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Buchholz

Die gackernde Schule am Kattenberg

Die Mitglieder der Hühnerbande am GaK kümmern sich hingebungsvoll um zehn schuleigene Hühner und einen Hahn.

Die Mitglieder der Hühnerbande am GaK kümmern sich hingebungsvoll um zehn schuleigene Hühner und einen Hahn.

Foto: Hanna Kastendieck / HA

Sie halten auf ihrem Schulhof Hühner. Jetzt wollen die Schüler des Gymnasiums auch noch 2,6 Hektar Acker bewirtschaften.

Armin ist der Hahn im Korb. Zehn stolze Hennen schaart der prächtige Vogel auf dem 900 Quadratmeter großen Hühnerhagen beim Gymnasium am Kattenberge um sich. Von seinem Gehege hat Armin einen tollen Blick auf das moderne Schulgebäude, in dessen Erdgeschoss sein Namensvetter waltet. Er ist Chef im Haus, trägt meist einen Anzug und nimmt’s mit Humor, dass neuerdings ein gefiederter Freund seinen Namen trägt. Armin Mey ist Schulleiter am Buchholzer Gymnasium am Kattenberge (GaK). 1300 Schüler stehen unter seiner Obhut – und neuerdings auch zehn der seltensten Hühner Deutschlands sowie Hahn Armin.

Das Projekt „GaK-Hühner“ ist Teil des Ackerprojekts, das die Siebt- und Achtklässler der Schule gemeinsam mit einer Reihe von Lehrern gestalten. Gemeinsam bewirtschaften sie eine Doppelstunde pro Woche die schuleigene Acker- und Weidefläche, die unmittelbar an den Schulhof grenzt. „Mit dem Projekt wollen wir künftig nicht nur kognitives, sondern auch soziales Lernen mit den siebten und achten Klassen durch projektorientierten Unterricht fördern“, sagt Initiator Tim Danker. „Darüber hinaus geht es darum, die Klassengemeinschaft zu stärken, soziale Kompetenzen auszubilden und gemeinsam eine große Herausforderung zu meistern.“

Wie gut sich Ackerbau und Tierhaltung dazu eignen, erfahren die Beteiligten jeden Tag aufs Neue. Im November bauten Schüler, Lehrer und Eltern gemeinsam den Hühnerhagen. Sie nahmen Kontakt zum Geflügelzuchtverein Klecken auf und entschieden sich für das Ramelsloher Blaubein, eine vom Aussterben bedrohte Rasse. Sie beschäftigten sich mit Gefährdungsstufen und Arterhaltung und lernten ganz nebenbei, welche ethischen Aspekte bei der Tierhaltung eine Rolle spielen.

Zu den „Hühnerbanditen“, wie sich die verantwortlichen Schüler nennen, gehören Kinder und Jugendliche aller Klassenstufen. „Es macht Spaß, auf diese Weise mit den Größeren zusammenzuarbeiten“, sagt Schülerin Scarlett. Sie ist 13, geht in die achte Klasse. Genauso wie Ole, der die Hühner inzwischen richtig lieb gewonnen hat. Als er an Heiligabend Hühnerdienst hatte, brachte er den gefiederten Freunden gemeinsam mit Mitschülerin Greta ein paar Äpfel und Mehlwürmer zur Bescherung mit. „Die Hühner haben sich gefreut“, sagt der Achtklässler. „Und wir haben die besondere Stimmung genossen.“

Die Weihnachtstage waren die erste Bewährungsprobe für die Hühnerbande. Denn trotz Ferien mussten die Tiere zweimal täglich von je zwei Schülern versorgt werden. „Wir müssen die Hühner aus ihrem Stall ins Gehege lassen, Wasser und Futter nachfüllen und manchmal auch den Stall säubern“, sagt Schülerin Aurelia (14). „Und in der Dämmerung müssen die Tiere wieder in den Stall getrieben werden.“ Sogar am Neujahrsmorgen standen pünktlich um acht mit Zwölftklässlerin Fiona und der 13-jährigen Saskia zwei Hühnerbanditen bereit.

„Die Fläche, die wir gepachtet haben, ist unser Ideen-Acker“

Bio-Lehrerin Sünne Andersen, die das Projekt maßgeblich betreut, freut sich, dass die Tiere das Zusammenleben an der Schule bereichern, die Teamfähigkeit steigern und dazu beitragen, soziale Kompetenzen zu fördern . „Man merkt, dass die Schüler lernen, ganz stark Verantwortung zu übernehmen“, sagt sie. Künftig wolle man versuchen, die Tiere vermehrt in den Unterricht einzubinden. So könnten sie in Klasse 5 beim Thema Nutztiere als praktisches Beispiel dienen, in der Oberstufe beim Thema Ökologie anschauliches Material liefern.

Die Hühner am GaK sind aber erst der Anfang, wenn es um das Thema Landwirtschaft und Ökologie an der Schule geht. „Die Fläche, die wir gepachtet haben, ist unser Ideen-Acker. Wir wollen, wie im Vorjahr, wieder eine Bienenweide anlegen. Und unser nächstes Projekt sollen Schafe sein“, sagt Tim Danker. „Und wir planen einen echten Schulwald, für den wir bereits einen digitalen Lehrpfad gebaut haben.“ So könnten die Schüler mit zeitgemäßen Methoden die Pflanzen des Waldes erkunden. Darüber hinaus haben Schüler bereits im vergangenen Jahr 2500 Tulpenzwiebeln gesetzt. Die Blumen sollen im Frühjahr für einen guten Zweck verkauft werden.

Spätestens dann soll auf dem Schulacker auch richtig geackert und Gemüse angebaut werden. „Kürbis, Kartoffeln, Salat, Sellerie und Möhren“, schwärmt Tim Danker. „Auf diesem Wege können wir zum Beispiel Themen wie Pflanzenwachstum, Bodenkunde, Nachhaltigkeit, ökologische und konventionelle Landwirtschaft, darüber hinaus gesunde Ernährung, Vertrieb und Vermarktung von Lebensmitteln in den Unterricht einbauen.“

Unterstützung bekommt die Schule dabei vom Verein „Ackerdemia“. Der bietet mit der „GemüseAckerdemie“ ein ganzjähriges, praxisorientiertes Bildungsprogramm an, welches das Ziel hat, die Wertschätzung von Lebensmitteln bei Kindern und Jugendlichen wieder zu steigern. Ab Februar werden die Schüler unter Anleitung eines „Acker-Coachs“ von Ackerdemia damit beginnen, den Boden vorzubereiten, Pflanzen auszuwählen, Flächen zu berechnen und zu säen. Im Sommer geht es dann um Ernte und Vermarktung. Finanziert wird das Projekt durch Spenden.

Und auch das Projekt Hühnerbanditen soll weiter ausgebaut werden. Im März wollen die GaK-Gärtner Hahn Armin und seinen Hennen eine besondere Freude bereiten und für Nachwuchs sorgen. Wenn alles klappt, werden zehn Eier mit der Brutmaschine ausgebrütet. Die Küken sollen anschließend in die bunte Hühnerschar integriert werden. Sollten es jedoch zehn Hähne werden, müssen sich die Schüler eine andere Lösung suchen. Denn sie wissen inzwischen: ein Armin im Stall ist genug.