Buchholz

Schüler verdienen 1025 Euro mit eigener Ernte

Präsentieren stolz ihre Ernte auf dem Buchholzer Wochenmarkt: Ackerbau-Schüler Ari (v.l.), Jannis, Till und Casimir (hinten) sowie Julia und Maria. 

Präsentieren stolz ihre Ernte auf dem Buchholzer Wochenmarkt: Ackerbau-Schüler Ari (v.l.), Jannis, Till und Casimir (hinten) sowie Julia und Maria. 

Foto: Hanna Kastendieck / HA

Im Frühjahr pflanzten die Gymnasiasten vom Kattenberge eigene Kartoffeln. Jetzt haben sie die Ernte auf dem Wochenmarkt verkauft.

Buchholz.  So wie an diesem Morgen sollte der Unterricht immer beginnen. Da sind sich Julia, Maria, Till, Jannis, Casimir und Ari einig. Statt im Klassenzimmer stehen die Neuntklässler früh um acht auf dem Buchholzer Wochenmarkt. 800 Kilo Kartoffeln haben sie in Säcken und Papiertüten um sich herum gestapelt. Es ist ihre eigene Ernte, die die Schüler zu Geld machen wollen. Linda, Laura, blauer Schwede, Belana, Venezia und etliche Sorten mehr haben sie im Angebot - das Kilo für 2,50 Euro.

Das Geschäft läuft. Und kommt bei den Kunden richtig gut an. „Tolles Engagement“, schwärmt Arlene Augustin. „Damit lernen die Schüler, wo die Kartoffeln tatsächlich herkommen - nämlich nicht aus der Tüte.“

Insgesamt werden 2,6 Hektar schuleigene Acker- und Weidefläche bewirtschaftet

Genau darum geht es beim großen Ackerbau-Projekt des Gymnasiums am Kattenberge. Zu lernen, wie Landwirtschaft funktioniert, welche Voraussetzungen es für den Anbau von Gemüse braucht und wie der Weg von der Saat bis zur Ernte aussieht. Und es geht um die Vermarktung. So wie an diesem Morgen in der Buchholzer Innenstadt.

Die Kartoffel-Verkauf-Aktion der Schüler ist der krönende Abschluss der ersten Ackerbau-Saison an der Buchholzer Schule. Seit August 2018 bewirtschaften hier alle 7. und 8. Klassen eine 2,6 Hektar große Ackerfläche direkt neben dem Schulgelände. Gemeinsam bewirtschaften sie jeweils eine Doppelstunde pro Woche die schuleigene Acker- und Weidefläche, die unmittelbar an den Schulhof grenzt.

„Mit dem Projekt wollen wir künftig nicht nur kognitives, sondern auch soziales Lernen mit den siebten und achten Klassen durch projektorientierten Unterricht fördern“, sagt Initiator Tim Danker. „Darüber hinaus geht es darum, die Klassengemeinschaft zu stärken, soziale Kompetenzen auszubilden und gemeinsam eine große Herausforderung zu meistern.“ Und nicht nur dass. Das Ackerbau-Projekt lässt sich in fast jedes Fach einbauen. Themen wie Pflanzenwachstum und Bodenkunde passen in den Biologieunterricht, in den Mathestunden geht es um das Berechnen von Transportmittel- und Lagerraumgröße, Saatabstand und Wasserverbrauch und in Politik wird angelehnt an das eigene Projekt unter anderem über Preisbildung, Marktmechanismen und Agrarförderung gesprochen.

Es gibt eine Bienenweide, eine Hühnerfarm und riesige Gemüsebeete

Innerhalb eines Schuljahres haben die Schüler schon einiges erreicht. Sie haben Tulpenzwiebeln gesetzt und für einen guten Zweck verkauft, eine Bienenweide gesät und eine Hühnerfarm aufgebaut. Im Frühjahr wurden schließlich auf 5000 Quadratmetern Acker die ersten Saatkartoffeln in die Erde gelegt.

Unterstützung bekommen die Schüler dabei vom Verein „Ackerdemia“. Dieser bietet mit der „GemüseAckerdemie“ ein ganzjähriges, praxisorientiertes Bildungsprogramm an, welches das Ziel hat, die Wertschätzung von Lebensmitteln bei Kindern und Jugendlichen wieder zu steigern. Tipps und Tricks zum Kartoffelanbau sowie Informationen zu Kartoffelsorten und Schädlingen gab es darüber hinaus von Bernd Stemann, der als Landwirt in der Region das Projekt ehrenamtlich unterstützt.

Im August ging es dann an die Ernte. 1600 Kilogramm Kartoffeln holten Schüler der fünf 9. Klassen aus dem Boden. Ein Viertel der Erträge haben sie erfolgreich auf dem Wochenmarkt verkaufen können und auf diese Weise innerhalb von fünf Stunden 1025 Euro Umsatz gemacht. Die Einnahmen sollen in die nächsten Ackerbau-Projekte fließen. Und die restlichen Kartoffeln, die werden unter den Schülern verteilt oder eingelagert - bis der Grünkohl erntereif ist.