Schleswig-Holstein

Europameisterschaft der Hütehunde: Erste Deutsche im Finale

Ein Border Collie zeigt, was er als Schafhirte drauf hat. Die Schafe dürfen dabei nicht in Stress geraten.

Ein Border Collie zeigt, was er als Schafhirte drauf hat. Die Schafe dürfen dabei nicht in Stress geraten.

Foto: Carsten Rehder/dpa

109 Border Collies und ihre Herrchen stellen ihr Talent beim Schafehüten unter Beweis. Was sie dabei berücksichtigen müssen.

Wittbek. Der Eifer der Hunde ist faszinierend: Mit hängender Zunge hetzen sie über das Feld – immer darauf bedacht, die Schafe zusammenzuhalten und den Anweisungen ihrer Herrchen entsprechend über den Parcours zu führen. Insgesamt 109 Border Collies haben sich im schleswig-holsteinischen Wittbek zur Europameisterschaft der Hütehunde versammelt. Es sind die Besten der Besten aus 18 Nationen, die sich in regionalen Ausscheidungskämpfen für die „Continental Sheepdog Championship“ qualifiziert haben, wie Susanna Stubbe von der Arbeitsgemeinschaft Border Collie Deutschland (ABCD) sagt. Um dann mit einem Augenzwinkern hinzuzufügen: „Doch die Schafe sind hier das Wichtigste.“

Denn darum geht es: Der Hund und „sein“ Mensch müssen Schafe treiben, ohne die Schafe zu stressen. Daher sind aller Augen auf die Schafe gerichtet. Der Mensch - der sogenannte Handler - muss ebenfalls auf die Schafe gucken. Er muss ihren Lauf kontrollieren, um seinen Hund in Echtzeit mit entsprechenden Befehlen zu lenken. Und die Kampfrichter erkennen am Lauf der Schafe, wie gut der Handler und sein Hund die Aufgaben lösen.

Border Collies gelten als Spezialisten

Die Border Collies stammen den Angaben zufolge ursprünglich aus dem englisch-schottischen Grenzland. Dort sei die Hunderasse für die Arbeit am Vieh gezüchtet worden. Zu ihren Aufgaben gehört das präzise Umtreiben, Abtrennen und Einpferchen kleiner Schaftrupps. Der Border Collie gilt für das Zusammensuchen und das ruhige schonende Heranbringen von Schafen in unwegsamem Gelände als Spezialist.

Rund 500 Schafe warten in Koppeln am Randes des Wettkampfgeländes auf ihren Einsatz. Jedes Schaf müsse während der EM nur einmal über den Parcour, wobei der Lauf maximal 15 Minuten dauere, erklärt Stubbe. Seine Zähne darf der Hund dabei nur zeigen, aber nicht benutzen. „Wenn er ein Schaf packt - es zwickt oder festhält - ist er sofort disqualifiziert“, sagt Wolfgang Albertsen. Der 63-Jährige war schon Deutscher Meister und Vizemeister bei Hütehunde-Wettbewerben, nahm an mehreren Europa- und Weltmeisterschaften teil. Diesmal mache er jedoch nicht mit, weil er keinen passenden Hund für sein Hobby habe.

Von den deutschen Teilnehmern gelte keiner als Favorit, meint Albertsen. Dabei hat die erste Deutsche den Einzug ins Finale bereits geschafft. Frauke Spengler aus Ulmen in der Eifel (Rheinland-Pfalz) überzeugte am Donnerstag mit ihrem Border Collie „Ace“ die Schiedsrichter, sagt Stubbe.

Und wie wird man Meister? „Training, Training, Training“, sagt Albertsen. Zu diesem Training gehören auch die Wettbewerbe. Daraus resultiere die Übermacht der englischen, irischen und schottischen Teams. Dort gebe es viel mehr Hütehunde-Wettbewerbe als in Deutschland. Die fehlende Wettkampf-Praxis schlage sich in den geringen Erfolgen deutscher Teilnehmer nieder. Das sieht nicht nur Albertsen so. „Nächstes Mal wird’s wieder besser: Das macht die Erfahrung“, verspricht ein Handler sich und seinen Hund nach einem verkorksten Lauf.