vermutung: Im Boden liegen doch noch Fundamentreste eines Kraftwerks der ehemaligen Pulverfabrik Düneberg, die mit Teeröl belastet sind.

Das sollte eigentlich nicht so sein. 1988 waren bei Bauarbeiten in dem Neubaugebiet mit der Nummer IX/6 Gemäuerreste mit einer teerölhaltigen Brühe im Boden entdeckt worden. 250 Tonnen Schutt und Erdreich wurden 1991 abtransportiert, der Boden in den Folgejahren ausgetauscht. Doch da war das Grundwasser bereits verseucht: Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und andere Schadstoffe waren durchgesickert.

"Zunächst erbrachte die Grundwasser-Reinigung eine gute Wirkung. Die Werte verbesserten sich. Doch dann stagnierten sie auf hohem Niveau", sagt Anette Platz vom Fachdienst Umwelt im Geesthachter Rathaus. Die Ingenieurin für Umwelttechnik betreut das Projekt, das nach fünf bis sechs Jahren abgeschlossen sein sollte. Doch weil aus alten Fundamenten der Teerölgrube und aus verunreinigtem Erdreich immer wieder Schadstoffe in den Grundwasserleiter geraten, will die Stadt das Problem jetzt mit neuen Methoden angehen. Anette Platz: "Wir planen mit dem Landesamt für Umwelt und ländliche Räume eine Machbarkeitsstudie für die weitere Sanierung. "

Die Ausschreibung wird jetzt vorbereitet, noch in diesem Jahr soll dann feststehen, wie es weitergeht. Geprüft werden sollen vier verschiedene Verfahren. Bei der chemisch-oxidativen Methode werden dem Boden chemische Stoffe wie Wasserstoffperoxid, Kaliumpermanganat oder Natrium zugesetzt, die mit den Schadstoffen reagieren, so dass diese herausgelöst werden können. Beim mikrobiologischen Verfahren kommen Bakterien zum Einsatz, beim thermischen wird das Erdreich erwärmt. Auch ein Spülverfahren wäre möglich: Tenside oder Alkohole verbinden sich dabei mit den Teerölresten zu einer Emulsion, die entfernt werden kann.

"Wir müssen auch prüfen lassen, ob für diese Verfahren genügend Daten vorliegen", erklärt Anette Platz. Die Grundwasserreinigung soll erst einmal parallel weiterlaufen. Zurzeit ist nur noch einer der beiden Brunnen in Betrieb. Er holt das Wasser aus acht bis 13 Meter Tiefe. Im Container auf dem Grundstück Verschwisterungsring/Plaisirstraße läuft es dann über drei Aktivkohlefilter. Pro Tag werden so rund 30 Kubikmeter gereinigt. "Das Wasser wird von uns einmal monatlich untersucht. Es hat Regenwasserwerte und wird dann in den Schmutzwasserkanal eingeleitet", so Anette Platz.

Der zweite Brunnen, der etwa 80 Meter südlich des eingezäunten Grundstücks liegt, wurde bereits stillgelegt, weil es dort gelang, die Schadstoffe aus dem Grundwasserleiter zu entfernen. "Der ist an dieser Stelle sehr mächtig, mehr als 40 Meter tief", erklärt Anette Platz. Doch während er in Geesthacht fast überall von einer Tonschicht geschützt wird, die wie ein Deckel wirkt, gibt es am Heuweg ein "Fenster".

Für die Anwohner besteht keine Gefahr, so Platz. Der Boden sei ausgetauscht worden, das Grundwasser gase nicht aus. Der Verzehr von Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten gilt darum als ungefährlich. Nur ihre Gartenbrunnen dürfen die Hausbesitzer im Wohngebiet nicht nutzen.

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