Snow Dome

Bekommt Hamburgs Miniatur Wunderland Konkurrenz?

Frank Blin sitzt in der Baustelle der Zukünftigen Miniatureisenbahnanlage unter dem SnowDome in Bispingen.

Frank Blin sitzt in der Baustelle der Zukünftigen Miniatureisenbahnanlage unter dem SnowDome in Bispingen.

Foto: Roland Magunia

In Bispingen baut der Unternehmer Frank Blin unter dem Snow Dome eine Miniaturwelt – Eröffnung im April 2020.

Bispingen. Von Ruhe nicht die Spur. Überall sägt, bohrt und werkelt jemand in den Weiten der Miniaturwelt mit Modelleisenbahn, die derzeit in Bis­pingen entsteht. Dabei hatte Frank Blin gesagt, er wolle sein Leben etwas ruhiger angehen, als er seine Anteile am Imperium der Hofbräu-Häuser im vergangenen Jahr verkauft hat.

Er hatte sich vorgenommen, sich nur noch um den Snow Dome zu kümmern, den er 2015 übernommen hatte, und um seine schicken Oldtimer. „Eigentlich wollte ich nur ein Hotel bauen, weil ich wusste, dass hier viel Potenzial besteht“, sagt der 52-Jährige und lächelt. Die Zahl der Übernachtungen im Umkreis sei in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Blin plant deshalb ein Hotel, das die bestehenden 15 Blockhäuser mit 90 Betten neben dem Snow Dome ergänzt.

Skihalle im Sommer nicht ausgelastet

Die Skihalle ist nämlich ein Saisongeschäft. Zwar ist sie ganzjährig geöffnet, aber im Sommer haben einfach nicht genügend Menschen Skifahren im Sinn, die Anlage sei nicht ausgelastet, sagt Blin: „Da kommen pro Tag etwa 200 Menschen, im Winter 2000 bis 2500.“ Die Infrastruktur ist aber zwangsläufig für den Ganzjahresbetrieb ausgerichtet.

Also musste eine Idee her. Er hat vieles abgewogen: „Paintball ist nicht massentauglich und nicht sympathisch“, sagt Blin, und eine Kartbahn gibt es in unmittelbarer Nähe schon. Freizeitparks – gibt es schon mehrere. Nun hofft der Unternehmer, mit der Modelleisenbahn im XXL-Format ein Angebot zu schaffen, mit dem er die Besucher des nahe gelegenen Center Parcs aus ihrem Ferienpark locken kann ebenso wie andere Heidebesucher. Gleichzeitig mit der Modelleisenbahn wird Blin sein Automuseum eröffnen, in dem er seine etwa 20 Oldtimer ausstellt. Der Eintritt dafür ist im Ticketpreis (15 Euro für Erwachsene, 8 Euro für Kinder) inkludiert.

Er wünscht sich, dass alle Familienmitglieder unter den Besuchern ihren Spaß haben. Auch Blin selbst hat seine Familie bei der Arbeit um sich geschart – Sohn, Tochter und Ehefrau arbeiten im Familienunternehmen mit.

Blin setzt im Gegensatz zum Miniatur Wunderland auf Größe

Der Unternehmer baut auf ein großes Einzugsgebiet. Von den 320.000 Gästen des Snow Dome pro Jahr kämen nur etwa 120.000 aus Hamburg, sagt der Chef des „Berg & Tal Abenteuer-Resorts“, wie das Areal, das inzwischen viel mehr ist als nur eine Skiarena, jetzt heißt. Der Skihallen-Betreiber, dem die Anlage zusammen mit einem österreichischen Wirtschaftsberater aus Sölden gehört, erhofft sich viele skandinavische Gäste neben jenen aus in der Lüneburger Heide. Für die Modelleisenbahn rechnet er mit 200.000 bis 500.000 Besuchern pro Jahr. Am liebsten wären ihm natürlich solche Gäste, die künftig gleich das ganze Paket buchen: Skifahren, Eisenbahngucken und dann auch noch bei ihm übernachten.

Während das Miniatur Wunderland in Hamburg, die beliebteste Touristenattraktion Deutschlands, mit kleinem Maßstab und faszinierenden Szenerien punktet, setzt Blin auf Größe. Die 15,7 Kilometer Gleislänge der Hamburger Braun-Brüder will er um fast fünf Kilometer überbieten, Schienen für weitere zwei Kilometer liegen schon bereit. Er arbeitet mit einer Spurweite von 45 Millimetern (Spurweite G) und einem Maßstab von 1:22,5, das Miniatur Wunderland mit Spurweite H0 und einem Maßstab von 1:87. Anfangs hätten alle seine Idee belächelt, sagt der Unternehmer, „jetzt belächelt es keiner mehr“.

Keine Konkurrenz zu den Braun-Brüdern

Dabei will der 52-Jährige von Konkurrenz gar nichts hören. Er sei per Du mit den Brauns, sagt Blin, „wir kennen uns lange, haben früher in Hamburg Discos betrieben“. Als er damals von den Plänen der Brauns für das Miniatur Wunderland gehört habe, habe er auch gesagt, „die sind wahnsinnig“. Er hat sich geirrt. Und investiert nun selbst eine achtstellige Summe, von mindestens zehn Millionen Euro spricht er. „Wir stehen nicht in Konkurrenz“, sagt er noch einmal über die Hamburger Anlage. „Freddy Braun hat sich das hier angeguckt, wir haben viel gesprochen“, sagt Blin.

„Als Modellbahnmann habe ich mich gefreut, als ich von den Plänen gehört habe“, sagt Frederick Braun, einer der beiden Chefs des Miniatur Wunderlands, das 1,4 Millionen Besucher pro Jahr hat. Im Sommer seien fast 40 Prozent der Gäste aus dem Ausland gekommen, viele davon aus den USA. „Wir wissen, wie viele Gäste wegen uns nach Hamburg kommen“, sagt Braun selbstbewusst. Die Modelleisenbahn sorge für mehrere Hunderttausend Übernachtungen in Hamburg pro Jahr. Deshalb sei es wichtig, international als Rekordhalter im Gespräch zu bleiben. Denn das sorge für anhaltendes Interesse. Und davon profitiere Hamburg enorm.

Mehr Platz als in der Speicherstadt

Die Braun-Brüder haben sich deshalb im Sommer noch einmal ihrer Spitzenposition versichert und den Weltrekordtitel für die „maßstabsübergreifend größte Modellbahnanlage der Welt“ verliehen bekommen. Und auch die Brauns verschaffen sich mehr Platz. Für den neuen Abschnitt Südamerika ist bis Ende 2021 eine Erweiterung geplant, in einem Nachbargebäude auf der anderen Seite des Fleets, verbunden mit einer Brücke.

Er habe in seiner neuen Anlage Möglichkeiten, die die Brauns in der Speicherstadt nicht hätten, sagt Blin. „Wir haben hier jede Menge Platz“, sagt er. Auf 12.000 Quadratmetern erstrecken sich die „Modellbau Welten“ direkt unter der Skihalle. Das Besondere: Die gesamte Anlage wird im Freien aufgebaut. Das Dach schützt die Bereiche, die Ränder sind der Witterung ausgesetzt. Und deshalb wird die Anlage im Winter geschlossen sein.

Zwei Dutzend Themenwelten

An der Arktis erfolgt derzeit gerade der letzte Schliff, in Island werden noch die Häuser zurechtgeruckelt, aber die Berge sind schon mit Wiesen beflockt. Manche Themenwelten sehen noch arg nach Rohbau aus, manch andere allerdings, als müsse nur noch jemand den Startknopf drücken. „Alles, was wir bauen, bauen wir selbst“, sagt der Hausherr stolz. 30 bis 40 Mitarbeiter arbeiten unter der Leitung von Yogi Meisner, einem Ladenbauer, der für Blin schon früher tätig war und die Hofbräu-Häuser einrichtete. Zwei Dutzend Themenwelten sollen den Besucher in viele Bereiche der Erde entführen, 500 Zuggarnituren mit Anhängern werden über die Anlage gleiten.

Die Züge kommen von 40 unterschiedlichen Zulieferern aus der ganzen Welt. In einem zur Werkstatt umfunktionierten Tagungsraum tüftelt Volker Hansen, technischer Leiter der Bahn, über Schaltplänen, und baut Loks und Züge um für den Dauerbetrieb. Denn manche Teile sind nicht von Haus auf für Dauerbetrieb geeignet. Seine Räume sind voller Zubehör, der gelernte Fernmeldetechniker bastelt gern. So hat er beispielsweise eine Lok so ausgerüstet, dass sie die Schienen reinigt.

Eröffnung für April 2020 geplant

Für Kinder wird es auf dem Gelände der Modelleisenbahn ein Wasserbassin geben, in dem sie auch mit Booten fahren können, einen großen Spielplatz und eine Bahn, auf der sie selbst Lokführer spielen können. Während dieser Zeit können die Eltern sich hinsetzen und ein wenig verschnaufen. Und außerdem können sich Jung und Alt an Fahrsimu­latoren versuchen und an Carrera-Bahnen.

Das Datum für die Eröffnung wurde mehrmals nach hinten geschoben. Blin rollt mit den Augen. Doch er will sich nicht hetzen lassen und ganz bewusst nicht im Winter starten: „Ich möchte ungern bei 12 Grad minus Eröffnung feiern“, sagt er. Zu groß ist die Angst, dass die Bedingungen auch danach zu ungünstig sind.

Die Eröffnung von Modelleisenbahn und Automuseum ist nun nach mehreren Verschiebungen für den 1. April 2020 geplant. Bis dahin soll auch das dreistöckige Hotel in Modulbauweise stehen. Es bekommt eine Holzfassade, um einen alpenländischen Eindruck zu vermitteln. Um die Auslastung ist dem Chef nicht bange.

Geführte Besichtigungstage ab Oktober

Schon von Oktober an soll es in der Modellbahnanlage geführte „Schautage“ geben, an denen geführte Gruppen bis 50 Personen die neue Anlage besichtigen.

Blin hatte übrigens schon als Kind eine Modelleisenbahn. Sie sei irgendwo in der Abseite seines Elternhauses, sagt er. Aber er habe sie schon lange nicht mehr aufgebaut. Wird er wohl auch nicht mehr – er erfüllt sich diesen Traum kleiner Jungs nun im XXL-Format.